Öffentliche regulars-Tastings

Tasting „Wir sehen uns wieder! – Treffpunkt Balvenie“

12. Juni 2020, im Internet

Moin ihr,
gestern Abend haben fast 30 Tastinggäste den Beweis erbracht, dass auch dezentrales Beisammensein absolut kommod und verbindend sein kann. Der COVID-19-Situation geschuldet traf man sich gestern in einem Video-Livestream, der sich wunderbar interaktiv mit Schalten in die einzelnen Haushalte gestaltete.

Der Tastingabend ausschließlich mit Abfüllungen von „The Balvenie“ wurde von unserem mit-regular Fanjoscha Bieder geleitet, der zu Beginn einführte, warum seine Wahl auf diese Destille gefallen war:

Warum Balvenie?

Die Destille Balvenie ist sowas wie ‚der kleine Bruder‘ von Glenfiddich. Da ich mit Glenfiddich zum Single Malt fand, war der Weg zu Balvenie nicht weit. Deshalb habe ich die Destille schon früh zu schätzen gelernt.

Auch war mir gleich zu Beginn unserer Tastingreihe klar, das früher oder später Vertikaltastings einzelner Destillen einen wichtigen Ansatz für unsere Abende darstellen würden: statt der üblichen Themenritte einmal en dé­tail mit dem Whiskyglas als Lupe verschiedene Abfüllungen einer einzigen Brennerei entdecken.

Dabei habe ich mir natürlich Gedanken gemacht, welche Brennereien in Betracht kämen – und schnell fiel mein Augenmerk auf Balvenie:
1.) Lecker Whisky. Punkt.
2.) Ein sehr breites Programm mit vielen unterschiedlichen Fassreifungen.
3.) Die Brennerei bietet eine interessante Geschichte (seid gespannt!).
4.) Mit Dave Steward hat Balvenie einen Brennereimeister, der zu den ganz großen Ikonen des Business gehört.
5.) Und zu guter Letzt ist Balvenie eine Destille, in der jeder Schritt der Whiskyherstellung noch selbst ausgeführt wird. Sogar eigene Gerste wird angebaut. Natürlich wird auch zugekauft, aber dennoch kann hier komplett autark Whisky hergestellt werden.

Ich habe uns ein Lineup aus sechs Balvenie-Abfüllungen zusammengestellt und freue mich auf einen genuss- wie erkenntnisreichen Abend mit Euch!

– Fanjoscha „Joschie“ Bieder

Um 19.30 Uhr startete der Livestream – die Whiskies des Tastings waren den Gästen vorab zugestellt worden.

Warteten auf ihre Verkostung: die Samples des Balvenie-Tastings

Nach einer kleinen Einführung in die Geschichte der Destillerie floss der erste Dram in die Gläser, die 12-jährige Standardqualität „DoubleWood“:

Balvenie 12-year-old

Schöne Honignoten, weich und lieblich: ein idealer Starter.

Besondere Situationen erfordern besondere Maßnahmen: Joschie Bieder führte per Livestream durch den Abend.

Als Whisky Nummer Zwei wurde der Rumfass-gereifte 14-jährige „Caribbean Cask“ eingeschenkt:

Balvenie 14-year-old Caribbean Cask

Durch ein relativ kurzes Finishing in Rumfässern blieb der namensgebende Einfluss bei dieser Abfüllung relativ dezent.

Sämtliche Drams des Abends wurden übrigens von durch Joschie ausgewählten Trinksprüchen begleitet:

Mit dem dritten Whisky floss eine weitere Abfüllung mit 14 Jahren Alter in die Gläser – dieses Mal jedoch rauchig: der Balvenie „The Week of Peat“:

Balvenie 14-year-old

Balvenie kann auch rauchig?

Oh ja – nur eine einzige Woche im Jahr wird der Betrieb umgestellt und ein rauchiges Destillat produziert. Mit einem tollen Ergebnis, der Dram wurde sehr positiv aufgenommen.

Whiskytasting im heimischen Garten? Geht! – Doris und Klaus Müller aus Leer

Die anschließende, viertelstündige Halbzeitpause wurde zum regen Plausch unter den Gästen genutzt.

Und auch im Tasting selbst wurden für die Entschlüsselung der Aromen in den einzelnen Drams reihum einzelne Gäste zugeschaltet und nach ihren Eindrücken und Meinungen befragt – so auch nach der Pause zu Whisky Nummer Vier, dem 16-jährigen „Triple Cask“:

Balvenie 16-year-old

Als fünfte Abfüllung wurde quasi der große Bruder des allerersten Whiskies ausgeschenkt: der 17-jährige „DoubleWood“:

„Freut Euch auf das Teil hier!“ – Joschie Bieder mit der vorletzten Abfüllung des Abends
Balvenie 17-year-old

Die zusätzlichen fünf Jahre Reifezeit bekamen diesem Whisky exzellent.

Mit der letzten Flasche des Abends sollte dann auch die Schallmauer von 20 Jahren Reifungsdauer durchbrochen werden: der 21-jährige „PortWood“ stellte den sechsten Dram dar:

Balvenie 21-year-old

Dezenter Porteinfluss und wie bei allen vorangegangenen Malts ein rundes, weiches, stimmiges Erlebnis im Glas: der PortWood 21.

Nun schon Schluss?

Wie das bei uns so ist: Joschie hatte sich nicht nehmen lassen, den Teilnehmer*innen im Vorfeld auch einen Bonusdram mitzuliefern, ein Sherry-Einzelfass von 15 Jahren Alter:

Balvenie 15-year-old

Endlich mal etwas mehr Alkoholstärke: die Abfüllung aus dem Sherryfass konnte angenehm mehr Druck am Gaumen aufbauen und wurde von nicht wenigen Gäste als bester Dram des Abends bewertet.

Jede Menge Spaß brachte die Übertragung aus dem improvisierten Studio und Schaltraum – was für ein Abend!

Das Fazit des Abends?

Balvenie brennt sehr gefälligen, weichen Spirit und seine Abfüllungen sind durch die durchweg auffallend niedrige Alkoholstärke easy-to-drink und gefällig. Mit einem Blick auf die Flaschenpreise des Hauses waren viele Gäste froh, diese Drams einmal unverbindlich probiert haben zu können – denn abseits des 12-jährigen DoubleWood wurde die Preiswürdigkeit der Abfüllungen durch die Bank relativ kritisch betrachtet.

Die obligatorische Post Show, in der die Tastinggäste normalerweise auf Wunsch aus drei weiteren Flaschen Drams erwerben können, um dann auch nach Tastingende noch einige weitere Zeit beisammen zu sein, musste aus logistischen Gründen natürlich entfallen. Wobei – eigentlich schnappten sich fast alle Gäste noch die eine oder andere Leckerei aus heimischen Beständen und begleitet von sehr spaßigen Gitarrenuntermalungen eines Gastes ließ eine fröhliche Schar den Abend weiter gemeinsam ausklingen.

Die vielleicht positivste Erkenntnis aus Organisatorensicht

Das deutliche Feedback, das teilweise wider Erwarten ein rein online abgehaltenes Tasting ebenfalls einen spaßigen Abend bringen kann – und dass auch fast 30 Teilnehmer*innen dabei nicht bloße Zuschauer sein müssen, sondern sich eine gesellige Runde auch via Internet versammeln und austauschen kann, hat uns sehr gefreut. Dafür gilt Dank unseren Gästen: ihr macht jeden Tastingabend mit zu dem, was er wird.

Nichtsdestotrotz drücken wir uns und Euch abschließend natürlich die Daumen, dass sich die COVID-19-Lage so entwickelt, dass wir uns im August zum nächsten öffentlichen Tasting wieder guten Gewissens Auge in Auge begegnen können.

Wir freuen uns darauf, bleibt uns gewogen!
Seb, Joschie und die regulars

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