Messe- & Veranstaltungsbesuche

Fahrt zur Whisky Fair 2022

23. April 2022, »Uns kann nichts passieren«, auf der Whisky Fair in Limburg an der Lahn

Moin ihr,
mehr als zwei Jahre nach dem Ausbruch von Ihrwisstschonwas, mehr als zwei Jahre nachdem wir zugunsten des Gesundheitsschutzes als Gesellschaft auf Vieles verzichtet und ebenso Vieles digital und damit anders als früher gestaltet haben, finden nun wieder erste Whisky-bezogene Veranstaltungen live und vor Ort statt.

Und wie das so ist, trifft am Ende jede:r von uns für sich die Entscheidung, ob bzw. wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist, sich wieder unter Menschen zu begeben. Für mich war der Bremer Bottle Market im November 2021 nicht dieser Zeitpunkt – ich verzichtete.

Aber die nun für den 23. und 24. April angekündigte Whisky Fair sollte mein erster Messebesuch seit Corona werden. Dreifach geimpft, vor einigen Wochen zudem infiziert und genesen (Dank an der Stelle nochmal Vater Staat, der mit seiner Strategie in KiTas, KiGas und Schulen den ultimativen Boden zur Durchseuchung bereitet hat) hielt ich mein persönliches Gesundheitsrisiko für vertretbar.

Mit der Entscheidung stand ich (was ich absolut nachvollziehen kann) in unserem ostfriesischen Ründchen aus Whiskybegeisterten relativ allein da, das Gros der anderen beschloss zumindest bis in den Hochsommer zuzuwarten, bevor es auf Veranstaltungen mit massig Menschen gehen sollte.

Gemeinsam mit Joschie und meiner Kummer gewohnten besseren Hälfte als Fahrerin planten wir die Behütung des eigenen Nachwuchses und freuten uns auf das Whiskymekka an der Lahn.

Bis.

Jo, bis sich Joschies Babysitter am Vorabend der Messe positiv testete und die Betreuung als auch dessen Dabeisein leider in sich zusammenbröselte. Megaschade!

Also machten sich gestern lediglich meine Frau und ich auf den langen Weg down south: A31, A2, A3 – und schon fiel ich nach eben über 400 km Strecke um 11.40 Uhr an der Josef-Kohlmaier-Halle aus dem Auto.

Und es nahm mich Wunder: Nur 40 Minuten nach der Eröffnung stand ich in einer unglaublich kurzen Schlange.

Anstellen – aber nicht einmal quer durch Limburgs Altstadt, sondern direkt vor dem Gebäude: das war neu.

Binnen 20 Minuten hatte ich mein Tagesticket und war Teil der Messe. Normalerweise war Limburg ein epischer Menschenauflauf:

Auf Whiskymessen ist es bisweilen voll. Manchmal sehr voll. Manchmal sogar sehr sehr voll. Und dann gibt es da noch den Messesamstag auf der Whisky Fair Limburg. Da ist es dann dergestalt voll, dass der geneigten Besucher:in beim Messerundgang des Öfteren mal die Rückenbehaarung des Vordermanns noch durch dessen Flanellhemd lustig in der eigenen Nase kitzelt.

aus ‚Er.

Nun jedoch wurde ich tatswahrhaftig und nach Jahren der Limburg-Besuche zum ersten Mal der Auslegeware ansichtig: die Messe war gut besucht, aber die epischen Menschentrauben der letzten Jahre waren Geschichte – sagen wir, ein Drittel weniger Besucher:innen als in den letzten prä-COVID-Jahren gaben sich die Ehre. Man konnte sich frei bewegen und stand nicht Nase an Nase mit anderen – was sehr angenehm war. Ggf. dadurch sowie durch die neu zusätzlich angelegten Flucht- und Belüftungswege lag die Quote Maske Tragender bei vielleicht 5% der Gäste. Doch – das fühlte sich für mich persönlich okay an.

Nun aber mal ran ans Glas!

Ich hatte ein paar spannend klingende Neuerscheinungen auf dem Zettel und wollte diese gern zu Beginn der Messe probieren. Meinen Rundgang startete ich im Zelt beim Stand der Whisky Agency. Dort sollte es einen vom Abfüller als tropenfruchtig beschriebenen, 13-jährigen Mannochmore geben:

Mannochmore 2008 TWA

So durfte der Messetag starten: tatsächlich ein wunderschönes Fass – reiche, vielfältige Frucht! Tropisch definitiv, wenn auch mit einem Schlag in Richtung grüner Äpfel (halt 13 Jahre und keine 23 gereift) – aber das tat meiner Begeisterung keinen Abbruch. Superleckeres Teil!

Mit dem Dram im Glas wanderte ich durch das Zelt und sah mich ein wenig um. Am Stand der Firma ‚Reisekultouren‘ lag ein Muster des brandneu erschienenen Whisk(e)y Atlas Europe 2022 von Alba Collection aus. Ein wunderschöner Band mit tollen Karten und endlosen Infos über die Geburts- und Reifungsstätten unseres (nicht nur schottischen!) Landweins. Würde ich nicht Frank-Rüdiger Hirst als Autor und Datennerd kennen und schätzen, würde ich mich wirklich fragen, wer sich mit welcher Hingabe wohl dem Mammutprojekt „halte alle Destillen weltweit im Auge, jede neue, jede historische, jede die Ausscheiden mit Dienst macht“ widmen müsse, um tatsächlich einen Überblick zu bekommen. Ein Meisterwerk – chapeau, Frank-Rüdiger!

Ich schlenderte ins Foyer, wo ich sehr gespannt auf einen angekündigten, 20-jährigen Iren (Cooley) am Stand der Villa Konthor vorstellig wurde. Mehr als ein mitleidiges Lächeln konnte ich nicht ernten: „Flaschen alle weg, Ausschankflasche steht lediglich eine in der Villa, hier auf der Messe ist nichts mehr zu haben“. Oha, alte Iren waren weiterhin gefragt, das Teil war also verdampft. Nun gut, nicht wild.

Direkt ums Eck zum Stand der Whisky Fair selbst. Ob es denn eine Messeabfüllung gäbe? Ja, die gäbe es. Und es handelte sich um einen 30-jährigen Jura. Hmmm … Jura war nicht gerade meine Lieblingsbrennerei. Aber die Messebottlings der Vergangenheit bewegten sich nicht allzu selten auf fantastischem Niveau. Also rein ins Glas mit dem Jura:

Isle of Jura 1991 WF

Super rund, sehr komplex, ein prima Dram, mit dem ich mir angemessen Zeit ließ. So konnte es gern weiter gehen …

Und ich ging ebenfalls weiter – mein nächster Stopp war der Stand von Maltbarn. Anfang April hatten wir regulars das riesige Glück, unser 25. öffentliches Tasting auf die Beine stellen und mit Martin Diekmann von Maltbarn einen spaßigen wie versierten Referenten unseren Gast nennen zu dürfen – samt genialer Drams. Am Ende eben diesen Tastings durften wir drei seiner in Limburg neu erscheinenden Abfüllungen vorab probieren. Das gesamte Release von Martin für Limburg bestand jedoch aus neun Flaschen, unter denen noch ein, zwei, drei waren, die ich unbedingt ins Glas bekommen wollte.

Knock hands (sagt man das so? Shake hands sind ja Geschichte …) und mit einem 1988 destillierten Cognac von Vallein Tercinier begann der Spaß an Martins Stand:

[Cognac] Vallein Tercinier, Lot 88, bottled 2022, 33 yo, Maltbarn No. 198, Cognac Bons Bois, 142 Bottles, 47,0%

Seidig weich, toll im Aroma und mit 47% mit ausreichend Druck versehen, um die Aromenfracht des Franzosen auf die Zunge bringen. Supergut – und mit 110 € Flaschenpreis für 33 Jahre Reifung im Preisgenussverhältnis tiptop bemessen.

Das vermeintliche Highlight des neuen Maltbarn-Releases war für mich ein 29-jähriger Glenlossie, der als Nächstes probiert wurde:

Glenlossie 1992 MBa

Schon die dichte, volle Nase blies mich weg. War Whisky mit 20+ Jahren so langsam für meine Verhältnisse auf dem Weg unbezahlbar zu werden, so war das dann leider doch geschmacklich fraglos die Königskategorie: der Lossie zeigte sich cremig wie der Teufel, hatte eine Fruchtsäure, die mir die Freudentränen in die Augen trieb und was da im Abgang Mundraum und Rachen auskleidete war nur noch herrlich. Fruchtig, komplex und in einer fantastischen Balance aus Holz und Frucht. Sagenhaft! Nur (da simma beim Geld) mit 290 € alles andere als ein Schnäppchen. Aber so furchtbar gut. Hach, ach, …

Einen Highland Park, abgefüllt für Japan, sollte es in Martins Lineup noch geben, den schnappte ich mir als Nächstes:

Orkney Malt 2007 MBa

Der konnte an den steilen Trend der vorangegangenen Begeisterungskurve nicht anknüpfen – solider Dram, aber hier mal keine epische Verzückung meinerseits 😉

Damit hatte ich meine Maltbarn-Wünsche eigentlich abgehakt, Martin entließ mich jedoch nicht, ohne noch einen 33-jährigen Bunnahabhain zu probieren:

Bunnahabhain 1987 MBa

Der wiederum war geschmacklich wieder allererste Sahne. Jedoch mit 590 € Releasepreis und einem Messepreis von 500 € aus meiner Sicht jenseits von Gut und Böse angesiedelt – derartige Flaschen sind für anderen Genießer:innen gedacht. Aber ein Spitzendram!

Diese zweimanualige Orgel zwei Tage zu bespielen und Ausschank und Verkauf zu managen, kostet bestimmt Kraft: Martin Diekmann, in die Knie gehend unter dem Maltbarn-Stand

Puh, Zeit für ein kleines Verschnaufpäuschen, dachte ich. Und das dachte sich auch Martin, der mir kurzerhand den Stand überließ und für eine Mittagspause abtrat. Nun gut, Trinkpause ist Trinkpause. Im teilweise starken Andrang schenkte ich Drams aus und verkaufte einige Flaschen. Puh, das zwei Tage am Stück zu machen, hinterließ einen bestimmt ziemlich gar …

Ein gestärkter Martin kehrte zurück – und ich ihm den Rücken.

Ab zum Stand von Kaspar Spirituosen, hier hatte ich zwei Drams auf dem Wunschzettel: einen 18 Jahre im Portfass gereiften Iren (ich stoße auf dich an, Horst, alte Portnase!):

Single Malt Irish Whiskey 2003 RK

Hui, da hatte die Vollreifung tatsächlich einen so starken Portstempel hinterlassen, das der fragil-fruchtige Charakter des irischen Spirits ziemlich darunter begraben wurde. Schade – aber alle Mal noch ein leckerer, intensiver Dram für Portreifungsfreunde.

Zweiter Wunschkandidat bei Kaspar war für mich eine vermeintlich schnöde, junge Abfüllung: ein superjunger Whisky ohne Altersangabe aus der noch ebenso superjungen Ardnamurchan-Brennerei. Ich bin bei den ganzen neu gegründeten Destillen mit ihren blutjungen Destillaten, die teilweise für horrendes Geld gehandelt werden, eigentlich immer offline. Probiere ich nicht, kaufe ich nicht – wer mir dreijährigen Schnaps für 70 € Flaschenpreis anbietet, erreicht mich nicht.

Aber einerseits befürchte ich, dass mit ob der anhaltend gewaltigen Nachfrage weiter steigenden Whiskypreisen junge Malts zukünftig ein stärkeres Thema sein werden, andererseits sollte man jungen Stoff sicherlich nicht über einen Kamm scheren. Da werde ich mich in Zukunft mal mit auseinandersetzen …

Konkret von Ardnamurchan hatte ich schon einige wenige Male auf Messen und Veranstaltungen jungen Spirit probieren dürfen. Und was die an Qualität hinbekamen, hatte mich absolut begeistert. Also wollte ich nun das im Oktober 2021 abgefüllte, sechste Batch der Ardnamurchan-Standardabfüllung probieren. Trinkstark, in einer Mischung aus Bourbon- und Sherryfässern gereift und mit 50 € Flaschenpreis in einem Preisbereich, in dem mich leider zu wenig Whisky überzeugen kann:

Ardnamurchan AD/10.21:06

Eine gute Wahl: ölig, würzig, intensiv und absolut rund. Keinerlei metallische Jugend, ebenfalls natürlich kein Komplexitätswunder – aber in Vergleich gesetzt gegen andere Standardabfüllungen in diesem Preisbereich ein superehrlicher, leckerer Malt. Tolles Teil, ich war wirklich angetan!

Pause? Pause!

Ohne mitgezählt zu haben sagte mein inneres Sensorium, dass es Zeit für eine kleine Frischluftpause und bald auch ein Mittagessen wurde.

Trotz deutlich geringeren Andrangs und besserer Luft als in den vor-Corona-Vorjahren wurde es Zeit für eine Pause …

Auf dem Weg nach draußen kam ich nicht am Stand von Whisky-Doris, sprich Doris und Herbert Debbeler, vorbei. Lange nicht gesehen die zwei, beide gesund und munter – und ebenfalls mit drei Neuheiten. Ich ließ mir einen alten Strathmill überhelfen und machte mich mit diesem auf den Weg nach draußen:

Strathmill 30-year-old WD

Strohig, getreidig, ein ganz anderes Geschmackspaket als alles Vorangegangene. Definitiv eine Brennerei, zu der ich blind nicht in der erster Wahl gegriffen hätte, von daher lieben Dank an Herbert für den Tipp – der alte Herr im Glas ließ sich prima genießen 🙂

Lieber Besuch!

In den vergangenen Wochen waren mir ein paar Fragen zu bestimmten Entwicklungen in der Whiskywelt durch den Kopf geschwirrt, auf die ich so Recht keine befriedigenden Antworten fand. Also beschloss ich, mit ein paar Leuten zu sprechen, die sich in höchster Schlagzahl mit Whisky auseinandersetzen – und die ich normalerweise nicht als Gesprächspartner auf meinem Radar hatte: WhiskyTuber. Genau, die Damen und Herren, über die ich vor einigen Jahren in einer Betrachtung des Themas Whiskyverkostungen auf YouTube zu einem für mich ziemlich deutlichen Urteil gekommen war: aus Verkostungsvideos machte ich mir nach wie vor nicht allzu viel.

Vorbereitend hatte ich in den vergangenen Wochen ganz gegen meine Gewohnheit einiges an WhiskyTubern geschaut, um mich auf die Gespräche vorzubereiten (was zu Kollateralschäden führte: mein Vierjähriger hatte Tage zuvor in der heimischen Küche darauf bestanden, mit einem Whiskyglas und einer Flasche Apfel-Kirsch-Saft ausgestattet zu werden, um sich dann von Mama filmen zu lassen und sich MINUTENLANG über die Geschmackseindrücke und die Hintergründe der „Brennerei“ auszulassen – das war zum Schießen … 😉 ). Und dabei konnte ich sehr zu meiner Freude feststellen, dass das, was an Leidenschaft in manche dieser im Regelfall als Hobby betriebenen Projekte geht und in Form von toll aufbereitetem Content oder in lang recherchierten inhaltlichen Stücken dort zu finden ist, durchaus den einen oder anderen Blick wert ist.

Dank für zwei wirklich herausragende Gespräche geht einerseits an WhiskyJason (der nicht auf der Fair war, wir hatten uns vorab ins Benehmen gesetzt) und den WhiskyBabbler. Mit einigen Hintergründen über die Motivation und eigene Vita in Sachen Whiskyleidenschaft im Kopf und vielen guten Gedanken zu meinen weiterhin zirkulierenden Fragen fühlte ich mich ein ganzes Stück weitergelangt – Dank allen Gesprächspartnern in der lauen Limburger Luft am Brunnen … 😉

Middach!

Eine Mittagspause wurde fällig, in der Stadt gab es etwas auf die Gabel und frisch gestärkt ging es abseits der Messestände den Nachmittag über vor allem in viele schöne Schnacks mit alten und neuen Bekannten. Dabei flossen noch ein paar freundschaftliche Drams von der kleinen Nettigkeit bis zur Geschmacksbombe hin und her:

Secret Speyside 2007 TWC
Sherry Sherry Lady: ein ziemlicher Sherrydrücker, quasi der Morgenkaffee unter den Whiskys …
Redbreast 1989
Unfassbar komplex, unfassbar fruchtig: der fürchterlich alte Ire war fraglos unter den Highlights in meinem Glas
Longrow 21-year-old
Verehrungswürdig: gut gereifter Longrow. Aufgrund des aktuellen Springbank-Hypes wird das Zeug unbezahlbar – daher genial, es aktuell noch genießen zu dürfen …
Aldunie 1997 WCon
Säuisch lecker, am Stand von Anam na-h Alba bei Tom und Melli abgegriffen: ein wunderbarer alter Blend von Whisky Concerto aus Hong Kong. Dicken Dank für die Empfehlung, Tom!

Der Nachmittag neigte sich in tollen Gesprächen und bevor mit einem kleinen Stelldichein von Forumsfreund:innen auf der Empore der Messetag sein Ende finden sollte, sackte ich am einen oder anderen Stand so manches Mitbringsel ein. Was dazu führte, bei Kaspar noch einen Ardnamurchan nachgeschoben zu bekommen:

Ardnamurchan AD/02.22

Hatte ich gesagt, der erste Ardnamurchan hatte es mir angetan? Ja Junge, diese fassstarke Bombe (erscheinend Anfang Mai) setzte dem ein dickes Krönchen auf. Superleckerer Stoff. Punkt. Auf’s Alter gepfiffen eine Flasche, die bei 80 € liegen soll und aus der meiner Ansicht nach absolut angemessener Genuss fließt … dicken Dank an Thilo, T75 und Silke78 für die Möglichkeit zum Probieren!

Ja dann bis … was? Wie? Noch was probieren? Warum guckt ihr alle so komisch und grinst? Oha, was kam da? Ich musste mein Glas aushändigen und bekam einen Dram eingeschenkt. Und eine Warnung: Der unabhängige Abfüller Adelphi hatte einen einmaligen Stunt gepullt: man hatte ein fehlgereiftes Fass abgefüllt. Nur so zum Spaß. Nicht zum Verkauf, sondern um mal hier und dort einen Schluck ausschenken zu können, mit dem man aufzeigen konnte, was im Einzelfall alles an verrückten Geschmäckern bei so einer Reifung herauskommen kann:

Ein Ardnagherkin. Von Ardnamurchan. Alles klar? 😂
Ardnamurchan 2015 AD

Ich war gespannt, was nun kommen würde. Nase ans Glas: WHAT? Cheese Puffs! Käsebällchen! Der Dram roch glasklar und hochintensiv nach Käsebällchen. Und das (war man bereit, sich darauf einzulassen) war gar nicht mal so übel …
In Ruhe verrochen (was sich durch mein begleitendes Kopfschütteln gar nicht so einfach gestaltete) und dann probiert: der Käse lag nur in der Nase, im Mund driftete der Whisky in beeindruckend intensive Aromen von Waldhonig ab. Das war nicht unlecker!
Ich verstehe, warum kaum eine andere Abfüller:in solch ein Fass in Flaschen abgefüllt und mit ihrem Label und ihrem Logo versehen zum Verkauf angeboten hätte. Und ich verehre die verrückten Nasen von Adelphi dafür, dieses schräge Teil in Flaschen gepackt zu haben und unter ärztlicher Aufsicht an freiwillige Probanden zu verabreichen. Dicken Dank liebes Kaspar-Team für die Chance, das zu probieren!

Empore, Schlussakkord!

Nun wurde es aber Zeit zur Empore zu eilen und sich dort noch ein wenig auszutauschen – mit einem leckeren Ardbeg im Glas:

Ardbeg 1998 SMWS 33.73

Und dann hieß es auf einmal: „mitkommen!“ Ein guter Geist hatte einen geheimen Geheimtipp, der unbedingt mit Eingeweihten geteilt werden sollte. Es ging runter in die Halle, es ging an einen Stand. Es wurde getuschelt, Gläser wurden gefüllt – und dann war tatsächlich noch einmal richtig Disko im Glas angesagt:

Islay Blended Malt Scotch Whisky 2011 WhB

Ein 10-jähriger, vom Whiskybroker abgefüllter undisclosed Laphroaig aus einem sauberen Hogshead. Unverkennbar und MEGAgeil. Vielleicht am ehesten zu vergleichen mit den (tierisch leckeren) Laphi-Abfüllungen für Highgrove. Jedoch mit seinen 58,0% in fassstarker Version, für Liebhaber des medizinischen Inseltrunks von Laphroaig ein Hochgenuss. Dann lange Gesichter: kommt nicht nach Deutschland das Fass. Dann ein Zuzwinkern „irgendwie kommen schon ein, zwei Kartons hier her, der und der kümmert sich, wir bekommen da was hin …“. Ich bin gespannt, ob davon im Nachgang ein Fläschchen abzugreifen ist, das war wahrlich ein sagenhafter Schlussdram.

Erkenntnisse

Die Messe hinterließ mich, bevor ich mein Taxi nach Hause bestieg, mit einigen Erkenntnissen: es gibt sie trotz steigender bis explodierender Preise weiterhin: Abfüllungen, die geniale Aromen liefern und ihren Preis wert sind, auch wenn wir härter als früher suchen und sieben müssen.

Es tut unendlich gut, nach zwei Jahren Isoliertheit wieder andere Genießer:innen zu treffen und sich auszutauschen. Vollstes Verständnis für alle, die sich hier noch Zeit lassen möchten – denn die wichtigste Erkenntnis des Tages: es ist vollkommen egal, ob man sich zwei Jahre oder auch fünf nicht sieht. Whisky verbindet uns Verrückte. Whisky lässt uns sofort da anschließen, wo wir vor Jahren aufgehört haben. Whisky bringt uns zusammen – gäbe es keine Messen mehr oder würde alles gänzlich unbezahlbar, träfen wir uns notfalls irgendwo an einem Glascontainer in der Mitte Deutschlands, schenkten uns aus unseren Heimvorräten aus und feierten, das wir uns haben und unsere Leidenschaft teilen.

Scheiß auf Preisexplosionen. Scheiß auf immer mehr Marketing-Bullshit. Scheiß auf Flipper, die Flaschen Stunden nach ihrem Erscheinen mit riesigen Aufschlägen weiterverkaufen. Wir finden immer einen Weg, wir finden immer einen Dram. Wir finden immer zusammen – und wir tun uns nach der Corona-Auszeit gegenseitig wieder so verdammt gut wie eh und je. Uns kann nichts passieren.

Ich freue mich, dass ihr alle da seid. Und wir sehen uns wieder: jede*n dann wann es für sie oder ihn passt – und das ist perfekt so!

Ich wünsche Euch einen schönen Sonntag,
Seb

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