Stammrundentastings

67. regulars-Treffen

8. November 2019, »Zehn Raucher«, bei ted.striker in Leer

Moin ihr,
im tiefen Herbst bei kühlen Temperaturen ist Whisky eine äußerst feine Sache. Wie Whisky in jeder Jahreszeit und bei jedweden Temperaturen eine äußerst feine Sache ist. Gerade rauchige Whiskies jedoch haben für die meisten Genießer ihre Hochzeit außerhalb der heißen Monate.

Bei nur noch drei Grad Außentemperatur herrschten gestern Abend ideale Verhältnisse, um sich ein paar rauchigen Abfüllungen zu widmen. Seb hatte zum Stammrundentasting nach Leer eingeladen, um sich erst ein paar Tassen Tee und dann einem Vertikaltasting mit Abfüllungen der Glengyle-Brennerei zu widmen.

Bevor für das angetretene Viererründchen der Par­force­ritt durch satte zehn Fassstärken beginnen konnte, wurde noch an der Teetafel sitzend ein kleines Extra ausgeschenkt: whisho hatte den brandneuen Christmas Malt 2019 von Scoma im Gepäck.

Christmas Malt 2019 Gs

Der brauchte etwas Wasser, dann jedoch packte die Madeira-Vollreifung mit wunderbarer Puddingnase schön cremig aus, was sie zu bieten hatte. Sehr schön!

Nachdem die Teekanne geleert war, sollten die Spiele beginnen.

Notenblätter wurden aufgelegt, Hände gespreizt. Finger legten sich auf Klaviaturen, Rücken streckten sich durch. Noch ein kurzer Moment, ein ganz kleines Einatmen zum Aufbau von Körperspannung. Und los.

Foto (unverändert): Luciano Signorelli, Lizenz: CC BY-NC-ND 2.0

Mit einem achtjährigen Kilkerran CS floss ein veritabler Starter in die Gläser.

Kilkerran 08-year-old

Keine übertriebene Süße, viel Potenzial zum Verdünnen durch die hohe Alkoholstärke – ein tolles Teil.

Mit der letzten Ausgabe des „Work in Progress“ von Kilkerran ging es weiter. Diese Reihe erschien, bevor nach der Brennereieröffnung in 2004 die heutige Standardabfüllung mit 12 Jahren Alter zur Verfügung stand.

Kilkerran Work in Progress

Dieser letzte WIP stammte aus Bourbonfässern und brachte mit seinen geschätzt 10-11 Jahren Alter ebenfalls Freude ins Glas.

Dram Nummer Drei sollte eine ganz spezielle Abfüllung werden: für vor Ort in Campbeltown gegebene Warehouse Tastings bei der Glengyle-Inhaberin Cadenhead war ein 12-jähriges Bourbonfass als Single Cask abgefüllt worden.

Kilkerran 2006 CA

Ebenfalls superlecker – Dank geht an Eneloop2009 für das Mitbringen dieser feinen Flasche aus Schottland!

Eine vierte und letzte Bourbonfass-basierte Abfüllung stand noch an: mit satten 15 Jahren war in diesem Jahr der bisher älteste Kilkerran für den „Open Day“, dem Tag der offenen Brennerei, erschienen.

Kilkerran 15-year-old

Ein traumhaft-fülliges Aromenprofil, filigran, einfach betörend. Der Open Day ging aus dem Quartett der Bourbon-Kilkerrans aus unserer Sicht klar als Sieger hervor.

Bei Glengyle wird in vielen Fassarten gereift – Dram Nummer Fünf stammte aus einem Rumfass.

Kilkerran 2006 CA

Das Profil des Rums und der leicht rauchige Kilkerran-Spirit harmonierten extrem gut miteinander – auf Rum-Kilkerrans gilt es in Zukunft ein Auge zu legen.

Nach fünf Drams wurde es Zeit für eine Pause, eine Stärkung zur Gaumenneutralisierung war geboten.

Gastgeber Seb hatte kurz zuvor einen Kurzurlaub auf der niederländischen Insel Ameland verbracht – wo (wie vielerorts in den Niederlanden) extrem guter Käse hergestellt wurde. Mit viel Disziplin hatte Seb zwei Mitbringsel der Kaasboerderij Ameland aufgespart, die nun zum Einsatz kamen: neben einem schnittfesten neunmonatigen Noord-Hollandse Gouda galt es an den beiden Ameländern kräftig zu hobeln:

35+ Monate (links) sowie 54 Monate alter Boerenkaas.

Hart, spröde und mit Milchzuckerkristallen durchsetzt kamen die salzigen und aromenintensiven Spezialitäten daher. Der 35+-monatige wirkte wie die aromatische Fortsetzung eines Old Amsterdam, der viereinhalbjährige jedoch stieß mit seiner starken Milchsäure als extremer Vertreter, der geschmacklich meilenweit von Supermarktware entfernt ist, auf geteilte Begeisterung – ein echter love-it-or-leave-it-Käse.

Immerhin: nach ein paar Scheiben Brot und den aromatischen Belägen fühlte sich das Grüppchen bestens gerüstet, um einen weiteren Schwung Whisky zu verkosten.

Es sollten nun eher selten zur Whiskyreifung eingesetzte Fasstypen probiert werden, beginnend mit einem Marsala Single Cask.

Kilkerran 2004

Auf dieses folgte ein Calvados Single Cask.

Kilkerran 2006

Vervollständigt wurde das Trio von einem Barolo Wine Cask.

Kilkerran 2007

Alle drei Abfüllungen waren stark fassgeprägt: intensiv, vollmundig und absolut lecker. Wie schon bei den vorherigen Drams zeigte sich, dass die Kilkerrans durch die Bank weg exzellente Schwimmer waren und Wasserzugabe perfekt vertrugen. Mit den Drams ließ sich so prima spielen. Die Nase vorn in diesem Trio hatte das Calvadosfass.

Was fehlte noch? Natürlich eine Sherryfassreifung!

Welch glücklicher Umstand, dass Glengyle in seiner Reihe achtjähriger CS-Abfüllungen nichtmal einen Monat vor unserem Tastingabend ein Oloroso-Sherryfass-gereiftes neues Bottling abgefüllt hatte.

Noch glücklicher war der Umstand, dass dieses seinen Weg aus Schottland nach Bayern und von dort in Form eines Samples termingerecht zu uns nach Ostfriesland gefunden hatte, um den brandneuen Stoff verkosten zu können. Tausend Dank für die Blitzabwicklung geht an unseren Flaschenteiler Zinni!

Kilkerran 08-year-old

Und die Abfüllung hatte es in sich: ein megamegamegaleckerer Sherrydram, der uns vor allem leicht gewässert die Freudentränen in die Augenwinkel trieb. Ein Blick ins Netz zeigte, dass der eben erst erschienene Malt sogar noch verfügbar war, bei einem für die Qualität mehr als vertretbaren Flaschenpreis von unter 60 €.

Ein paar Blicke wurden getauscht, Köpfe nickten, eine Bestellung wurde getätigt 🙂

Was sollte nach so einem Lineup (und nach neun verkosteten Whiskies) noch folgen?

Ein finaler Paukenschlag! Glengyle hatte eine stärker getorfte Abfüllung, den „Heavily Peated“ herausgebracht. Dessen erstes Batch sollte unser letzter Whisky des Abends sein.

Kilkerran Heavily Peated

Spürbar jung, jedoch ohne metallische Fehlnoten, schön buttrig-popcornesk und auch ein absoluter Genuss. Ein schöner Schlussakkord.

Naja, wobei: der Begriff Schlussakkord wäre verfehlt.

Es wurde noch geplauscht und mit einem kleinen Schluck Nobeltje floss noch eine weitere Reminiszenz an Sebs kürzlichen Ameland-Aufenthalt in den Abend ein. Und in die Gläser.

Und damit sollte dann unser 67. Stammrundentasting enden – Spaß hat’s gemacht, lecker war’s. Im Januar geht’s weiter!

Damit ein schönes Wochenende Euch,
Seb

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