Öffentliche regulars-Tastings

Tasting „Een janz besond’rer Abend: Raritätentasting mit Berliner Schnauze“

14. Februar 2020, im Wallhecken-Umwelt-Zentrum Ostfriesland in Leer

Moin ihr,
wir regulars haben einen großen Stapel mit Tastingideen angehäuft. Dieses Thema, jene Region – diese Destille, jener Whiskystil. Was wir Euch noch so alles in die Gläser bringen wollen, reicht weit. Früh lag auf diesem Stapel die Idee ganz oben, einmal ein veritables Raritätentasting zu veranstalten. Einerseits mit Standardabfüllungen aus alter Zeit, die seit Jahrzehnten so nicht mehr erhältlich sind, andererseits mit Abfüllungen, die nicht nur zehn, zwölf oder 18 Jahre, sondern deutlich länger gereift sind und deshalb zur Gattung der raren Preziosen gehören.

Von Anfang an war klar: erst einmal müssen sich unsere zweimonatigen Tastings bewähren und ausverkaufen und wir ein Gefühl dafür bekommen, ob es später für ein besonderes Raritätentasting genügend Interesse gäbe – da hier natürlich ein signifikant anderer Ticketpreis als üblich anfallen würde. Die gute Nachricht: wo immer wir in unseren durchweg ausverkauften Tastings der vergangenen Monate vorsichtig vorfühlten, ob mal ein „Abend der Abende“ gewünscht sei, hagelte es leuchtende Augen und erhobene Daumen. So weit, so gut.

Ungleich schwieriger wäre es für uns jedoch gewesen, die Abfüllungen für so ein spezielles Tasting auf Auktionen etc. zusammenzukaufen – das braucht eeeecht spezifisches Know-how. Aber das Gute in der Szene der Whiskyenthusiasten: man ist vernetzt. Als „Extremist“ in Sachen alter Whiskies gilt der Berliner Bert „macwhisky“ Hellige. Selbst schon in den frühen 1990er Jahren dem Thema Whisky verfallen sammelt er seit Jahrzehnten besondere Abfüllungen und hat sich beim Kauf, Tausch und Genuss von Whisky ausschließlich alten und altgereiften Abfüllungen verschrieben.

Groß war unsere Freude, ihn auf Nachfrage für dieses besondere Tasting als Referent gewinnen zu können. Tatsächlich monatelang planten wir an der Ausgestaltung des Abends und so freuten wir uns riesig, ihn am vergangenen Freitag zum öffentlichen Raritasting bei uns in Leer begrüßen zu dürfen.

Aus seinen über viele Jahre angesammelten Flaschen hatte Bert für uns ein sagenhaftes Lineup aus altem Stoff zusammengestellt, der uns für einen Abend eine gänzlich andere Seite des Thema Whisky zeigte: wie haben Standards vor vielen Jahrzehnten so geschmeckt? War früher wirklich alles besser? Oder auch nur signifikant anders? Was passiert, wenn Whisky Jahrzehnte in einer geschlossenen Flasche auf seinen Verzehr wartet? Und: wenn Destillen und Broker ihre besten Fässer nicht früh abfüllen, sondern über viele Jahrzente lagern: was kann exorbitant lang gereifter Whisky geschmacklich besonderes bieten?

Die Ruhe vor einem wahren Whisky-Orkan: Referent Bert „macwhisky“ Hellige und als Gegenpart für Zwiesprache Seb Bley von den regulars sollten auf der Bühne Platz nehmen.

Ein gespanntes Auditorium sollte diesen Fragen auf den Grund gehen. Bert stellte sich vor und teilte im Laufe des Abends unzählige Erlebnisse und Anekdoten aus fast 30 Jahren Whiskyleidenschaft.

Im ersten Teil des Abends sollten vier schlichte Standards aus alter Zeit den Weg in die Gläser der Gäste finden. Da sich erfreulicherweise mit Christian „rottendon“ Schmidt ein sehr versierter Genießer mit poetischer Ader in den Reihen der Teilnehmer*innen befand, stellen wir im Folgenden die von Bert ausgewählten Abfüllungen vor und versehen diese mit Christians Verkostungsnotizen, um ein paar persönliche und subjektive Eindrücke zur Veranschaulichung dieser besonderen Drams anbieten zu können.

Der erste Whisky des Abends war ein zehnjähriger Glenmorangie der ersten Generation, abgefüllt in den 1970er Jahren:

Glenmorangie 10-year-old

Bei Malts aus dieser Ära fallen einzelne Batches mitunter stark unterschiedlich aus. Dieses war hervorragend. Er weist nur sehr wenig Old Bottle Flavour auf, erstaunlicherweise für einen Glenmorangie nicht sprittig, wenn auch für seine 40% sehr kräftig. Qualitativ sehr weit von heutigen Standards entfernt. Blind nicht als Glenmorangie zu erkennen.

Geruch:
Sehr dicht, gelbe Frucht und Dunnage. leicht grün, sehr frisch, später Custard und Zitrone. Erwärmt etwas mineralisch. (89/100)

Geschmack:
Süß, cremig, wenig Frucht. Honig, vor allem nach hinten weißer Pfeffer. (88/100)

Abgang:
Lang und süß, Honig und weißer Pfeffer gehen harmonisch. (88/100)

Verkostungsnotiz von Christian „rottendon“ Schmidt
„Spürt mal in Ruhe diesen Aromen nach … das kann nur alter Stoff!“ – Bert Hellige

Bei Whisky Nummer zwei handelte es sich um einen Oban im seltenen „Hexagonal-Dekanter“, abgefüllt in den 1980er Jahren mit einem Alter von 12 Jahren:

Oban 12-year-old - Unblended Highland Malt

Auf Oban wäre ich hier nie gekommen. Was diesen Malt ausmacht ist die vorbildliche Balance. Der ist wirklich komplett fehlerfrei. Ein grundehrlicher Malt vergangener Tage.

Geruch:
Gelbes Fruchtkompott, wenig Dichte zunächst, eher filigran. Ein Hauch Kräuter. Die Dichte entwickelt sich mit der Zeit nach vorn, als müsste er erstmal realisieren, dass er nach so langer Zeit aus der Flasche durfte. Karton, etwas staubig, dazu getrocknete Feigen. Wirkt mit der Zeit immer vollkommener, sehr rund. Reife Pfirsiche, nackter Fels, Feigenbrot. Erwärmt noch mineralischer, Möbelpolitur, Faßsäure und eine Spur Hustensaft. (88/100)

Geschmack:
Nicht sehr süß, dafür umso mehr cremig. Nach kurzer Zeit ein kräftiger Chili-Catch. Einzelne Aromen sind schwer zu isolieren, die Balance ist aber vorbildlich. Fruchtsäure, mineralisch, eine Spur fruchtige Süße, dazu nach hinten deutlich Kräuter, eine Idee Kaffee. (89/100)

Abgang:
Der Abgang ist ein eher zügiges Fading. Die Kräuter bleiben am längsten. Dabei nie bitter oder wirklich trocken. Zum Schluss noch etwas Süßholz. (86/100)

Verkostungsnotiz von Christian „rottendon“ Schmidt

Als dritte Abfüllung hatte Bert einen Blend ausgewählt: ein Cockburn von acht Jahren Alter, abgefüllt in den 1980ern:

Cockburn 08-year-old

Dass es sich um einen Blend handelte war rückblickend aufgrund der grainigen Noten naheliegend, da ich aber von einem reinen Malttasting ausging, hatte ich nicht damit gerechnet. Es ist ein typischer alter Blend, rund und stimmig.

Geruch:
Der erste Atemzug wirkt medizinisch, Hustensaft bzw. Meditonsin. Trocknet noch weiter ab, Süßholz, keine Frucht, etwas grainig, Mixed Pickles. Spät kommt eine kräftige Vanillenote dazu. Ich bin mir nicht sicher, vermute aber ein paar ppm Rauch. Oloroso Noten, extrem dicht und wachsig, Old Bottle Flavour. Mit zunehmender Zeit wird er richtig süß und schwer. Wärme bringt mehr OBF und Süße, Karamell mit deutlichen Röstaromen. Wärme tut ihm wirklich gut, der wird immer fetter. Sherrylastig. (90/100)

Geschmack:
Im Mund auch sehr cremig, weich, leicht herber Honig, eine Prise Menthol, mineralische Noten, kein wirklicher Kick aber stimmig. (86/100)

Abgang:
Trocknet langsam ab, insgesamt eher kurz bis mittellang, simples Fading, unspektakulär. Könnte eine Idee Rauch haben. (85/100)

Verkostungsnotiz von Christian „rottendon“ Schmidt

Alle Whiskies des Abends wurden übrigens blind ausgeschenkt. Sprich erst nach dem gemeinsamen Verriechen und Verkosten wurde aufgelöst, was da gerade durch die Gläser geflossen war.

Im Fall des vierten Whisky führte die Auflösung zu einem Raunen im Raum: handelte es sich doch um einen Islay-Whisky der Extraklasse, einen Bowmore aus brauner Dumpy-Flasche, abgefüllt mit zwölf Jahren Alter in den 1980er Jahren:

Bowmore 12-year-old

Sensationell, einfach klasse! Hier stimmt einfach alles. Perfekt ausbalanciert. Würden die Standards heute noch so schmecken, wäre mein Regal voll davon. Nach Islay hätte ich den übrigens nicht gepackt, heute ist da viel mehr Holzhammer, außerdem hatte ich keinerlei Rauch in der Nase.

Geruch:
Frisch, fruchtig und cremig zugleich, Möbelpolitur, frische, leicht unreife Mirabellen, Zimt,entwickelt dann aber auch Old Bottle Flavour. Mineralische Noten kommen auf, dazu tropische Früchte, sehr komplex. Erinnert an die 70er Jahre Speysider die in den letzten Jahren vermehrt auf den Markt kamen. Erwärmt noch dichter, wachsig, viel Möbelpolitur jetzt. (91/100)

Geschmack:
Cremig, voll, reife Früchte, schwarze Johannisbeeren, leichter Rauch. Viel Kraft für 40%, gut abgestimmte Süße, leicht mineralisch. (91/100)

Abgang:
Geht sehr langsam, wirkt immer noch cremig, auch hier ist der Rauch nur sehr untergeordnet. (90/100)

Verkostungsnotiz von Christian „rottendon“ Schmidt

Es darf wohl mit Fug und Recht behauptet werden, dass wirklich restlos jede*r im Publikum von den ausgeschenkten Tropfen gleichermaßen übermannt wurde und begeistert war. Die einzigartigen Aromenwelten der alten Whiskies sowie deren Voluminösität trotz Alkoholstärken von nur 40 bzw. 43 Vol.-% beeindruckten die Teilnehmer*innen nachhaltig.

Es wurde keinen Moment langweilig: mit vielen liebevoll erzählten Hintergrundgeschichten und persönlichen Erlebnissen brachte Bert Hellige die ausgeschenkten Whiskies näher.

Ganz gegen die Gewohnheiten unserer öffentlichen regulars-Tastings war auch nach den vier genossenen Drams noch nicht Zeit zur Pause – Bert ließ einen fünften Whisky ausschenken. Mit 20 Jahren Reifungszeit gab es die Gelegenheit, einen 1974 destillierten, gediegenen Knockando, abgefüllt zu Ehren des 500-jährigen Jubiläums der Aberdeen University, zu genießen:

Knockando 1974 Quincentenary

Von der Nase wirkt er modern, im Geschmack dann gar nicht mehr. Ungewöhnliche Aromenkonstellation, in sich aber sehr stimmig. Eine Sherrybombe vergangener Zeiten. Eine wirklich interessante und damals vermutlich sehr außergewöhnliche Abfüllung.

Geruch:
Würziger Sherry, daneben hat erstmal wenig anderes eine Chance. Starke Faßsäure, wirkt bekannt, aber nicht alt. Der könnte der Nase nach zu urteilen auch heute abgefüllt worden sein. Mit Katjes Joghurt Gums bringt Sebastian es auf den Punkt. Lakritze, dazu aber auch ein typisches Sherryprofil mit Röstaromen, Rübensirup und ganz dunklem Honig. Erwärmt etwas frischer, süßer, weniger streng. (87/100)

Geschmack:
Säure vornan, danach erst Röstaromen dann Süße, die Säure bleibt aber dominant. Wirkt dabei aber erstaunlich fruchtig frisch, so gar nicht wie eine moderne Sherryfasslagerung. (89/100)

Abgang:
Der Abgang ist eher kurz, dabei auch hier mit Pointierung auf der Säure. (86/100)

Verkostungsnotiz von Christian „rottendon“ Schmidt

Die daran anschließende viertelstündige Pause tat allen mehr als Wohl. Doch was würde im zweiten Teil des Abends noch folgen? Sollte sich die sauber gesetzte Erlebniskurve mit zusätzlichen Drams weiterhin toppen lassen?

Mehr als ein halbes Leben mit Enthusiasmus für Whisky – zu jeder Abfüllung erwartete die Teilnehmer*innen des Raritätentastings durch Referent Bert Hellige ein Füllhorn an Hintergründen und Wissenswertem.

Zurück aus der Pause

Zurück aus der Pause wurde ein Dufftown von acht Jahren Alter zum sechsten Whisky des Abends:

Dufftown 08-year-old

Auch wenn die Äpfel auch heute noch durchaus Thema bei Dufftown sind, könnte der Vergleich damals/heute wohl nicht krasser ausfallen, als bei dieser Abfüllung und einem Singleton von heute, der wirklich nur schwer über den Gaumen geht. Keine Ausgeburt an Komplexität, aber definitiv kein Simpleton. Gut in der Balance.

Geruch:
Etwas Old Bottle Flavour, fermentierte gelbe Früchte, Apfelmus. Wird nach kurzer Zeit deutlich mineralisch. Bert meint Stadtgas, dass einen charakteristischen Geruch hatte, bevor es durch Erdgas ersetzt wurde, da kann ich mitgehen. Coastal Flavours, etwas Jod. Eine starke Fruchtsäure steht über allem, Edelessig. Noch später leicht erdige Aromen. Nach Standzeit mehr Säure und OBF, Saft grüner Äpfel. Erwärmt etwas Möbelpolitur, Bienenwachs, aber auch Steinstaub, bleibt frisch. Erst mit zunehmender Wärme wird er satter, alter Calvados. Sehr spät nach dem ersten Schluck geröstete Nüsse. (89/100)

Geschmack:
Im Mund ist Honig das zentrale Thema, dazu mehliger Apfel und etwas schwarzer Pfeffer. Die 40% wirken kräftig und vollkommen ausreichend. (87/100)

Abgang:
Der Abgang ist mittellang bis lang und er wärmt deutlich den Brustraum nach. Zu dem Honig kommt eine Idee Süßholz. (88/100)

Verkostungsnotiz von Christian „rottendon“ Schmidt

Und damit sollte das Tasting planmäßig an sein Ende kommen – doch Bert hatte noch einen Bonusdram für die Gäste in petto. Whisky Nummer sieben stammte – dreifach destilliert – von Auchentoshan. Unser Berliner Referent präsentierte eine Square Bottle aus den 1980er Jahren mit 18 Jahren Alter:

Auchentoshan 18-year-old

Sehr ungewöhnlicher und vor allem kräftiger Auchentoshan. Die Grainigkeit in der Nase empfand ich allerdings doch eher als störend.

Geruch:
Wieder stark grainig, gemüsig, Mixed Pickles, dazu Old Bottle Flavour. Erst nach viel Zeit kommen da andere Aromen hinzu, etwas Vanille, Karamell, eine extrem dezente Kräuternote, dennoch bleibt die Grainigkeit absolut dominant. (84/100)

Geschmack:
Im Mund ist er etwas komplexer, Honig, Kräuter, eine Prise Pfeffer. Wieder OBF, leicht mineralisch. Die komischen Grainnoten sind nach wie vor vorhanden, jedoch wirkt er insgesamt keineswegs wie ein Grain. (87/100)

Abgang:
Der Abgang ist recht lang, Honigsüße mit etwas Menthol gehen ziemlich gleichmäßig. (87/100)

Verkostungsnotiz von Christian „rottendon“ Schmidt

Was für eine Schussfahrt durch die Jahrzehnte, was für rare und eindrückliche Erlebnisse! Doch anstatt das Publikum vom Haken zu lassen, demonstrierte Bert nochmals eindrucksvoll, dass er die regulars-übliche, nicht kommerzielle Ausgestaltung des Tastings mehr als ernst nahm, in dem er einer applaudierenden Gästeschar noch einen achten Dram kredenzte.

Mit satten 29 Jahren Alter kam der längstgereifte Malt des Abends in die Gläser. Ein Old Rhosdhu aus der Destillerie Loch Lomond, gebrannt 1967 und abgefüllt 1996:

Old Rhosdhu 1967

Ein toller Malt, hätte mit ein paar Prozenten mehr ein echter Überflieger werden können. Frisch in der Nase, kräftig im Mund, prägnanter Abgang, sehr passend!

Geruch:
Tropische Früchte, etwas Karton, Frühlingswiese, frisch, fruchtig, Mirabellen, Papayas, eventuell eine Spur Rauch, auf jeden Fall Dunnage. Später und mit Wärme wird er stark karamellig, Röstaromen, Old Bottle Flavour, etwas Gras vielleicht. Sehr komplex. (92/100)

Geschmack:
Intensiv, delikate Säure gepaart mit starker Süße, nach hinten kommt deutlich Eiche, leicht herb aber nie unangenehm. (90/100)

Abgang:
Im Abgang treffen Süße und Säure auf etwas Menthol, dabei bleibt er mittellang bis lang. (90/100)

Verkostungsnotiz von Christian „rottendon“ Schmidt

In der Tendenz noch eher einen Hauch entsetzt und sprachlos als nur begeistert nahm das Publikum nach dem Genuss dieses Drams die Nachricht zur Kenntniss, dass Bert sich entschieden hatte, für die 89 € Ticketpreis sogar noch eine weitere, neunte Rarität aus seiner Sammlung zu spendieren.

Und diese sollte unglaublicherweise tatsächlich allem Vorangegangenen in jeder denkbaren Dimension geschmacklich die Krone aufsetzen.

Vorbei ist nicht gleich vorbei: Referent Bert Hellige bescherte den Gästen des Raritätentastings gleich neun einzigartige Genüsse der Extraklasse.

Destilliert 1957 (oder früher) und 21 Jahre später abgefüllt wurde ein „Highland Fusilier“ des unabhängigen Abfüllers Gordon & MacPhail zum mehr als krönenden Schlusspunkt – der anlässlich des dreihundertjährigen Bestehens des 1678 aufgestellten britischen Regiments der „Royal Scots Fusiliers“ herausgebrachte Whisky war tatsächlich nichts anderes als wahrer Traumstoff allererster Garnitur:

Highland Fusilier 21-year-old GM

Das ist schon etwas ganz besonderes, welches dem Anlass absolut gerecht wurde. Toll ausbalanciert, hervorragendes Vatting. Auch wenn der Whisky meinen Geschmack nicht 100%ig trifft, ist die Qualität doch unverkennbar.

Geruch:
Waldmeister-Brausepulver, leichte Säure, nur wenig Old Bottle Flavour. Später auch Karamell, Sherrytöne, Kakao und helle Früchte. Erwärmt explodiert er förmlich, unheimlich intensiv. Dunkle Früchte kommen jetzt hinzu, da ist mehr, als man in kurzer Zeit auseinanderbröseln kann. (91/100)

Geschmack:
Wow, der ist unheimlich intensiv und kräftig, die 40% sind ja kaum zu fassen. Cremig ist er, Pudding, Honig, dazu Kräuter und ein ordentlicher Schwung weißer Pfeffer. (91/100)

Abgang:
Der Abgang ist mittellang bis lang und interressanterweise wärmt er auch den Brustraum kräftig nach, trotz der 40%. (90/100)

Verkostungsnotiz von Christian „rottendon“ Schmidt

Ein wichtiges Fazit ließ sich am Ende ziehen: nämlich, dass Whiskies früher offensichtlich mit mehr Aromen ausgestattet waren, da heute für intensive Aromen deutlich mehr Alkohol als Aromenträger benötigt wird, um eine ähnliche Intensität zu erreichen. Was wir bei 40 Vol.-% oder etwas mehr an geschmacklichem Druck und aromatischer Intensivität vorfanden, wäre bei heutigen Abfüllungen kaum denkbar.

Um kurz vor 23 Uhr endete unter dem stürmischen Applaus der Teilnehmer*innen ein nicht nur gelungenes, sondern ein sicherlich allen noch lange in Erinnerung bleibendes Tasting der Extraklasse.

Wer Lust hatte, konnte diesen besonderen Abend wie stets noch bis Mitternacht in guten Gesprächen mit uns ausklingen lassen – und da in der „Post Show“ ebenfalls die Option bestehen sollte, sich gemeinsam bei einem guten Dram auszutauschen, hatte Bert noch drei zusätzliche Flaschen mitgebracht, aus denen auf Wunsch noch ein paar letzte Tropfen erworben werden konnten.

Dabei handelte es sich um einen 1952 destillierten, 25-jährigen Glenlivet; einen 21 Jahre alten Glen Grant sowie einen in den 1970ern abgefüllten Glen Sloy:

Glenlivet 25-year-old
Glen Grant 21-year-old
Glen Sloy 25-year-old

Wer an diesem Abend nicht auf seine Kosten gekommen wäre, müsste wohl etwas kapital falsch gemacht haben. Derartiges kam uns jedoch glücklicherweise nicht zu Ohren. Dafür durch die Bank fröhliche Gesichter, die Bert ausgiebig dankten, die Reise zu uns in ostfriesische Gefilde angetreten zu haben.

Und dafür danken auch wir regulars abschließend nochmals von Herzen: Bert, das war ein unsagbar schöner Abend – vielen Dank, dass du ihn uns ermöglicht und für uns gestaltet hast!

Mit vielen positiven Erinnerungen im Herzen lehnen wir uns nun voll Vorfreude auf das nächste öffentliche Tasting im April zurück. Wobei die meisten unserer liebwerten Gäste sich ausnahmsweise wohl bis Juni in Vorfreude üben müssen: wird unser April-Tasting doch ein Abend, an welchem wir die von uns hoch geschätzten, jedoch leider chronisch unterrepräsentierten Damen zu einer exklusiven Verkostung einladen – im April heißt unsere Losung: „To the Lassies!“ („Auf die Frauen!“).

Haltet uns die Treue, wir freuen uns darauf, Euch alle möglichst schnell wieder begrüßen zu dürfen!
Eure regulars

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