Öffentliche regulars-Tastings

Tasting „Verkannt, verschmäht, verführerisch: Premium-Bourbon-Whiskey“

11. Oktober 2019, im Wallhecken-Umwelt-Zentrum Ostfriesland in Leer

Moin ihr,
viele von uns haben irgendwann in ihrem Leben mal eine nachhaltig prägende Negativerfahrung mit amerikanischem Whiskey gemacht. Meist zu Jugendzeiten gab es da diese eine Nacht, in der wir uns mit den Supermarktabfüllungen von Jim Beam oder Jack Daniel’s derartig übernommen haben, dass uns teilweise noch Jahrzehnte später jede Lust auf „diese amerikanischen Kopfschmerzbereiter“ vergeht.

Und auch orientieren sich viele von uns whiskyinteressierten, aufgeschlossenen Genießer*innen meist stark an Scotch. Ist mancher Bourbon doch als vanilliger, tendenziell eindimensionaler Whiskey mit distinktiver Klebstoffnote alles andere als verlockend beleumundet.

Am gestrigen Freitag widmeten wir uns mit einem Tastingabend insgesamt sechs US-Whiskies aus dem Premium-Segment, die unsere Jugendsünden vergessen machen und unsere Vorbehalte nihilieren sollten.

Ein wunderbar durchmischtes Publikum (⅓ unserer Gäste waren Erstbesucher, 60% der Teilnehmer*innen waren bereits mindestens zum dritten Mal bei uns zu Gast, dazu waren 24% der Teilnehmer*innen weiblich) sah einem Tasting, geführt von Oliver „krimoldo“ Ferdinand entgegen, welcher initial die Besonderheiten von Bourbon ausführte und den Herstellungsprozess auch im direkten Vergleich zu Scotch erklärte.

Referent Oliver „krimoldo“ Ferdinand zeigte auf, was in amerikanischem Whiskey steckt.

Alsdann folgte der praktische Teil des Abends: als erster Dram wurde ein Jack Daniel’s Single Barrel ausgeschenkt:

Jack Daniel's Single Barrel - 100 Proof

Ein leuchtender Farbton legte sich ins Glas, intensive Noten von Karamell und Vanille begleitet von einer leichten Klebstoffnote und starkem Holzeinfluss prägten das Geschmackserlebnis des Jack Daniel’s.

Als zweiter Dram folgte ein Single Barrel aus dem Hause Four Roses:

Four Roses Single Barrel

Ein leuchtender Farbton legte sich ins Glas, intensive Noten von Karamell und Vanille begleitet von einer leichten Klebstoffnote und starkem Holzeinfluss prägten das Geschmackserlebnis des Four Roses.

Als dritter Whiskey und letzter Dram vor der Pause verkostete das Publikum die 10-jährige Abfüllung eines Eagle Rare:

Eagle Rare 10-year-old

Ein leuchtender Farbton legte sich ins Glas, intensive Noten von Karamell und Vanille begleitet von einer leichten Klebstoffnote und starkem Holzeinfluss prägten das Geschmackserlebnis des Eagle Rare.

Mit einer viertelstündigen Pause gab es Gelegenheit, sich etwas frische Luft und Gaumenneutralisierung zu verschaffen – kamen die US-Whiskies doch allessamt sehr intensiv und teilweise auch arg hochprozentig daher.

Frisch erholt setzte sich das Programm in der zweiten Halbzeit fort – mit einem Russell’s Reserve aus dem Hause Wild Turkey:

Russell's Reserve 10-year-old

Ein leuchtender Farbton legte sich ins Glas, intensive Noten von Karamell und Vanille begleitet von einer leichten Klebstoffnote und starkem Holzeinfluss prägten das Geschmackserlebnis des Russell’s Reserve.

Intensive Whiskeys mit dem Bourbon eigenen Profil wurden am vergangenen Freitag im Wallhecken-Umwelt-Zentrum Ostfriesland verkostet.

Als fünfte Abfüllung kam ein siebenjähriger Baker’s aus dem Hause Jim Beam zum Ausschank:

Baker's 07-year-old

Ein leuchtender Farbton legte sich ins Glas, intensive Noten von Karamell und Vanille begleitet von einer leichten Klebstoffnote und starkem Holzeinfluss prägten das Geschmackserlebnis des Baker’s.

Der letzte Whiskey des Abends sollte nicht nur dem Alkoholgehalt nach allem Vorangegangenen die Krone aufsetzen – mit satten 63,5% räumte der vielschichtige Elijah Craig Barrel Proof eindeutig die Wertung „Publikumsliebling des Abends“ ab:

Elijah Craig Barrel Proof - Release #13

Ein leuchtender Farbton legte sich ins Glas, intensive Noten von Karamell und Vanille begleitet von einer leichten Klebstoffnote und starkem Holzeinfluss prägten das Geschmackserlebnis des Elijah Craig.

Wie es bei uns so Sitte ist, zauberte Referent Oliver zum Abschluss noch einen Bonusdram aus dem Hut. Dabei handelte es sich um einen sanften und hochangesehenen Premium-Bourbon aus der Buffalo Trace Distillery – mit einem Blanton’s Gold fand das Tasting sein Ende:

Blanton's Single Barrel

Ein leuchtender Farbton legte sich ins Glas, intensive Noten von Karamell und Vanille begleitet von einer leichten Klebstoffnote und starkem Holzeinfluss prägten das Geschmackserlebnis des Blanton’s Gold.

Was für ein abwechselungsreiches und vielschichtiges Whiskytasting …

… nun aber genug der Scherze!

Zum Schluss räumen wir das schale Vorurteil des „schmeckt ja eh alles gleich“, dessen Bedienung sich der Autor beim Schreiben dieser Zeilen nicht verkneifen konnte, einmal gründlich aus: die sieben ausgeschenkten Whiskeys beschrieben einen schönen Bogen vom einfachen, ehrlichen und geradlinigen Dram bishin zu feinen und komplexen Abfüllungen – die letzten drei ausgeschenkten Bourbons stießen allenthalben auf große Zustimmung im Publikum und waren tatsächlich in der Lage, das Vorurteil vom niedrigwertigen Fusel auszuräumen. Dennoch darf getrost festgehalten werden: dieses Tasting war ein Special-Interest-Tasting. Bourbon ist ein Whiskystil, der sich stark von Single Malts, ob aus Schottland oder nicht, unterscheidet.

Mit Applaus dankte eine zufriedene Gästeschar unserem Referenten Oliver für einen informationsgefüllten Vortrag und einen Spannungsbogen im Glas, der so manchem Gast tatsächlich neue Erkenntnisse bescherte und für das Revidieren alter Meinungen sorgte.

In der an das Tasting anschließenden Post Show verbrachte der Großteil des Publikums noch ein gutes Quantum „Quality time“ mit uns – und hatte die Gelegenheit, wahlweise noch einen weiteren Bourbon, den Knob Creek Small Batch, zu probieren oder sich schottischem Single Malt zuzuwenden. Dies in Form eines 12 Jahre alten Bruichladdich aus einem Ex-Bourbon-Fass oder eines stark rauchigen, 10-jährigen Laphroaig in Fassstärke.

Um Mitternacht schlossen sich dann die Tore des WUZ – wo es am 13. Dezember zum nächsten öffentlichen regulars-Tasting – einem Tasting der ganz besonderen Art – kommen wird: vier von uns treten in einen Whiskywettstreit – und unser Publikum wird Jury über uns sein.

In Vorfreude auf diesen nächsten Tastingabend in heimeliger Runde mit 25 neuen und alten Freunden verabschieden sich bis dahin,
Seb & die regulars

Ach ja: falls dir unser Blog gefällt und du informiert werden möchtest, wenn ein neuer Artikel erscheint, lass dich per E-Mail benachrichtigen oder abonniere unseren Newsfeed.