Öffentliche regulars-Tastings

Tasting „Exklusives von Cadenhead’s – ein Warehouse-Tasting“

14. August 2020, im Schützenhaus Loga in Leer

Moin ihr,
unser letztes öffentliches Tasting ‚Auge in Auge‘ fand im Februar statt – und ist damit ganz schön lang her. Nachdem uns zwei Monate darauf COVID-19 einen Strich durch die Rechnung machte und unser Apriltasting entfallen musste, fanden wir im Juni zumindest virtuell wieder zu einem Tastingabend zusammen.

Unsere Vorfreude war daher riesig, als sich abzeichnete, dass wir den aktuellen COVID-19-Bestimmungen nach nun im August, also nach einem halben Jahr endlich wieder ein Tasting live vor Ort würden gestalten können. Das zum Einen an neuer Wirkungsstätte, denn nach der Schließung des Wallhecken-Umwelt-Zentrums freuten wir uns auf unsere erste Veranstaltung im Schützenhaus Loga. Und das zum Anderen natürlich in einem COVID-19-gerechten, besonderen Setup. Wir entwickelten ein Hygienekonzept und ließen dieses durch das Gesundheitsamt des Landkreis Leer genehmigen, alle Gäste durchliefen ein spezielles Check-in und wir rückten im Vorfeld mit Maßbändern bewaffnet fleißig Tische und Stühle, um für alle Gäste aus unterschiedlichen Haushalten allseitig mindestens 1,5 m Abstand zu den Sitznachbar*innen gewährleisten zu können.

Es ward also angerichtet

Für unseren Tastingabend im August konnten wir uns einen der regulars-internen persönlichen Wünsche erfüllen: nämlich mit René Lüpges, online bekannt als ‚Eneloop2009‘ einen sehr guten Freund aus dem fernen Ludwigshafen in unsere ostfriesischen Gefilde zu locken, um als Referent einen Abend für und mit uns auszugestalten – zu einem hochinteressanten Thema.

Worum es gehen sollte

Obwohl Whisky fraglos hochprofessionell und durch industrielle Prozesse hergestellt wird, haften dem Wasser des Lebens eine ganze Reihe von Mythen an, die einen einmaligen, romantischen Charme kreieren.

Einiges von diesem einzigartigen Flair vereint das kleine Städtchen Campbeltown an der Südwestküste Schottlands auf sich. Einst die Whiskyhauptstadt Schottlands, ist „the Wee Toon“, wie die Einheimischen sie nennen, Heimat der drei Brennereien Glen Scotia, Springbank und Kilkerran – sowie einer Firma namens Cadenhead. Die Magie des Ortes wirkt übrigens nicht nur im Freien, sondern setzt sich hinter geschlossenen Türen fort: Springbank und Cadenhead besitzen insgesamt acht Whiskylagerhäuser, von denen sechs so genannte Dunnage Warehouses sind, also traditionelle Whiskylagerstätten mit gemauerten Wänden und einem erdigen Boden durch die jeweils nur ein einziger, schmaler Weg führt.

Ein Blick auf Cadenhead.

Müsste dort dringend mal geputzt werden? Oder liegt hier ein Geheimnis der Whiskyreifung?

Mit Sitz in Campbeltown ist die Firma Cadenhead Schottlands älteste unabhängige Abfüllerin. Seit 1842, also seit fast 180 Jahren werden durch das Haus Whiskies aber auch andere Spirituosen wie Rum, Gin usw. abgefüllt. Cadenhead verfügt über extrem gute Fassbestände und liegt mit seinen Abfüllungen nach Genießer*innenmeinung in Sachen Qualität ebenso wie in Sachen Preisleistung stets weit vorn.

Mit René zählen wir einen innigen Anhänger des Hauses zu unserem regulars-Freundeskreis: der 31-jährige Ludwigshafener ist als aktiv Whiskyreisender bereits zehn Mal bei diesem besonderen Abfüller vor Ort zu Gast gewesen.

Viele Schottlandreisen haben die Whiskyleidenschaft von René Lüpges über die Jahre geprägt.

Unser August-Tasting wurde also von René gestaltet und versprach, etwas Einmaliges in unserer Tastingreihe bieten zu können.

Es sollte natürlich um tiefe Einblicke aus Liebhaberperspektive in die Geschichte dieses Abfüllers und der Reifungsbedingungen unseres Lieblingsdestillates gehen. Dabei gilt noch etwas Besonderes über Cadenhead zu wissen: neben den Whiskyabfüllungen, die normal auf den Markt kommen, gibt es vor Ort im schottischen Campbeltown die Möglichkeit, im Rahmen einer Führung direkt aus lagernden Fässern einmalige Whiskies zu probieren und sich diese abzufüllen. Aus Fässern, deren Inhalt nie in den normalen Verkauf gelangt.

Eigens abgefüllte Malts aus Fässern, die nie in den öffentlichen Verkauf kamen.

Bei seinen Reisen ins Campeltown’sche Whiskymekka hat René von dieser Gelegenheit weidlich Gebrauch gemacht und einige dramatisch gute Whiskies mitgebracht. Wir sollten in unserem Tasting insgesamt sechs exquisite Malts in die Gläser bekommen, die allesamt entweder von ihm selbst oder in seinem direkten Beisein aus ihren Fässern abgefüllt wurden und die nicht im Massenmarkt erhältlich sind oder waren.

Und so bekamen also am Freitagabend 25 Gäste die Gelegenheit, Renés persönliche Highlights aus seinen zahlreichen Warehouse Tastings probieren zu können. Eine sicherlich einmalige Chance, auf die sich die Teilnehmer*innen weidlich freuten.

Das Tasting

René stellte sich den Gästen persönlich vor und sollte in drei sehr persönlich, liebe- und humorvoll gestalteten Stunden seine Leidenschaft aufs Beste vermitteln – unterstützt von eindrucksvollen Whiskies.

Als Starter des Abends wurde ein 38-jähriger Blended Whisky verkostet. Bestehend aus hochkarätigem Sprit der Brennereien Macallan, Highland Park, Glenrothes und Invergordon – welche bereits als jung vermählt und dann in einem Sherry Butt durchgreift wurden.

Blended Scotch Whisky 38-year-old CA

Das Ergebnis konnte sich sehen lassen: ein volles, gediegenes Sherryprofil machte den Dram zu einem aromenreichen Hochgenuss, der die Latte für das Kommende sehr hoch setzen sollte.

Doch René war bestens gewappnet: mit einem 29-jährigen Highland Park servierte er einer begeisterten Gästeschar gleich einen mindestens ebenbürtigen Knaller hinterher: ein würziger, perfekt gereifter Whisky, der ausnahmslos zu gefallen wusste.

Highland Park 1988 CA
‚Lässt sich trinken, oder?‘ – René Lüpges lieferte reihenweise Anekdoten aus seinen vor-Ort-Besuchen in Campbeltown und servierte traumhafte Whiskies.

Als dritter Dram fand ein Produkt der erst 2004 wieder in Betrieb genommenen Campbeltown’schen Brennerei Glengyle den Weg in die Gläser der Gäste: ein 12-jähriger Kilkerran. Der – im Gegensatz zur erhältlichen Standardabfüllung – fassstark, ungefärbt und nicht kühlgefiltert aus einem Einzelfass ebenfalls ein ansonsten schwerlich erhältliches Unicum darstellte.

Kilkerran 2006 CA
Saß auf Abstand und lauschte gebannt den Ausführungen des Referenten: ein Teil des Publikums im großzügigen Tastingraum des Schützenhaus Loga.

Mit einer Pause zur Halbzeit bekamen die Teilnehmer*innen Gelegenheit ein wenig auszulüften und sich untereinander auszutauschen.

In der zweiten Hälfte setzte René zu einem ganz tiefen Griff in seine persönliche Whisky-Schatzkiste an: als vierter Whisky des Abends wurde ein 19-jähriger Springbank ausgeschenkt, der zu den absoluten Sternchenfässern der Brennerei zählte.

Springbank 1997 CA
Geriet bisweilen selbst herzlich ins Lachen: René Lüpges

Mit sehr viel Spaß bei der Sache vermittelte René viele spannende Details rund um J&A Mitchell, den Mutterkonzern, zu dem Cadenhead als unabhängiger Abfüller sowie die Brennereien Springbank und Glengyle gehören. Nach seinen vielen Reisen konnte er zudem aus einem Füllhorn an Kuriositas und Erlebnissen schöpfen, was seinen kurzweiligen wie maximal unterhaltsamen Vortrag unterstützte.

Whisky Nummer fünf war in einer durchweg hochkarätigen Auswahl vielleicht das absolute Highlight: ein 32-jähriger Caol Ila, der mit einer unendlich verführerischen Frucht glänzte und den das Publikum lange lange verroch – in der Angst, der Geschmack könne mit einer so traumhaften Nase kaum mithalten. Die gute Nachricht: er konnte. Dieser Dram war einer, wie man ihn beim Probieren von hundert ausgesuchten Whiskies nur einmal zu erwischen das Glück hat.

Caol Ila 1984 CA

Den Abschluss sollte ein ganz besonderer Bowmore namens ‚Cameron’s Choice‘ markieren: ebenfalls ein außergewöhnlich, ja perfekt gereiftes Einzelfass von 17 Jahren Alter mit einer spannenden Geschichte floss in die Gläser der Teilnehmer*innen.

Bowmore 2001 CA
Nach sechs Whiskies perfekt in Zunge wie Hüften gelockert: der Referent.

Am Ende des Lineups angekommen ließ sich René nicht nehmen, zur allgemeinen Freude noch einen Bonusdram aus dem Hut zu zaubern: einen Longrow von 11 Jahren Alter. Als stark rauchiges Produkt der Brennerei Springbank und widerum abgefüllt von Cadenhead thematisch passend und geschmacklich den Reigen des Abends um eine weitere Facette erweiternd – einfach toll!

Longrow 2006 CA

Unter dem Applaus eines begeisterten Publikums endete nach dessen Genuss ein Tasting von Ausnahmeformat. Die Whiskies waren allesamt auf höchstem geschmacklichen Niveau, der Vortrag lebendig und persönlich gestaltet. Eine Fortsetzung im Folgejahr wurde per Akklamation einstimmung eingefordert 🙂 .

Mit der obligatorischen Post Show klang dann ein warmer Sommerabend noch weitere anderthalb Stunden aus – bei Gesprächen untereinander und für die meisten Gäste noch mit einem von drei zusätzlich mitgebrachten Drams, der die gesellige Atmosphäre bis zum Veranstaltungsende um Mitternacht aufrecht erhielt.

Ein dickes Dankeschön!

Wir regulars sind René zu tiefem Dank verpflichtet: für 550 km Anreise und einen wahrlich unvergesslichen Abend – die Einladung zu einem Folgetasting ist als herzliche Bitte tatsächlich bereits ausgesprochen.

Was bleibt? Der Blick nach vorn 🙂

Ein Traum von einem Augustabend ist also verklungen, alle Gläser sind gespült – und abschließend schauen wir nun noch nach vorn: im Oktober wird unser Referent eine Anreise von nur 2,7 km haben – denn dann wird regular Seb Bley uns von einem persönlichen Problem berichten, welches er samt 25 interessierten Gästen aktiv zu kurieren sucht – in unserem Oktobertasting „Therapeutisches Entkorken: ein Griff in Sebs Trinkreserve“.

Bis dahin bleibt uns gewogen und gesund!
Seb und die regulars

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