Öffentliche regulars-Tastings

Tasting „To the Lassies!“

9. April 2020, im Wallhecken-Umwelt-Zentrum Ostfriesland in Leer

Moin ihr,
anstelle des ansonsten üblichen Nachberichts zu einem öffentlichen Tasting bleibt uns heute ausnahmsweise nur, Euch von der Themenidee und den Ereignissen, die das Tasting schlussendlich leider verhindert haben, zu berichten.

Mal was mit und für Frauen.

Im Laufe der letzten zwei Jahre haben wir regulars durch unsere öffentlichen Whiskytastings so manche Erkenntnis sammeln dürfen. Einige wichtige davon betreffend unsere weiblichen Tastingteilnehmer*innen: einerseits machen diese im Durchschnitt leider nur 5-15% unserer Gäste aus. Anderseits sind Frauen für unsere Tastingrunden viel entscheidender, als es der Zahl nach zu erwarten wäre.

Des Öfteren kam es zu Situationen, in denen sich ein Mann als treibender Interessent für einen unserer Tastingabende anmeldete – samt weiblicher Begleitung. Und wenn es dann an das Verriechen und Erschmecken ging, entpuppte sich manche vorgeblich ‚nur so mitgekommene‘ Begleitung als wahre Wundernase. Der große Spaß beim Umgang mit Whisky liegt für uns darin, mit viel Zeit und Ruhe zu entschlüsseln, welche Aromen wir in unseren Gläsern und später am Gaumen wahrnehmen und diese dann in vollen Zügen zu genießen. Und da können wir konstatieren: das gelingt vor allem bei ungeübten und neuen Gästen Frauen oftmals besser. Wo Mann mit einem soliden ‚riecht süßlich‘ erste Entdeckungsprozesse vielleicht schon einstellt, kommt Frau ungleich schneller zu präziseren Eindrücken á la ‚da riecht Vanille vor, darunter steckt aber auch dunkler Honig‘.

Immer genussreich wie gemütlich: die öffentlichen Whiskytastings der regulars

Kurzum: Frauen sind in unseren Runden nicht nur gleichberechtigt willkommen und sollten schon von daher mehr als einen Bruchteil unserer Gästeschaft ausmachen – sie bringen beim Verriechen und Verkosten feiner Whiskies Ideen, Assoziation und bisweilen Eindrücke an den Tisch, die nicht nur bereichern, sondern manchmal richtige Lücken schließen.

Habt Ihr Frauen gerade Lückenfüller genannt? – Nein. 🙂

Whisky ist ein vielseitiges, wunderbares Getränk, unsere Tastings sind stets gemütlich und sollten auf Jede wie Jeden gleichermaßen einladend wirken. Um einen vielleicht entscheidenden Motivationsanstoß in Richtung der bei uns so chronisch unterrepräsentierten Frauen zu geben, hatten wir beschlossen, unser öffentliches Tasting im April zu nutzen, um die 25 Plätze im schönen Wallhecken-Zentrum-Ostfriesland ausschließlich an Frauen zu vergeben: um uns kennenzulernen, um gemeinsam auf eine Entdeckungsreise mit ein paar großartigen Whiskies zu gehen. Und um sich vom Thema Whisky idealerweise derart begeistern zu lassen, dass zukünftig unsere Tastings in größerer Zahl als bisher von Frauen bereichert würden. 🙂

Am 9. April 2020 sollte sich alles nur um Frauen drehen – wir luden ein zum Tasting „To the Lassies!“

Natürlich hatten wir für diesen Anlass nach einer versierten wie renommierten Referentin Ausschau gehalten. Und freuten uns riesig, mit der Düsseldorferin Kathrin Baltruschat eine solche gefunden zu haben.

Sollte das „Lassies“-Tasting geben: Whisky-Liebhaberin und Tasting-Managerin Kathrin Baltruschat

Kathrin schrieb uns:

Hallo nach Ostfriesland,
herzlich willkommen zu einem Whiskyabend für die Ladies!

In über 500 Jahren Whiskygeschichte gab es noch nie so viel Auswahl für Whiskyfans wie aktuell. Keine andere Spirituose ist so facettenreich in ihren Aromen, so spektakulär in ihrer Geschichte und auch in der heutigen Zeit immer noch so voller Mythen. Ein Whisky ist ein Genuss für den man sich Zeit nehmen muss, damit er einem seine Geschichte erzählen kann. Ganz leise werden alle unsere Sinne zentriert auf die in goldener Flüssigkeit konservierte Zeit …

1991 haben mich Schottland und sein Lebenswasser in seinen Bann gezogen. Der Leidenschaft zu Whisky folgte kurz darauf der Schotte in meinem Leben. Das erste aufkeimende Interesse an Single Malt Whisky in Deutschland war der Startschuss für unsere ersten Whisky-Tastings & -Seminare sowie organisierte Reisen nach Schottland Ende der Neunziger. Seitdem hat sich viel getan im Whiskymarkt und die Lebensumstände haben sich verändert – aber die Liebe zum Land und seinem einzigartigen Lebenswasser ist geblieben. Seit einigen Jahren habe ich die Ehre mit einer der bekanntesten Whiskyfrauen in Deutschland zusammen zu arbeiten: Maggie Miller. Man kann wohl mit Fug und Recht behaupten das ihr Mitte der 80er gegründeter Scotch Single Malt Circle (SSMC) die Keimzelle der Deutschen Whiskyszene war. Dieser Circle war für viele jetzt erfolgreiche Händler & Experten der Einstieg in die Materie. Aber genug der eigenen Geschichte …

Donnerstag der 9. April 2020 wird eine genüssliche Reise durch die Geschichte des Whiskys wie Schottlands. Die Auswahl der Whiskies wird euch Ladies durch eine Bandbreite an Aromen führen – von delikat-floral über geröstetes Getreide & würzige Kräuter, von Karamell, Vanille & Sherry über pfeffrig & frisch bis zur Speckschwarte & Rauch und Zahnarztpraxis. Von lieblich auf gefällig getrimmten Komposition bis zu markigem Charakter – Whisky ungefärbt und ungefiltert präsentiert mit Erfahrung und einer gehörigen Portion Augenzwinkern – ein gutes Rezept für einen unvergesslichen Abend.

Dem noch nicht genug darf ich noch einen ganz besonderen Gast ansagen. Um die Geschichte zu beleben und der Veranstaltung die einzigartig schottische Atmosphäre zu geben, wird Craig Herbertson den Abend musikalisch begleiten. Craig ist ein klassischer schottischer Folksinger aus Edinburgh. Balladen, Folksongs und Whisky-Songs aus eigener Feder bestimmen sein Werk. Craig eröffnet traditionell jedes Jahr das Gala-Dinner der InterWhisky in Frankfurt. Er spielt auf Burns Nights, Whiskymessen und hatte im letzten Jahr sein eigenes Programm im Rahmen des Fringe in Edinburgh. Neben seiner Liebe zu Whisky gilt seine besondere Leidenschaft den Werken des bekanntesten Poeten Schottlands: Robert Burns. Robert Burns verewigte die Liebe zu seiner Heimat, dem Whisky und vor allem den Frauen in zahlreichen Liedern & Gedichten.

Also: see you in April – wir freuen uns auf einen schönen Abend mit Euch!

Slanghie Mhor to the Lassie!
(Auf die Frauen – zum Wohle!)

Kathrin Baltruschat
Sollte den Abend musikalisch untermalen: Craig Herbertson

Wir freuten uns auf einen von Kathrin und Craig liebevoll gestalteten Tastingabend.

Nach unserem öffentlichen Tasting im Februar starteten wir den Vorverkauf für das „Lassies“-Tasting. Anfang März wurde zudem noch die Werbetrommel durch einen Beitrag im SonntagsReport für uns gerührt.

Und dann schlug die COVID-19-Pandemie zu.

Am 9. März 2020 überstieg die Zahl der Infizierten in Deutschland die Marke von 1.000 Personen. Binnen weniger Tage wurden Schul-/Kindergarten-/Kita- und Geschäftsschließungen verfügt, erst Groß- und dann sämtliche Veranstaltungen abgesagt und die Bevölkerung wurde vom Robert-Koch-Institut sowie den öffentlichen Stellen dazu angehalten, persönliche Begegnungen zu vermeiden, um die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen.

Und nun?

Wir regulars beratschlagten, was in Bezug auf unser öffentliches Tasting im April zu tun sei. Und dachten, eine geniale Lösung gefunden zu haben. Wir wollten dieses lange und aufwändig geplante Tasting nicht absagen. Ebenso wollten wir verantwortungsvoll handeln und es deshalb nicht im Wallhecken-Umwelt-Zentrum stattfinden lassen.

Eine Idee.

Statt das Tasting abzusagen planten wir, den Teilnehmerinnen vorab die Whiskies des Abends nach Hause zuzustellen. Um dann am 9. April einen Livestream mit Kathrin und Craig zu organisieren. Die Whiskies genießen, Kathrins Vortrag dazu sowie Craigs Musik lauschen – wenn auch ob der Gegenheiten nicht in gemeinsamer Runde, sondern über das Internet. Allein, um ein Zeichen zu setzen, dass man gleichermaßen besonnen handeln und sich dennoch nicht die Freuden eines solchen Tastingabends nehmen lassen müsste.

Als wir diese Option unter den angemeldeten Teilnehmerinnen streuten, erreichte uns jedoch vereinzelt ablehnendes Feedback: einige Gäste, die für eine Live-Veranstaltung mit Musik Tickets gekauft hatte, wollte auch exakt dieses erleben und an keiner „Fallback-Lösung“ über das Internet teilnehmen. Und so baten uns diese Teilnehmerinnen um die Stornierung ihrer Buchungen.

Zwei Dinge lagen auf der Hand.

Das geplante Tasting konnte nur zustande kommen, wenn es ausverkauft war. Und wenn nun (wir sprachen vom 13. März) Tickets frei wurden, würden sich diese, allzumal für eine hochspezifische Veranstaltung wie „ein Leeraner Whiskytasting nur für Frauen, übertragen als Livestream im Internet mit vorher angelieferten Samples keinesfalls mehr verkaufen – die Causa Corona hatte den Absatz von Veranstaltungstickets egal welcher Art unmöglich gemacht.

Und so sahen wir uns gezwungen, das „Lassies“-Tasting schweren Herzens abzusagen.

Eine Verlegung war uns unmöglich, da nicht zu erwarten stand, dass sich die COVID-19-Situation binnen weniger Wochen legen würde und damit ein zeitnaher Nachholtermin allein aus dieser Warte unrealistisch war. Und wir zudem für den Rest des Jahres Vorplanungen für andere Tastings in die Wege geleitet hatten.

Tja – und so kam die Idee, unsere Türen „einmal extraweit für Frauen zu öffnen“ in Form dieses Tastings leider nicht zustande. 🙁

Muss man mal so deutlich sagen: fuck Corona!

Ein Schlusswort.

Seid Euch gewiss: wenn ihr mögt, sehen wir uns zu weiteren spannenden Whiskytastings wieder – an einem anderen Tag und gegebenenfalls auf eine andere Weise als bisher. Wir freuen uns wieder auf gemütliche Abende in fröhlicher Runde – auch und vor allem mit einem starken Anteil an Frauen unter den Gästen.

Beste Grüße und Dank an alle Teilnehmerinnen, die Tickets für diesen Abend gekauft hatten. Besonderer Dank an Kathrin Baltruschat und Craig Herbertson!

Auf bald,
Eure regulars

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