Öffentliche Tastings

Öffentliches Tasting „Urlaub im (An)Stehen: schottische Whiskyfestivals“

13. August 2021, im Schützenhaus Loga in Leer

Moin ihr,
im August des vergangenen Jahres hatten 25 Gäste das Glück, sich bei einem unserer öffentlichen Tastings von Referent René Lüpges durch einige sagenhafte Exklusivabfüllungen des Abfüllers Cadenhead trinken zu können und dabei großartige Eindrücke von den zahlreichen Schottlandtrips des Ludwigshafeners zu erhalten. Und weil eben dieser arg heimelige Abend solch einen Heidenspaß machte, hatten wir regulars uns erlaubt, René zu einer zweiten Reise quer durch die Republik zu animieren, um für uns ein weiteres öffentliches Tasting zu gestalten. Wenn denn seinerseits Lust darauf, eine spannende Themenidee und passende Whiskys zur Hand wären …

Passionierter Whiskygenießer, bewanderter Schottlandreisender und zum zweiten Mal unser Referent: René ‚Eneloop2009‘ Lüpges

Postwendend kam René mit einer wie wir finden grandiosen Idee auf unsere Anfrage zurück: „Wir machen was über schottische Whiskyfestivals! Löppt!*“

*kein Mensch in Ludwigshafen weiß, was ‚löppt‘ bedeutet, die Antwort war jedoch sinngemäß 😉

Schottische Whiskyfestivals also.

In einigen Gegenden Schottlands tun sich jährlich mehrere Brennereien zusammen, um Besucher*innen mit einem gemeinsam organisierten Festival eine ganz besondere Attraktion zu bieten. So findet an der Westküste das Campbeltown Malts Festival statt und auf der Insel Islay wird gut eine Woche das berühmte Fèis Ìle gefeiert.

Auf Islay hat jede Brennerei einen eigenen ‚Open Day‘, sprich an je einem Tag des Festivals steht eine der Brennereien im Vordergrund. Dann finden dort besondere Besichtigungen, Tastings, Musikevents und Aktionen statt, um die Besucher*innen tiefer als gewöhnlich in die Geburtsstätten unserer geschätzten Single Malts eintauchen lassen zu können. Und die Destillen lassen sich nicht nehmen, anlässlich ihres eigenen Open Days eine oder gar mehrere besondere Whiskys abzufüllen. Ob ein Single Cask oder eine aus wenigen Fässern vermählte Small-Batch-Abfüllung: diese meist tüchtig leckeren Festival-Whiskys sind in aller Regel nur vor Ort zu erwerben, teilweise bereits nach wenigen Stunden am eigenen Open Day ausverkauft – und dementsprechend hochbegehrt …

Und so bedeutet die Teilnahme am Fèis Ìle für die hartgesottenen Gäste, sich gut eine Woche lang täglich schon morgens früh in lange Schlangen einzureihen, um die begehrten Abfüllungen der einzelnen Brennereien abstauben zu können.

Damit stundenlanges Anstehen nicht allzu eintönig gerät, sorgt in Schottland wenigstens Regen meist für Kurzweil und Abwechselung. 🙂

Und dieses verschroben-besondere Festivalerlebnis aus unendlicher Warterei teilweise nächtelang sowie an den Vormittagen einerseits und grandiosen Tastings in den Abendstunden andererseits nahm auch unser Referent seit Jahren auf sich – Leute gibt’s …

Im Schützenhaus

In Vorfreude darauf, aus Renés Fetisch schamlos Profit ziehen zu können, um sich einen Abend lang vom Campbeltown Malts Festival und Fèis Ìle berichten zu lassen und sechs hochexklusive Festivalabfüllungen der letzten Jahre zu verkosten, fanden sich am vergangenen Freitag unsere Gäste im Schützenhaus Loga ein.

Dabei sollte es zu einer Premiere kommen: die aktuelle 7-Tages-Inzidenz lag bei nur 3,5 – mithin konnten wir erstmals seit Beginn der ganzen COVID-Malaise ein persönlicheres Tisch-Setup aufbauen. Und es fühlte sich am Tisch sitzend ein wenig an wie früher …

In freudiger Erwartung, und erstmals nicht im Großabstandsschachbrett sitzend: die Gäste des Tastingabends.

Um sich mit den folgenden Abfüllungen, ihrer Aromatik und ihren Geschmäckern optimal auseinandersetzen zu können, wurden vorbereitete Verkostungsnotizen ausgelegt – und so manche(n) sollte man im Laufe des Abends kleine Erinnerungen festhalten sehen.

Auf ins Tasting!

René begrüßte die Runde, stellte sich vor und ging dann unterstützt von einer reich bebilderten Präsentation schnell in medias res. Die Gäste erfuhren Details über das Schlangestehen bei der Jagd nach limitierten Festivalabfüllungen – und erhielten eine erste solche ins Glas. Ein fruchtiger Ire mit einem winzigen Hauch von Rauch kam zur Verkostung:

Cooley 1992 CA
Die Frage, wie ein 1992 destillierter und 2019 abgefüllter Whiskey denn nur eine Altersangabe von 11 Jahre haben könne, wurde aufgeworfen – und vom Referenten aufschlussreich beantwortet.

René führte das Publikum durch den eng getakteten Zeitplan einer auf maximale Flaschenausbeute optimierten Whiskyfestival-Reise an Schottlands Westküste, wozu mit einem 15-jährigen Kilkerran ein zweiter Dram zum Ausschank gelangte:

Kilkerran 15-year-old
Ein wissendes Lächeln des Referenten: Festivalabfüllungen bringen besonderen Spaß ins Glas.

Das neben dem Erwerb der limitierten Sonderabfüllungen auch unvergessliche Tastings und Musikdarbietungen Teil einer Festivalreise sind, erfuhren wir im nächsten Teil des kurzweiligen Vortrags.

Im Glas wandten wir uns kommend vom Campbeltown Malts Festival, von dem die ersten beiden Abfüllungen stammten, nun dem Fèis Ìle auf der Insel Islay zu: ein 15-jähriger Bowmore wurde genossen:

Bowmore 15-year-old

Mit Informationen über das Whiskyfestival auf Islay und dessen reichhaltigem, mehr als einwöchigen Programm endete die erste Hälfte des Tastingabends – es folgte die obligatorische Halbzeitpause.

Auf zu Runde Zwei!

Mit einem betörend duftendem Kilchoman wurden die Gläser zu Beginn des zweiten Tastingteils befüllt:

Kilchoman 12-year-old
Ein kräftiges Slàinte! – das Auditorium genoss Renés liebevoll-detaillierte Ausführungen ebenso wie die ausgeschenkten Whiskys.

Den Gästen wurde spätestens im Folgenden klar, warum Geduld und Ausdauer für den Kauf der Festivalabfüllungen sich absolut lohnten – als ein 19-jähriger Lagavulin zum Niederknien zum Ausschank gelangte:

Lagavulin 19-year-old
Sind ‚Sherry treated Oak Casks‘ richtige Sherryfässer, oder was versteckt sich hinter dieser Angabe? Interessierten Fragen aus dem Publikum folgen erhellende Antworten des Referenten.

Whisky und Musik sind natürlich nicht alles: einmalige Landschaften und wunderschöne Natur, die stets nur ein paar Schritte abseits des Festivalgetriebes lockt, zeichnen die Insel Islay aus – es gibt dort Anblicke, die man nie wieder vergisst:

Konnten Fernweh auslösen: Bilder vergangener Islay-Reisen von René Lüpges.

Der sechste Whisky des Abends war eine stark Sherry-geprägte, deutlich rauchige Abfüllung von Bunnahabhain:

Bunnahabhain 2007 Mòine

Viel mehr Aromenfeuerwerk als in diesem Bunna war schwerlich denkbar – als René nach der Verkostung des eigentlich letzten Whiskys noch einen Bonusdram ankündigte, erhob sich die Frage, was für ein Dram nun noch einen entscheidenden neuen Akzent zu setzen vermögen würde.

Die Antwort: Laphroaig aus dem Sherryfass. Über zwei Dekaden gereift und eine süß-medizinisch-zartrauchige Versuchung von unerhörter Qualität:

Laphroaig 21-year-old SMWS 29.211

Mit ein paar Geschichten teils nächtlicher Brennereiführungen endeten Renés Ausführungen unter dem andächtigen Verriechen und Verkosten des Laphis.

Auf die obligatorische Frage, welcher der ausgeschenkten Whiskys dem Publikum am besten gefallen hatte, stellte sich heraus, dass jeder der Drams des Abends seine Liebhaber*innen gefunden hatte, aber der Laphroaig eindeutig als krönender Abschluss und Spitzenreiter identifiziert werden konnte.

Mit Dank an den weit gereisten Referenten und unter Applaus des Publikums kam das Tasting an sein Ende – bis René noch das Angebot einer vollwertigen Post Show aus dem Hut zauberte: wer mochte (oooh, fast alle Gäste mochten!) blieb noch mit uns im Schützenhaus und hatte die Wahl, den Abend bei einem Bunnahabhain hand-filled, einem dramatisch leckeren Oloroso-Bowmore und/oder einem tollen Port Charlotte Valinch ausklingen zu lassen.

Dieses Mal wurde es dann sogar deutlich nach Mitternacht, bis der Abend tatsächlich ans Ende kam und alle der zwei Dutzend durch die Bank weg zufriedenen wirkenden Gäste den Heimweg antraten.

Dank gebührt René: für die weite An- und Rückreise, für einen exzellenten und extensiven Vortrag, der keine Sekunde uninteressant wurde, für eine traumhaft gestaltete Whiskyauswahl die Facette um Facette und Steigerung um Steigerung bot – und das zu einem nicht gewinnorientierten Preis, für den an diese Whiskys auf anderem Wege kein Rankommen ist. Grandios, hab’ vielmals Dank!

Wir regulars danken ebenfalls allen Gästen wie interessierten Leser*innen und verabschieden uns bis zum Oktober, wenn unser nächstes öffentliches Tasting stattfindet – mit Glück ja erneut vor Ort in Präsenz.

Wenn ihr mögt, sieht man sich!
Seb

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