Öffentliche regulars-Tastings

Tasting „Das Publikum ist Jury: vier regulars im Whiskywettstreit“

13. Dezember 2019, im Wallhecken-Umwelt-Zentrum Ostfriesland in Leer

Moin ihr,
unser öffentliches Tasting zum Jahresende sollte etwas Besonderes werden. Und so lief in diesem Tasting alles anders als gewohnt: nicht ein Referent lieferte einen Vortrag, sondern gleich vier Vertreter der regulars-Stammrunde traten in einen ganz besonderen Wettbewerb um die Gunst des Publikums ein. Es galt für jeden der Vier einen Whisky auszuschenken und damit um Stimmen in der anschließenden Publikumswahl zu kämpfen.

Doch der Reihe nach.

Wenn es einen Monat gibt, der für Erkältungs-bedingte Zuschauerausfälle sorgt, ist das unserer Erfahrung nach der Dezember. Umso begeisterter waren wir, als sich am gestrigen Freitag alle 25 Gäste unseres Tasting im Wallhecken-Zentrum Ostfriesland einfanden, um als wahlberechtigte Jury nicht nur spannende Whiskies zu verkosten, sondern den weiteren Verlauf des Abends aktiv zu lenken.

Vier Whiskies der Gattung „Flaschenpreis bis 100 €“ sollten in der ersten Runde zum Ausschank kommen.

Vor Veranstaltungsbeginn waren den vier antretenden regulars die Startplätze zugelost worden – wobei das erste Los den Schortenser Wissenschaftler und Whiskyfreund Oliver ‚krimoldo‘ Ferdinand getroffen hatte. Dieser eröffnete mithin den Reigen und schenkte dem Publikum einen 21-jährigen Glenfarclas ein.

Überzeugt vom Preisleistungsverhältnis der 21-jährigen Standardabfüllung aus dem Hause Glenfarclas: Oliver ‚krimoldo‘ Ferdinand

Der Sherryfass-gereifte Speysider mit 43,0 Vol.-% Alkohol und einer sicherlich nicht grundlos sehr großen Beliebtheit unter Genießern weltweit war eine tolle Wahl – der erste Dram des Abends stieß allenthalben auf Gefallen.

Glenfarclas 21-year-old
Bestenfalls für unter 70 € erhältlich, dabei 21 Jahre gereift und dauerhaft erhältlich: der Glenfarclas 21

Das zweite Los traf einen Novizen auf unserer Tastingbühne – dabei ist Horst ‚whisho‘ Bielefeld, ebenfalls aus Schortens, Gründungsmitglied unserer 2012 ins Leben gerufenen Gruppe von Whiskygenießern.

Traf eine für ihn unvermeidliche Wahl: die ‚Portnase‘ der regulars, Horst ‚whisho‘ Bielefeld

Horst ist leidenschaftlich in Portfässern gereiften Whiskies zugeneigt. Und so fiel auch seine Wahl für die Abfüllung dieses Wettbewerbs auf einen Malt, der ein Finish im Portfass erfahren hatte: einen neun Jahre alten Glenrothes von Cooper’s Choice.

Glenrothes 2010 VM
Die schöne rötliche Färbung verrät die Art der Reifung: der Port-Glenrothes von whisho

Trotz seiner satten Fassstärke von 58,5% ein perfekt auch pur trinkbarer Malt mit der typischen Aromenausprägung einer Portfassreifung, erhältlich für rund 75 €. Eine tolle Wahl – die vom Publikum goutiert wurde.

Der dritte Whisky des Abends wurde ausgewählt und präsentiert von Fanjoscha ‚Joschie‘ Bieder. Sein Konzept „eine starke Sherryfassreifung mit einem süßen Fruchtpaket“ ging auf – war der von ihm ausgeschenkte Edradour trotz knapp 57 Vol.-% Alkohol seidenweich und pur sowie mit Wasserzugabe ein absoluter Hochgenuss.

Setzte mit einer starken Sherryfassreifung auf Begeisterung im Publikum: Fanjoscha ‚Joschie‘ Bieder

Dabei ließ sich Joschie nicht nehmen, die Wahl der Flasche zu einem Seitenhieb auf die anderen regulars zu erklären – stand er mit seiner Vorliebe für die Destille Edradour doch oftmals in der Runde der ostfriesischen Whiskygenießer allein dar.

Und man muss sagen: der sehr stark fassgeprägte Dram war so gefällig und intensiv, dass weder bei den Gästen noch unter den mitprobierenden anderen regulars andere Regungen als begeistertes, zustimmendes Kopfnicken auszumachen waren. Kostenpunkt der Flasche: 69 €.

Edradour 2009 SV
Ein toller Pick: der 10-jährige Edradour aus dem Sherryfass von Joschie

Als letzter Wettbewerber im großen Whiskywettstreit der regulars stellte sich Seb ‚ted.striker‘ Bley der 25-köpfigen Jury. Schnell ein tartan-gemustertes Jackett übergestreift versuchte Seb im Politiker-Gestus ‚sehr seriös und damit wählbar‘ 😉 auf Stimmenfang im Publikum zu gehen.

Wobei das keine Rolle spielen sollte – lag doch die Entscheidungsgrundlage für die folgende Abstimmung in den Whiskygläsern der Gäste.

Lieferte den letzten Dram der ersten Runde: Seb ‚ted.striker‘ Bley

Seb hatte sich für eine Standardabfüllung aus dem Travel Retail entschiedenen: einen 15-jährigen Glen Garioch. Der würzige, trockene Spirit der Highland-Destille wurde in Fässern aus europäische Eiche, vorbelegt mit ebenfalls nicht übermäßig süßem Oloroso-Sherry, gelagert. Das Ergebnis: ein würziger, breitbandiger Single Malt, der mit einiger Aromenvielfalt ebenfalls keine enttäuschten Gesichter im Publikum hinterließ.

Glen Garioch 15-year-old
Im Idealfall für gut 60 € erhältlich, Sebs erste Wahl für eine dauerhaft erhältliche Flasche der Kategorie ‚bis 100 €‘: der Glen Garioch 15

Als die Gläser geleert und damit vier spannende Whiskies verkostet waren, wurde es Zeit für die erste Abstimmung des Abends: es galt zwei der vier angetretenen regulars ins Finale zu wählen. Stimmzettel wurden ausgeteilt und jeder Gast hatte zwei Stimmen, die wahlweise beide dem persönlichen Favoriten zugesprochen oder auf zwei Bewerber verteilt werden konnten.

Mit der Stimmabgabe wurde die übliche Halbzeitpause eingeläutet – nach einer Viertelstunde sollten die Ergebnisse bekannt gegeben werden.

Die erste ‚Wahlarena‘

Mit großer Spannung erwarteten die zur Wahl Angetretenen als auch die die Wählenden nach der Pause die Ergebnisse. Mit etwas Wahlstatistik wurden alle zuerst weiter auf die Folter gespannt:

Dann jedoch sollten die Ergebnisse endlich verkündet werden:

Mit großem Applaus wurden Oliver und Horst aus dem Wettbewerb verabschiedet. Zwei tolle Whiskies und viel Hingabe in der Präsentation der Beiden hatten zu einem bis dato wirklich tollen Abend viel beigetragen.

Auf zum großen Finale!

Für den Erst- und den Zweitplatzierten ging es nun in die Finalrunde. Hier galt es, einen zweiten Whisky auszuschenken, mit einem Budget von max. 150 € Flaschenpreis.

Den Anfang machte (in alphabetischer Reihenfolge) Joschie, der eine gänzlich andere Art Whisky als in Runde 1 präsentierte.

Strahlte Selbstbewusstsein und Zuversicht für das große Finale aus: Joschie

Ein satte 25 Jahre gereifter Glen Moray aus dem Bourbonfass war Fanjoschas Pick. Abgefüllt mit 48,7% und bei Beschaffung rund 145 € teuer.

Glen Moray 1993 MBl
Eine spannende Wahl: statt dickem Sherry nun eine reine Bourbonfassreifung

Und dieser Whisky lieferte: eine tolle Fruchtmelange, geführt von Melonennoten und eine wunderschöne, bezaubernde Süße sorgte für glänzende Augen im Rund. Schweißperlen zeichneten sich auf der Stirn des Endrundengegners ab: konnte dem etwas Valides entgegengesetzt werden? Joschie moderierte seinen Dram routiniert und souverän an – und konnte sich sicher sein, eine würdige Flasche für die anstehende finale Siegerwahl präsentiert zu haben.

Der letzte Dram des Abends sollte von Seb gereicht werden. Dieser ging ein gewisses Wagnis ein: ist doch bei Weitem nicht jeder Whiskygenießer von rauchigen Abfüllungen zu begeistern, so hatte Seb sich dennoch für einen dezent rauchigen Finaldram entschieden.

Gespannte Gesichter bei der Präsentation des zweiten Finaldrams durch Seb

Mit einem 18-jährigen Longrow, einer Originalabfüllung, schickte Seb eine Perle Cambeltownscher Maltkunst in den Ring: sehr komplex und füllig – wiederum keine Süßigkeit, sondern ein ‚Tieftöner‘ mit einer spürbaren Portion Rauch zur weiteren Stärkung der Komplexität.

Longrow 18-year-old
Sebs Wahl im Finale: die 2018er-Ausgabe des Longrow 18

Auch dieser Dram schien dem Publikum zu gefallen – zustimmendes Kopfnicken war im Rund hier und dort zu erspähen.

Nach dem Leeren der Gläser trat der fleißige Wahlhelfer Matze (Dank an dieser Stelle von uns allen für deinen Einsatz!) erneut in Aktion und teilte Stimmzettel für die zweite Abstimmung des Abends aus. Die 25 Gäste hatten dieses Mal nur eine Stimme – und durften nun den Namen ihres Favoriten zu Papier bringen.

In einer nur kurzen Auszählungspause stieg die Spannung erneut: zwei ganz unterschiedliche, aber beide wirklich großartige Finalwhiskies – welcher würde die Herzen der Mehrzahl der Anwesenden erobert haben?

Die Auflösung

Unvermeidlich: die obligatorische Hinhalte-Statistik sollte vor der eigentlichen Ergebnisbekanntgabe stehen:

Dieses Mal also eine Enthaltung, mithin 24 Stimmen, die auf die zwei Finalisten verteilt werden sollten. Die Auflösung rückte näher.

Schauten mit Spannung dem Ergebnis entgegen: Fanjoscha ‚Joschie‘ Bieder und Seb ‚ted.striker‘ Bley

Als die Zahlen auf der Leinwand erschienen, war das denkbar knappe Ergebnis Spiegelbild des Kopf-an-Kopf-Rennens:

Mit 14 zu 10 Stimmen konnte Seb den Abend und den Wettbewerb für sich – bzw. seine Whiskyauswahl – entscheiden.

Seb bedankte sich bei den Mitteilnehmern wie den Gästen für einen grandios-spaßigen Abend. Noch auf der Bühne wurde einhellig beschlossen: dieses Wettbewerbskonzept war derart reizvoll, dass es definitiv eine Wiederholung finden wird.

Tradition fordert

Wie es mittlerweile gute Tradition ist, sind sechs ausgeschenkte Whiskies nur *fast* genug für einen Tastingabend der regulars – weshalb Seb noch einen ebenfalls eigens ausgewählten Bonusdram hervorzauberte.

Da es nun nichts mehr zu gewinnen galt und auch ein riskanterer bzw. polarisierender Whisky kein Problem darstellen sollte, hatte Seb für den Bonusdram als Flasche der Kategorie ‚bis 200 €‘ einen zehnjährigen Octomore mitgebracht:

Octomore 10-year-old διάλογος
10 Jahre, SEHR viel Rauch, ein Ausbau im Portfass: der Octomore ‚Dialogos‘

Die Gelegenheit, mal einen wirklich arg rauchigen Islay-Malt zu probieren, wollte sich keiner der Gäste entgehen lassen und genoss damit noch einen Schluck zur Feier des Wettbewerbssieges von Seb – wobei dieser Malt mit Sicherheit im Wettbewerb selbst keine kluge Wahl dargestellt hätte … 🙂

Die ‚Post Show

Ebenfalls lieb gewordene Tradition am Ende eines regulars-Tastingabends ist eine Vorschau auf das kommende Tasting im Februar (in diesem Fall einem Raritätentasting mit dem Berliner Szene-Urgestein Bert ‚macwhisky‘ Hellige).

Und danach laden wir stets ein, nach Tastingende noch etwas Zeit im gemütlichen Miteinander zu verbringen. Und falls noch jemand einen Tropfen dazu ins Glas bekommen möchte, stehen drei Post-Show-Flaschen parat. Diese waren in diesem Fall allesamt von anderen regulars beigesteuert worden:

Arran 1998 Cold, Cold Winter
Ein leckeres Private Cask von Arran, gestellt von Wolfgang ‚Zwolle‘ Coordes aus Leerhafe
Highland Park 14-year-old
Eine Distillery-Exclusive-Abfüllung von Highland Park – mit RICHTIG viel Schwefel. Ein Spaltpilz, der das Probieren lohnte, gestellt von René ‚Eneloop2009‘ Lüpges aus Ludwidgshafen
As We Get It NAS IM
Und ein krasser Islay-Raucher: ein ‚As we get it‘ mit über 61 Vol.-% Alkohol, gestellt von Stefan ‚saw‘ Wilken aus Leer

Sehr zu unserer Freude blieben die meisten Gäste noch bei uns und ließen in angenehmen Gesprächen den Abend ausklingen, bis um Mitternacht das WUZ seine Türen schließen sollte.

Wir vier im Wettbewerb angetretenen regulars hatten einen wirklich großartigen Abend – Dank allen Gästen für die tolle Stimmung und Atmosphäre!

„Das wird wiederholt!“ – so die einhellige Meinung der Teilnehmer des Whiskywettstreits
(v.l.n.r.: Seb, Joschie, Horst, Oliver)

Lasst es Euch gut gehen, habt schöne Feiertage und einen tollen Jahreswechsel – wir sehen uns im Februar zum Raritätentasting!
Eure regulars

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