Öffentliche Tastings

Öffentliches Tasting „Island-Hopping mit McLarsen“

10. Juni 2022, im Feuerwehrhaus der Freiwilligen Feuerwehr Loga in Leer

Moin ihr,
die älteren unter uns erinnern sich mit Sicherheit noch an eine sehr bekannte wie beliebte Fernsehserie aus den 1980ern, in der ein ziemlich abgedrehter Privatdetektiv unter anderem unterstützt von einem Hubschrauberpiloten und Inhaber einer Charterfirma namens ‚Island Hoppers‘ sehr humorvoll im Fernsehen ermittelte. Falls nun die malerischen Ansichten von Hawaiis Insel Oʻahu vor Eurem inneren Auge auftauchen und ihr die warme Sonne des Aloha State zu spüren wähnt, sei gesagt: ätsch, falsche Fährte, damit hatte unser Junitasting nichts zu tun. 😂

Setzen wir nochmal neu an

Im vergangenen Jahr hatten wir das Glück, ein gleichermaßen wunderschön aufwändig gestaltetes wie humorvoll präsentiertes öffentliches Tasting mit Lars ‚McLarsen‘ Pechmann erleben zu können – dem Feedback unserer Gäste nach zu urteilen zweifellos eines unserer Tasting-Highlights in 2021.

Lars ist in Berlin verwurzelt und – viel wichtiger für uns – seit mehr als einem Vierteljahrhundert dem Wasser des Lebens verfallen. Er betreibt zudem mit dem Offside im Wedding einen Pub, der eine nahezu obszöne Whiskyauswahl feilbietet.

Weiter reist Lars gern und nicht schwer zu erraten ist, wohin ihn viele seiner Reisen geführt haben: genau, ins gelobte Land für uns Whiskygenießer, nach Schottland.

Pub-Besitzer und Whiskynerd und NEIN, das hier hat NICHTS mit Magnum zu tun: Lars Pechmann

Von seinen exzellenten Beziehungen beim Erwerb gesuchter Whiskys einerseits sowie seinem extensiven Wissen über die schottische Whiskyindustriekultur andererseits durften wir nun ein zweites Mal profitieren: Lars hat sich erbarmt, unser öffentliches regulars-Tasting im Juni zu gestalten.

Jetzt kommt das mit den Inseln

Als thematischen Rahmen hatte Lars die schottische Whiskyregion der Inseln gewählt: die auf Arran, Jura, Mull, Skye, Mainland Orkney etc. hergestellten Inselwhiskys stehen im Ruf, mit ausgeprägten maritimen Noten und bisweilen angenehm dezentem Rauch ein eigenständiges wie verehrungswürdiges, ‚maritimes‘ Aromenprofil zu bieten.

Also nix mit pazifischer Hitze: schmuddeliges Hebriden- und Orkneywetter waren angesagt!

Unter hervorragend frühsommerlichen Wetterbedingungen fand sich am vergangenen Freitag eine bunte Gästeschar im Feuerwehrhaus Loga ein. Und auch unser Berliner Referent hatte Leer nach einer ausgiebigen touristischen Stippvisite in Bremen und trotz allem Unbill aktuell maximal überfüllter Züge erfolgreich erreicht.

Lars stellte sich vor und ließ ohne große Umschweife den ersten Whisky des Abends ausschenken – einen leicht getorften Raasay:

Raasay Lightly Peated R-02

Anerkennendes Nicken im Rund: für nur drei Jahre war dieser Malt absolut nicht zu verachten, ein leckerer Starter, der gut ankam. Bei Raasay sollte es sich auch um die einzige Brennerei im Lineup handeln, die Lars noch nicht persönlich besucht hatte – für alles Folgende standen Erfahrungsberichte von den jeweiligen Inseln und ihren chronisch malerischen Landschaften auf dem Programm.

Mit dem zweiten Dram griff Lars in seine persönliche Schatzkiste: ein für sein Offside abgefüllter, 15-jähriger Jura durfte verkostet werden:

Isle of Jura 2000 OW

Ooooh Jura – nicht jedermensch’s Ding. Aber der konnte was: Milchkaffee vorneweg und mit ein paar Tropfen Wasser aufgeschlossen schob der Whisky eine total tolle Fruchtmischung vor. Sehr sehr fein!

Sehn’se: ruhig mal ’nen Jura probieren – wenn McLarsen das verordnet, hat das schon seinen Grund 😉

Dram Nummer drei stammte von der Insel Arran – ganze 24 Jahre gereift und eine echte Sherrywuchtbrumme:

Arran 1996

Sehr sanft, gefällig, dabei intensiv-sherrytönig ohne als ‚Sherrymonster‘ alle anderen Aromen unter sich zu begraben – das war ein traumhafter Dram!

Geologiekenntnisse mangelhaft? Kein Problem – ein Tasting mit Lars Pechmann schafft selbst dafür Abhilfe 😉

Lars zeigte viele wunderschöne Fotos von seinen Aufenthalten vor Ort und nahm uns seinen Pfad entlang mit von Insel zu Insel.

Nach der obligatorischen Halbzeitpause verschlug es uns auf dieser Tour nach Mainland, der größten Insel der Orkneys, wo Highland Park beheimatet ist. Zum Ausschank gelangte eine 13-jährige Octave-Sherryreifung:

Highland Park 2007 DT

Das kleine Octavefass hatte Spuren hinterlassen: weniger süß als der Arran zuvor, mit starkem Holzeinfluss und großartiger Fasswürze zeigte sich der Highland Park als gänzlich andere Spielart der Gattung Sherryfassreifung – ein schöner Gegensatz zu seinem Vorgänger.

Auf unseren Referenten – mit herzlichem Dank für einen superdetaillierten Reise- und Bildervortrag! 🙂

Fünfter Whisky des Abends wurde ein Talisker von der Insel Skye. Die Landschaftsaufnahmen von hier waren die vielleicht schönsten des Abends, das löste echtes Fernweh aus …

Der zugehörige Dram holte uns da ein wenig in die Realität zurück:

Talisker 08-year-old

Ein tüchtig strammer Antritt, Alkohol spürbar und jung und wild und intensiv. Peitschendes Hebridenwetter im Glas, wow!

„… und nun die Wettervorhersage für heute Freitag, den 10. Juni 2022 mit Lars Pechmann“ – ach nee, die Kartenvisualisierungen dienten lediglich der Orientierung 😉

Ein Whisky stand noch auf dem Programm: ein Ledaig aus der Brennerei Tobermory auf der Isle of Mull:

Ledaig 2007 BD

Ein Dram direkt vom Zuckerbäcker kreiert: sehr süß, gefährlich zugänglich im Trinkfluss – der war zwar nicht als Komplexitätswunder einzustufen, nichtsdestotrotz aber als herrlicher Dram zum Plausch geeignet.

Es wollte nicht aufhören zu schmecken: riechen, probieren, genießen … and repeat 🙂

Unser Lars (nach dem sechsten Whisky war er spätestens auch für den kühlsten Ostfriesen ‚unser Lars‘) ließ sich am Ende nicht nehmen, noch einen Bonusdram aus dem Hut (bzw. der Flasche) zu zaubern: einen Laphroaig Cask Strength:

Laphroaig Cask Strength

Ohne viel Federlesens hatten wir damit nach offizieller SWA-Definition die Whiskyregion der Inseln verlassen, stammte der Laphi doch von der Insel Islay, aber Insel ist Insel und Whisky ist Whisky. Teerig, ölig, schwer und intensiv sowie mit voller Portion Rauch setzte der Laphroaig einen würdigen Schlusspunkt unter ein tolles Tasting.

Wäre da nicht noch der Liebling des Abends zu wählen gewesen  – unsere Gäste stimmten für ihre(n) Favoriten ab:

Die Whiskys des Island-Hopping-Tastings

Das Feedback war eindeutig: der 24-jährige Arran heimste das Krönchen ein, direkt gefolgt vom Laphi CS als Mitvertreter auf dem virtuellen Treppchen.

Schön, schön, schön!

Wenn man aus Berlin anreist, will man nach drei Stunden nicht schon wieder weichen – weshalb Lars auch noch ein Lineup für die Post Show im Gepäck hatte:

Und jetzt müssen wir mal deutlich werden: Lars hatte sämtliche Whiskys des Abend zu ihren ursprünglichen (teilweise vor Jahren aufgerufenen) Ausgabepreisen in unsere Gläser gebracht. Dem setzte er in der Post Show die Krone auf: wer noch Lust auf etwas losen Plausch und einen weiteren Dram hatte, konnte aus Glen Scotias diesjähriger Festivalabfüllung, einem Springbank Local Barley 2021 und dem brandneuen Longrow Red 2022 wählen.

Der Springbank war eine absolute Hypeflasche. Erschienen, vergriffen, zu so unfassbar obszönen Wucherpreisen gehandelt, dass der Begriff Whiskysau wohl selten passender als für diese Abfüllung vergeben werden konnte. Lars ermöglichte uns das Probieren dieses (wirklich sehr sehr leckeren) Springers für einen Bruchteil der Fantasiepreise am Markt – und über 20 Gäste waren dafür mehr als dankbar.

Um Mitternacht verabschiedeten wir uns voneinander – und unseren Referenten – und bleiben zurück mit Erinnerungen an einen sehr sehr informativen Tastingabend mit wirklich schönen Drams im Glas.

Dicker Dank gebührt Lars, sich auf den Weg zu uns gemacht zu haben. Wen es mal nach Berlin verschlägt: schaut im Offside Wedding vorbei und lasst es Euch bei McLarsen gutgehen. Und schaut Euch online die tollen Fotos und Reisebeschreibungen von Lars an, denn er bloggt fleißig, wenn er unterwegs ist – ganz aktuell übrigens auch über seinen Trip zu uns in den Nordwesten.

Damit sagen wir von hier Dank für die Aufmerksamkeit und reiben uns jetzt zwei Monate lang fröhlich die Hände – denn mit unserem nächsten öffentlichen Tasting geht ein lange gehegter Wunschtraum in Erfüllung: uns steht direktemang aus Schottland ganz besonderer Besuch ins Haus. 🏴󠁧󠁢󠁳󠁣󠁴󠁿🤩

Hurra, juchheißa und juche!
Seb und die regulars

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