Messe- & Veranstaltungsbesuche

Höhenfeuerwerk

26. Oktober 2019, auf der Aquavitae in Mülheim an der Ruhr 

Moin ihr,
es hatte 17 Grad Celsius, es war durchgehend trocken: das Herbstwetter in Mülheim war gestern eine Reise wert. Allzumal, da die 14. Aquavitae über die Bühne ging.

Nach unspektakulärer Anfahrt füllte sich um kurz vor Elf eine Mülheimer Innenstadt-Bäckerei mit auf verschiedenen Wegen und Weisen angereisten Ostfriesen und deren Freunden: Klaus, Malt-Rafa, jbl, ted.striker, whisho, yggr sowie begleitet von zwei Freunden Zwolle gaben sich einer Stärkung hin und sahen freudig der Messe, die zugleich unser 66. regulars-Treffen markieren sollte, entgegen. Auf dem anschließenden Weg zur Stadthalle fiel uns die augenscheinlich für Whiskyliebhaber ausgelegte neue Beschilderung positiv ins Auge:

Was bitte ist der Weg zu einer Whiskymesse, wenn nicht ein Pilgerweg?

An der Halle angekommen, stieß noch Leorin zu uns. Nun galt es, sich in eine fürchterlich lange Schlange vor dem Eingang einzureihen. Wobei ein Teil von uns extrasmart sein wollte und den Expresseingang für Besucher des ersten Tastings an diesem Tag missbrauchen wollte, um die lange Schlange zu umgehen. Das hatte leider keinen Erfolg, wir wurden freundlich wieder an die Luft gesetzt und reihten uns in die weiter angewachsene Langschlange ein.

Naja, die floss fix ins Gebäude und nach 10 Minuten waren wir auf der Messe. Fix ein Tastingglas gegriffen, sich gegenseitig einen schönen Tag gewünscht und erstmal in kleinen Grüppchen das eine oder andere to-do auf den persönlichen Listen abgehakt.

Ich selbst hatte zwei Drams bei Adelphi auf dem Zettel, sodass mein erster Weg dorthin führte. Ein First Fill Sherry Benrinnes sollte mein erster Starter für diesen Tag sein.

Benrinnes 2006 AD

Viel Süße, keinerlei Schwefel, aber dann leider zu stromlinienförmig und unspektakulär, um sich in diesen Dram zu verlieben.

Ein weiterer Sherrydrücker fand sich: ein 12-jähriger Teaninich. Nicht auf der süßen, sondern geschmacklich schön auf der würzigen Seite angelegt – der war schon mehr mein Fall.

Teaninich 2007 AD

Leider kam ich ihm nicht ganz auf die Schliche und konnte die Aromen nicht wirklich differenzieren – sodass ich mit einem „ganz nett, aber auch kein Sternchen“ mein Glas leerte. Ein böser Fehler, wie ich später noch feststellen sollte …

Auf meiner Wunschliste stand noch ein neuer, 25-jähriger Bowmore, den das gute Team von Rolf Kaspar im Gepäck hatte.

Bowmore 1994 AD

Leider arg verschwefelt, das Refill-Sherry-Fass. In der Nase störender Schwefel, am Gaumen dominanter Schwefel – lediglich der Abgang war wohl und ausgewogen. Schade, in den hatte ich große Hoffnungen gesetzt.

Der Trupp bestehend aus einem Teil von uns regulars, der sich mittlerweile am Kaspar-Stand gesammelt hatte, wanderte hinüber in die Rotunde: am Stand des Cutty-Forums moin sagen, Platz nehmen und erstmal schauen, was so aus dem Tag zu machen wäre …

Und im kleinen Ründchen wurde aus dem Tag sehr schnell sehr viel 🙂
Mit Verschwörermiene schenkte Leorin einen Oberknaller aus, der sich als alter Brora entpuppte.

Brora 6th Release

Ein geniales Teil! whisho ließ sich ebenfalls nicht lange zum Tanz bitten und brachte mein Herz zum Schmelzen mit einem alten Dailuaine.

Dailuaine 1975 FC

Donnerwetter! Passgenau liefen uns mit Gérard und Pascale zwei Freunde entgegen, die vorbestellte Samples für mich in der Tasche hatten. Prima!

Also nicht lange gefackelt und einen 1960er Glen Grant geöffnet und verteilt:

Glen Grant 1960 GM

Himmel, was für ein geniales altes Sherrybrett. Wo das herkam, war noch mehr: ein Highland Park, ebenfalls aus 1960 machte noch die Runde:

Highland Park 1960

Im Freudendelirium saßen wir in gemütlicher kleiner Runde beisammen. Uns allen war klar: damit war die Messe kaputt. Was an den Ständen (von ein, zwei Raritätenhändler abgesehen) so ausgeschenkt wurde, konnte nur schwerlich mit den Höhenfeuerwerken, derer wir teilhaftig wurden, mithalten. Wie sollte der Messetag denn nun weitergehen?

Mit kundalini stieß ein weiterer guter Freund zu uns und tröstete mit einem traumhaften Aberlour aus den 1960er. Heiland!

Aberlour 08-year-old

Es folgte aus selbiger Quelle ein altes Ferkel – ebenfalls ein Traumdram:

Glenfarclas 15-year-old

Nach dem Genuss eben dieses Drams stand auf einmal Megadet vor mir und hielt mir einen Sherrydram entgegen. Ich roch, war angetan, probierte, war hin und weg. Das war kein altes Zeug, aber ein top Whisky mit viel Sherry. Und was stellte sich heraus? Es war der Adelphi Teaninich vom Messebeginn – nur mit anständiger Wasserzugabe. Meine Herren, packte das Teil auf einmal Qualität aus. Der überzeugte mich derart, dass ich mal kurz zum Kaspar-Stand verschwand und mir davon eine Flasche sicherte …

Wieder zurück in der Rotunde kramte whisho in seinem Rucksack und förderte einen weiteren alten Dailuaine zutage – ein sagenhafter Schlussakkord für eine Session mit Whiskies vom anderen Stern.

Dailuaine 1971 GM

Puh, wenigstens ein paar Schritte wollten danach gegangen werden: wir verteilten uns, ich für meinen Teil freute mich, Smösch und Marco Bonn am Stand des Brühler Whiskyhauses zu treffen. Umso mehr, da die beiden eine Raritenecke aufgebaut hatten – Marcos Tipp folgend, schnappte ich mir von dort einen 1977er Glenisla.

Glenisla 1977 SV

Da das gute Stück Zeit brauchte, um seine brachial fruchtige Nase auszubreiten, nutzten ein paar von uns die Gelegenheit, sich schnell zu einer Mittagspause zu absentieren – war es doch mittlerweile schon 14.00 Uhr und das Eine oder Andere hatte man intus.

Da das Cateringangebot uns in diesem Jahr nicht so zusagte, taten wir ein tolles kleines Café auf, in dem zwischen vegtarischer Quiche und Wiener Schnitten von warm und herzhaft bis kalt und süß exzellent für uns gesorgt wurde. Danach taperten wir fröhlich zur Stadthalle zurück und begaben uns erneut in die Rotunde.

Auf das nun Folgende hatten wir uns lange gefreut: hatten wir regulars doch nun zum dritten Mal am „Whisky Cup“ der Cutty Sark Scots Whisky Community teilgenommen und fieberten nach Monaten des Wartens auf die Ergebnisbekanntgabe hin, die um 15.15 Uhr auf eben dieser Aquavitae über die Bühne gehen sollte.

Leorin beruhigte uns vor dem Start der Bekanntgabe noch mit einem Rare Malts Inchgower.

Inchgower 1974

Dann legten die Ausrichtenden und Vorjahressieger aus dem Allgäu, „D‘ Allgaier Whisky Grint“, mit der Bekanntgabe los.

Eine vorsichtige Vermutung, gestützt auf löchrige Vorabinformationen ließ mich hoffen, irgendwo zwischen Platz 5 und 8 landen zu können – unseren Vorjahreserfolg, den 5. Platz, wiederholen zu können, hielt ich jedoch schon für relativ unwahrscheinlich.

Umso genialer war der Moment, als unser Teamname nicht bei der Verkündung von Platz 8, 7 und 6 fiel – sondern wir tatsächlich erneut Platz 5 belegt hatten – dazu noch punktgleich mit den Vierten!

whisho nahm für uns eine hübsche Urkunde als Erinnerung entgegen und wir waren unisono mehr als glücklich über diesen Erfolg.

Nahm die Ehrung für unseren 5. Platz im Whisky Cup entgegen: whisho.
Foto: © Ralf Hoffmann

Mit vielen guten Gesprächen unter den zur Siegerehrung und danach zahlreichst in der Rotunde versammelten Maltverrückten floss die Zeit weiter dahin.

Vom Cadenhead-Stand besorgte ich mir den neuen 20-jährigen Blend – für einen Flaschenpreis unter 60 € wirklich schön ausgewogen und lecker!

William Cadenhead 20-year-old CA

In einem weiteren Ministreifzug schaute ich noch beim Stand von Maltstock (Beitrag über unseren diesjährigen Besuch dort) vorbei und staubte einen zweiten Dram des genialen, schon vor Ort probieren Teaninich für den US-Abfüller Single Cask Nation ab:

Teaninich 2005 JWC

Zudem erfuhr ich im Gespräch mit Tom Skowronek von Anam na-h Alba eine Neuigkeit, die mir das Herz aufgehen ließ: die eigentlich totgesagte „Just Whisky“ Oberhausen wird in 2020 doch fortgesetzt. Yes!

Auf einen ganz messeuntypischen Tag in Biergartenatmosphäre (Beitrag über unseren diesjährigen Besuch dort) darf man sich also nun fast ein Dreivierteljahr freuen – genial!

Zurück in der Rotunde gab’s dann noch vom Cutty-Stand eine alte Version des Laphroag Triple Wood ins Glas – in meinen Augen ein bis heute nie zu verachtender schöner Islay-Standard.

Laphroaig Triple Wood

kundalini kreuzte noch einmal meinen Weg und musste nochmal hoch schießen: mit einem alten 21-jährigen Glenfarclas.

Glenfarclas 21-year-old

Danke Olli, das war wieder unfassbar genial!

whisho legte einen dritten und letzten alten Dailuaine nach – was mir als starkem Liebhaber der Destille den Tag dann final abrundete.

Dailuaine 1971 GM

Es wurde langsam Zeit zum Aufbruch – doch halt, einer musste noch sein: jbl hatte sich bei Raritätenfuchs Michiel mit tüchtig leckerem Macallan eingedeckt und so setzte ein Replica 1874 einen würdigen Schlusspunkt hinter einen Tag voll traumhafter Drams.

Macallan Replica 1874

Wir verabschiedeten uns voneinander – und bei der großen Schlussrunde war das schönste Gefühl, eigentlich mit jedem neuen oder alten Freund einen Termin für ein Wiedersehen vor Augen zu haben.

Man sieht sich – ob auf der nächsten Messe oder bei anderer Gelegenheit:
schön, dass es Euch alle gibt! Und noch schöner, so viele Stunden und Drams mit Euch teilen zu können.

Danke Mülheim, auf bald ihr alle,
Seb

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