Stammrundentastings

70. regulars-Treffen

15. Mai 2020, »Heute bin ich allein«, bei whisho im Internet

Moin ihr,
es war uns im März vergönnt, kurz vor Explosion der COVID-19-Situation, die uns später noch unser öffentliches Tasting im April kosten sollte, zusammenzukommen. Das mutet von heute aus betrachtet manchmal an wie eine ganz andere, ferne Zeit.

Als Freunde des schottischen Landweins haben wir für uns mittlerweile jedoch zwei griffige Konsequenzen aus COVID-19 gezogen.

Einerseits: pfeif’ auf Corona! Wir lassen uns die Freude am Liebsten nicht nehmen und finden einen Weg, um uns weiterhin mit Whisky ins Benehmen setzen zu können.

Andererseits: Unfug überlassen wir anderen. Da, wo persönliche Treffen momentan nicht geboten sind, sehen wir uns halt auf andere Art und Weise. Und so versammelten wir uns gestern erstmals – jeder in seinen eigenen vier Wänden – für ein Livestream-Tasting für unseren Endgeräten.

Dieser moderne Kram – ob das funktionieren würde?

Im Wartesaal dudelte etwas Musik und beschrieb von der nie passender als dieser Tage wirkenden Quasi-Quarantäne-Hymne „Heute bin ich allein“ bis zum das Tasting einleutenden „Halt dich an deiner Liebe fest“ einen Bogen, der die Verrücktheit dieser Tage und unsere Mission für den Abend vielleicht ganz passabel einfing.

Eben nach 19.30 Uhr ging es los.

Alle hatten es erfolgreich in den Stream geschafft und eine gute Gewohnheit pflegend wurde sich erstmal mit Teetassen und Kaffeebechern zugeprostet, bis es in medias res gehen sollte. Neben der versammelten Stammrunde (so haben besondere Zeiten auch fraglos ihr Gutes) konnten wir mit Henning (yggr) noch einen Gast aus dem fernen München problemlos in dieses Treffen integrieren.

Unser Gastgeber war Horst (whisho) – und dessen innige Liebe zu portgereiften Whiskies ist bekannt wie gefürchtet. Es stand mithin zu vermuten, dass die uns Teilnehmern vorab zugestellten Samples sicherlich Port-lastig ausfielen würden.

Nachdem Tee und Kaffee abgebackt waren sahen wir alle dem ersten Dram entgegen. Ein schön fruchtiger Starter aus Wales floss in die Gläser – natürlich Portfass-gelagert:

Penderyn Faraday

Zum Start gleich toller Whisky, zur Überraschung aller eine Portgeschichte … Der Penderyn ist ein schön fruchtiger Malt, nicht zu komplex, im Abgang sogar noch ein bissel Holz. Der perfekte Türöffner für den Abend der Portreifungen.

Joschie
Endlich wieder beisammen, endlich was im Glas: Horst (whisho), Seb (ted.striker) und Oliver (krimoldo). Mitte: Stefan (saw), Fanjoscha (Joschie) und Gast Henning (yggr). Unten: Matthias (Matze)

Der zweite Whisky ließ uns die Ohren aufstellen: eine gediegene Reifung von über 30 Jahren – ein genialer Port-Glenfarclas:

Glenfarclas 1981

Ganz großes Kino an der Zwei … ein Traum von einem Malt. Herrliche Fruchtaromen hinter einer gediegenen, tollen Holznote. Nach einer kleinen Zeit im Glas kommt dann die tolle säuerliche Portnote zum Vorschein. Im Mund geht es fruchtig weiter und es kommt eine tolle Süße daher. Und im Abgang prickelt es richtig und der is’ mal lang … Ein traumhafter Malt von Glenfarclas, wie krimoldo sehr schnell herausfand.

Joschie

Der dritte Whisky entpuppte sich als Edradour – ebenfalls von verdächtig roter Farbgebung:

Edradour 1983 Vintage

Dann kam der Turnschuh … ein alter Edradour und selbst krimoldo musste feststellen, dass die Jungs, von denen der Ballechin kommt, auch gute Whiskies machen. Dieser gehört dazu. Erst in der Nase Gummi, Turnschuh, dabei eher die alten Puma oder Sambas, nicht so Air Jordan. 😉 Danach dann eine tolle Frucht. Im Mund ein ganz anderes Bild, wird süss, dann auch bitter. Seifig, etwas parfümiert. Im Abgang dann nussig. Schön lang. Der spaltet, der braucht Zeit, der erfordert eine Wiederholung.

Joschie

Und der letzte Whisky vor einer kleinen Pause war eine brandneu erschienene Abfüllung: ein 16-jähriger Ire (Sie wissen schon: aus einem Portfass) von Rolf Kaspar:

Single Malt Irish Whiskey 2003 RK

Hola, dieser Ire ist ein … Fasswhisky. Tolle Portgeschichte und wer darauf steht, wird bedient. Dunkle Früchte, ein bisschen Schweißfüsse. Im Mund dann auch ’ne tolle Süße und ein klasse Abgang. Nur leider für Irenfans fehlt das Irische. Klingt komisch, is’ aber so. Geschmeckt hat er, jedoch die Erwartungen nicht erfüllt!

Joschie
Hatte tüchtig Spaß daran, uns allen Freude zu bereiten: Horst (whisho).

Pause!

Anstatt einer vom Gastgeber organisierten Darreichung griff sich jeder von uns dezentral eine Kleinigkeit zum Verzehr, bevor wir drei weitere Leckereien in die Gläser nahmen.

Und Gong frei für Runde 2.

Ein zweiter Waliser, dieses Mal fassstark, machte den Anfang:

Penderyn 2014

Der Penderyn aus den Jahr 2014 ist ein junger Wilder. Der braucht Wasser. Da kommen dann schöne Aromen von dunklen Früchten, schöne saftige Erdbeeren. Aber auch Holz ist da und natürlich auch ’ne alkoholische Note nimmt man wahr. Im Mund geht es auch so weiter und vor allem ’ne heftige Pfeffernote dabei. Die auch den Abgang beherrscht. Toller junger Malt.

Joschie

Mit einem Single Malt aus Campbeltown kam danach etwas Rauch ins Spiel:

Glen Scotia 2008

Der Glen Scotia konnte überzeugen. Tolle Kräuter kommen hier raus und dann auch noch schöne Pflaumen. Der macht Spaß und auch im Mund setzt sich das fort. Auch ’ne tolle Eiche hintenraus.

Joschie

Und ein wunderschöner Kilchoman rundete ein wirklich tolles Line-up exzellent ab:

Kilchoman 2014

Den Abschluss machte dann der Kilchoman. Einfach klasse. Schöne Keksnoten und ein toller Rauch setzt sich in die Nase. Der Rauch verstärkt sich im Mund, das macht Spaß, das ist Kilchoman. Langer Abgang und man hat das Lagerfeuer noch lange im Mund … Kann man machen? Sollte man machen!

Joschie
Auch aus der Distanz kein Problem: Heidenspaß, einen ganzen Abend lang.

Weil uns das Abschiednehmen (vielleicht auch das ein-Ende-finden) meist schwerfällt, hatte Horst sogar für unsere obligatorische Post Show vorgesorgt und uns noch ein Extra-Sample eingepackt.

Post Show

Und so konnten wir den Abend mit einem sündhaft leckeren Port Charlotte ausklingen lassen:

Port Charlotte 2003 Gs

Was man aber machen muss ist der Bonusdram: ein Highlight!!! Über 60%? Wahnsinn wie gut der Alkohol bei diesem Glenscoma eingebunden ist. Ein Traum von einem Malt, dieser 13-jährige PC.

Joschie

Das war genial! Fast vier Stunden verbrachten wir mit jeder Menge Spaß und Genuss. Tausend Dank an Horst für die Organisation!

Und nun schauen wir mal, wie die Rahmenbedingungen bei unserem nächsten Stammrundentasting im Juli aussehen werden – wir sind ja nun für jede Eventualität vorbereitet … 🙂

Passt auf Euch auf, wir lesen und sehen uns wieder!
Eure regulars

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