Stammrundentastings

68. regulars-Treffen

17. Januar 2020, »Prohiwas?«, bei saw in Leer

Moin ihr,
fast taggenau vor einhundert Jahren trat die Prohibition in den Vereinigten Staaten in Kraft. Und irgendwo in Ostfriesland war gestern ein kleines Grüppchen Whiskybegeisterter sehr froh, räumlich wie zeitlich von diesem unschönen Ereignis sehr weit entfernt zu sein.

In munterer Fünferrunde wurden Jahre regulars’schen Brauchtums kurzerhand hinter sich gelassen, in dem ohne Exerzitien rund um die Teetasse in medias res gegangen wurde.

Als erster Dram des Abends kam durch Gastgeber saw eine aktuelle Abfüllung des wieder erhältlichen Glendronach Revival zum Ausschank:

Glendronach 15-year-old Revival

Zum Aufwärmen ein feiner Sherry-Dram!

Whisky Nummer zwei hatte eine wahnwitzige Irrfahrt hinter sich, bevor er in unseren Gläsern landen sollte.

Ein Freund aus Dortmund, Dimmi, hatte sich Anfang Dezember bei uns gemeldet und von einer Flasche berichtet, die – ohne ein Bowmore zu sein – exakt die Veilchen- und French-Whore-Perfume-Noten vieler Abfüllungen der Islay-Brennerei aus den 1980ern besäße. Dimmi meinte weiter, das Teil gehöre fraglos zu den fiesesten Drams, die er jemals habe verkosten müssen. Was Teile der regulars instantan zu einem „Das muss probiert werden!“ verleitete.

Dimmi knackte seine Flasche Veilchenparfum – es handelte sich um einen 25-jährigen Glen Moray von Cadenhead – und sendete diese im Dezember an uns raus. Was dann eher Wochen als Tage dauerte und darin endete, dass das Paket nicht uns erreichte, sondern mit einem zerbrochenen Sample darin durch DHL wieder beim Absender abgeladen wurde.

Großer Katzenjammer, ein zweiter Versuch: ein zweites Mal ging das Paket, enthaltend insgesamt sechs Samples, auf die Reise. Und siehe da: dieses Mal betrug die Paketlaufzeit für die 250 km von Dortmund nach Leer nur sieben [sic!] Tage. Jedoch war das Paket geöffnet und neu verpackt worden. Hmm. Und es fehlten zwei der Samples. Katzenjammer die Zweite, Flüche und düstere Wünsche an das Personal der DHL, welches im Paketzentrum Hagen in den vier Tagen Paketstillstand dort wohl am Wahrscheinlichsten zugegriffen haben mag.

Naja, am Ende war ja immerhin noch etwas angekommen: das Label leicht ramponiert durch den Glasbruch der Nebenflasche vom ersten Versand, aber hey, besser als nichts. So stand der Glen Moray vor uns.

Und so wurde der Irrfahrer unser zweiter Dram des Abends:

Glen Moray 1992 CA

Und was soll man sagen: 80s Bowmore at it’s best! Bzw. worst, je nachdem ob man diese speziellen Aromen mag oder nicht. Zwei von uns schwelgten in größten Genüssen, einer kam aus dem Kopfschütteln nicht heraus und die anderen zwei wussten nicht so Recht, was davon denn nun zu halten sei.

1000 Dank an Dimmi für die Mühen, das war ein ganz besonderer Schluck – genial, ihn verkostet haben zu dürfen!

Doch nun zu etwas völlig anderem.

Mit dickem Sherry sollte nachgespült werden: saw zauberte einen 20-jährigen Glenlivet von Signatory Vintage hervor:

Glenlivet 1995 SV

Was für ein Sherrybrett! Nicht pappsüß, sondern ein wirklicher Genuss – eine tolle Wahl!

Dram Nummer Vier hatte ebenfalls etwas Geschichte in der Tasche: im Landkreis Vechta, genauer im beschaulichen Holdorf leben 7.304 Einwohner. Und ein manisch Whiskyverrückter namens Peter. Und eben jener hatte uns einen Highland Park zugesteckt, den er für sein Label ‚East Villige Whisky Company’ abgefüllt hatte:

Secret Orkney Distillery 1999 EVWC

19 Jahre Reifung in einem Hogshead lieferten einen angenehm süßen und mit dem leichten Highland-Park-Rauch durchzogenen Malt. Etwas Wasser nahm vor allem der Nase die alkoholische Spitze und sorgte für Aromenfreuden im Mund. Dank dafür, Peter!

Highland Park? Highland Park?

saw erinnerte sich, eine Anbruchflasche Highland Park 18 im Schrank stehen zu haben. Der musste als fünfter Dram des Abends kurz eingeschoben werden:

Highland Park 18-year-old

Ein feines Teil! Bei nur 43,0% sorgte der Malt für vier strahlende Gesichter – die signifikante Cassis-Note im Abgang vermochte nur einen von uns nicht zu begeistern.

Puh, nach fünf Whiskies war Zeit für eine Pause und etwas Gaumenneutralisierung.

saw tischte ein feines kleines Buffet auf und wir stärkten uns nach Kräften an Käse, Wurst, Antipasti-Cremes und Oliven.

Nach der Pause standen ausschließlich rauchige Malts auf dem Fahrplan: der 18-jährige Longrow war eine Abfüllung, mit der wir in einem unserer öffentlichen Tastings jede Menge Spaß gehabt hatten – das war eine tolle Flasche. Das war die Ausgabe von 2018, saw jedoch kredenzte uns nun die 2015er Version:

Longrow 18-year-old

Und die war zwar deutlich anders ausgeprägt, jedoch handelte es sich ebenfalls zweifelsfrei um einen traumhaften Malt. Genial!

Noch drei Abfüllungen sollten folgen.

Weiter ging es nun jedoch mit richtig feisten Rauchern, allessamt Octomores:

Octomore Edition 08.2 Masterclass / 167 PPM
Octomore Edition 09.1 διάλογος / 156 PPM
Octomore Edition 10.2 διάλογος / 96.9 ppm

Der 08.2 mit seinem vielseitigen Fassmix erntete den höchsten Zuspruch, der 09.1 kam als gesittete Bourbon-Variante lieblich und Gersten-klebrig daher (absolut toll!), bevor der 10.2 als letzter Dram des Abends nochmal mit Sauternes-Power ein aromenseitig vielschichtigeres Beispiel für die Octomore-Reihe darstellte.

Mit zwei großartigen Nachrichten endete dann ein wunderbarer Stammrundenabend:

  • Matze, seit Oktober 2018 immer wieder und gern gesehener Gelegenheitsgast bei unseren Veranstaltungen und Abenden der Stammrunde wurde eingeladen, Teil unserer Stammrunde zu werden. Und sagte ad hoc zu. Mithin wächst der harte Kern unserer kleinen Truppe damit von fünf auf sechs Genießer an – was uns sehr glücklich stimmt. Welcome to the show, Matthias, auf viele weitere schöne gemeinsame Abende!
  • Ein Freundschaftsangebot für den Kauf von ein paar besonderen Flaschen hatte uns erreicht. Und da die Zusammenstellung der Flaschen danach schrie, daraus ein absolut supergeniales öffentliches regulars-Tasting zu machen, nahmen wir dieses an. Nicht jedoch, ohne den Anbieter zu verpflichten, mit den Buddeln persönlich aus dem Süddeutschen zu uns Ostfriesen zu reisen und das Tasting höchstselbst zu moderieren. Das konnten wir gestern vom Tastingtisch aus zur allseitigen Zufriedenheit arrangieren, sodass wir Euch ohne näher auf Details einzugehen für den August 2020 ein ganz besonderes Tasting mit einem sehr weit gereisten Referenten in Aussicht stellen dürfen. Seid gespannt, alle Infos dazu folgen beim Ticketingstart im Juni =)

Jo, und damit machen wir einen Strich unter Stammrundentasting Nummer 68: Dank an saw für’s Ausrichten! Dank dem Rest der Truppe für einen geselligen und wie stets witzigen Abend mit tollen Drams.

Wir sehen uns im März!
Seb

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