Stammrundentastings

65. regulars-Treffen

21. September 2019, »Gut ist gut«, bei Joschie in Leer

Moin ihr,
Stammrundentastingzeit ist die beste Zeit – so auch gestern. Fünf Freunde (nicht die fünf Freude, aber ihr wisst schon), ein paar Tassen Tee und dann das, was richtig glücklich macht: guter Whisky.

Gastgeber Joschie tischte fröhlich auf: mit einem 10-jährigen Glen Moray für Claxton starteten wir traumhaft in den Abend. Wirklich ausnehmend gut gereifte Bourbonfässer machen Spaß ohne Ende – dieser hier fiel zweifellos in diese Gattung.

Glen Moray 2007 Cl

Einen Deanston ins Glas zu bekommen, ist bei Joschie mindestens so obligatorisch wie der Tee vorab – und so durfte ein wirklich schöner PX-Deanston von 10 Jahren, eine Originalabfüllung von 2016, als zweiter Dram Freude spenden.

Deanston 10-year-old

Moment! Horst fiel etwas ein. Kurz in der Tasche grabend beförderte er ein Sample zutage und goss uns zum Probieren ein. „Nicht so der Brenner, oder? Ist in Holdorf auf ’nem Spitzentasting komplett durchgefallen.“ Wir probieren, sind wirklich nur mäßig angetan. Und Horst löst auf: das war ein 21-jähriger Springer. Ha! Der war als solcher wirklich nicht zu erkennen – und geschmacklich tatsächlich nicht die hellste Kerze auf der Torte. Sachen gibt’s …

Springbank 21-year-old

Doch zurück zum Thema: bei Dram № 3 sollte sich sich um einen weiteren Deanston handeln – dieses Mal jedoch um eine ganz frisch erschienene Abfüllung mit Port Finish.

Deanston 2009 VM

Auf die Portschiene eingebogen sollte der letzte Dram vor der Pause ein Glenallachie selbiger Fassprovinienz sein – ein wirklich feines Teil!

Glenallachie 2008

Puh. 54, 54, 54 und 57%. Das schrie nach Verschnaufen und Stärkung – und dafür hatte Joschie Käsesuppe mit Fladenbrot am Start. Beides schmeckte vorzüglich – und machte uns bereit für den zweiten Teil des Abends.

Diesen läutete ein Ire von 16 Jahren ein: fruchtig mit schöner Holzportion – es blieb ein Abend ohne Enttäuschungen.

Irish Single Malt 2001 WD

Und dann wurde auf einmal ganz hoch geschossen: mit einer Cadenhead’s-Clubabfüllung von 22 Jahren bezauberte uns ein Glenrothes, der nach dem Wegschnüffeln von etwas Schwefel und nach Zugabe von etwas Wasser derart cremig und genial texturiert daher kam, dass er definitiv zu einem der Highlights des Abends avancierte.

Glenrothes 1996 CA

Joschie hatte tief gegraben: und einen 2015 erschienenen, 24 Jahre alten Ben Nevis für Glenscoma gehoben. Was für ein Schatz! Supervielseitig, in Wellen von schrägen Früchten zu Holz zu mehr schrägen Früchten zu einer zweiten Lage Holz durch den Gaumen ziehend. Kein einfacher Dram, aber genau das, womit man sich gern mehrere Male in aller Ruhe beschäftigt, um es zu dekonstruieren – ein extrem vielschichtiger Hochgenuss. Dank dem Gastgeber!

Ben Nevis 1990 Gs

Und dann hatten wir alle zwar in Joschie Terminkalender nicht übersehen, dass er in letzter Zeit definitiv nicht zum Warehouse Tasting bei Cadenhead gereist war – dennoch hatte er uns einen 12-jährigen Kilkerran der Warehouse-Tasting-Reihe aus dem schönen Campbeltown organisiert.

In der Nase sehr gefällig, der machte Lust aufs Probiertwerden. Ohne jedoch zu viel von sich zu verraten. Und mit nur ganz dezenter Rauchnote. Im Mund ging’s dann jedoch ab: ein prima gereiftes Bourbonfass (da schloss sich der Kreis in Hinblick auf den ersten Dram des Abends), das jedoch im Abgang auf einmal Rauch nachschob, welcher sich in der Intensität vorher nicht angekündigt hatte. Geiler Stoff, wow!

Kilkerran 2006 CA

Mit acht wirklich ausnehmend schönen Whiskies im Glas und nach ein paar Stunden angeregter Gespräche kam ein Tasting mit lauter fassstarken Malts an sein Ende. Doch wie das so ist, wenn man auch nach dem letzten Dram noch klönend beieinander sitzt: manchmal muss noch ein Drüppje dazu.

„Post Show“ nach dem Tasting:

Mitgast Matze verabreichte uns einen Mortlach. Endlich eine Trinkstärke, quasi zum abklingen. Ein gediegener, schöner Standard mit Kräutertönen:

Mortlach 16-year-old

Ein alter Orcadian tauchte ebenfalls noch auf: ein Standard aus alter Zeit, den man wirklich vermissen kann – ein toller Dram.

Scapa 16-year-old

Und zum guten Schluss entspann sich eine Diskussion über aktuelle Hypeflaschen, die vom Probieren des neuen Laphi 16 sowie dem ebenso neuen Ardbeg 19 begleitet wurde.

Laphroaig 16-year-old
Ardbeg Traigh Bhan

Jau. Und dann gab’s wirklich niemanden mehr am Tisch, dem es noch an Whisky gefehlt hätte. Dank an Joschie für die großartigen Abfüllungen und schönen Stunden. Und für das federstrichartige Beenden einer ausufernden Qualitätsdiskussion ganz am Ende durch das schlichte Votum „Gut“ für den Ardbeg, vervollkommnet durch die zusätzliche Feststellung „Gut ist gut!“ zum Nihilieren sämtlicher Preisleistungsbedenken anderer Mitdiskutanten. 🙂

Und da es neben gut dann auch gut gewesen war, fand ein toller Whiskyabend der regulars-Stammrunde damit sein Ende – und die Vorfreude auf den nächsten begleitet uns bis zum November …

Bis dahin,
Eure regulars

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