Messe- & Veranstaltungsbesuche

Importanter

27. April 2019, auf der Whisky Fair in Limburg an der Lahn

Moin ihr,
Ende April – Zeit für den größten und trubelreichsten Treff vieler Whiskyfreunde: die alljährliche Whisky Fair in Limburg.

Um den sich drängelnden Massen in einer völlig überfüllten Halle am Messesamstag möglichst viel Entspanntheit entgegenzusetzen, war ich in diesem Jahr bereits am Freitag angereist. Mein Weg führte mich nach Koblenz zu Malt-Rafa, der Obdach und Begleitung für das größte deutsche Whiskyhappening stellte.

Wir fuhren am Samstagmorgen per Bahn von Koblenz nach Limburg, wo wir in etwas regengrauer Kulisse nach kurzem Fußmarsch praktischerweise 30 Minuten vor dem Messebeginn um 11.00 Uhr auf der rückwärtigen Seite der Josef-Kohlmaier-Halle am hinteren „Zelteingang” landeten.

Nur dezent behinweist: der Zelteingang zur Whisky Fair.

Dort hatte sich (ganz im Gegensatz zur Vorderseite) noch kaum eine Schlange gebildet, sodass wir bei der Öffnung um 11.00 Uhr direkt ins Whisky-Mekka strömen konnten. Yay!

Auf geht’s!

Unser erster Weg führte uns zum Stand von Maltbarn, wo wir mit einem brandneuen 1989er Iren den Tag einläuteten.

Ireland 1989 MBa

Schöne Frucht in einem tollen Verlauf mit einem Boden aus Lorbeer und Holz – ein toller Starter!

Dram Nummer Zwo folgte direktemang hinterher: irgendwo hatte Maltbarn-Inhaber Martin Diekmann noch einen 1975er Speysider aufgetrieben: nur 56 Flaschen zwar, aber hier stand er vor uns. Den ließen wir uns natürlich nicht entgehen.

Speyside 1975 MBa

Was für ein Knaller! Frucht satt, getragen von einer unglaublich tollen Säure, die die Früchte begleitete. Ein endloser Abgang dazu – ein Traum von einem Whisky.

Wir bedankten uns bei Martin und zogen weiter zu The Whisky Agency. Dort waren ebenfalls ein paar spannende Abfüllungen zu erwarten. Direkt vor dem Stand fing uns jedoch erstmal Dino Mancarella ab und wir durften seine aktuelle Eigenabfüllung, einen Littlemill, in die Gläser nehmen.

Littlemill 1992 Ma

Ein reell toller Lowlander, besten Dank! Nun zur Agency? Nö. Dino hatte zwei spaßige Luxemburger (oder Luxenbuger? Luxembourger gar?) im Schlepptau, die uns einen supermegagenialen Springbank überhalfen:

Springbank 2001

Ein Port Hogshead, das Schwefel mitbrachte – welcher sich hier jedoch perfekt integrierte und zum Geschmackserlebnis beitrug, anstatt es zu stören. Supersüffig, superlecker!

Wie sollte der Tag weitergehen, wenn wir uns zum Start schon durchweg auf so hohem Genusslevel bewegten?

Schnell zur Agency und dort auf ein weiteres Highlight angelegt: einen 1981er Lochside.

Lochside 1981 TWA

Großartig. Hammer! Jedoch mit 685 € Flaschenpreis für meinen Geschmack weit jenseits von Gut und Böse bepreist.

Das Schönste auf einer Whiskymesse? Der Whisky, klar. Aber nicht minder schön ist, permanent mit anderen Verrückten in Gespräch und Austausch zu stehen. So gesellte sich nun unter anderem McLarsen zu uns. Lars ist ein alter Berliner Whiskynerd. Und kam nicht umhin, uns eine unglaublich dunkle Suppe einzuschenken, die uns fast von den Füßen haute.

Glenfarclas 1968

Ein dicker Teppich aus Old-Style-Sherry wurde in unseren Mündern ausgerollt und konnte durch nichts mehr an seiner Ausbreitung gestoppt werden. Sagenhaft. Das Schmuckstück entpuppte sich als 1968er Glenfarclas. Ich bin kein Ferkel-Freund, aber der Dram war mehr als memorabel: danke Lars!

Die Whisky Agency hatte ebenfalls zwei neue alte Iren am Start, von denen einer, auf einen Tipp hin der Private Stock, ins Glas musste:

Irish Single Malt Whiskey 1990 TWA

Ein klassischer alter Ire: der volle, süße Fruchtkorb aus allen nur denkbaren Tropenfrüchten stürmte auf uns ein. Lecker!

Im Gesprächskreis gesellte sich nun unter anderem dRambo zu uns – wieder ein Gesicht mehr zum Nickname aus einem der Foren! Und auch er ließ sich nicht nehmen, uns etwas einzuschenken: ein Einhorn. Einhorn? Einhorn!

Einhorn meint hier eine Abfüllung besonderer Qualität, die niemand so richtig auf dem Schirm hat, die nicht durch Bewertungen oder Forendiskussionen im Hype steht und die zu einem humanen Preis noch verfügbar ist.

Das war in diesem Fall ein 20-jähriger Glenlossie, der mich total begeisterte: Bananenaromen in der Nase, fruchtige Banane auch im Geschmack. Was für ein kleiner Exzentriker – aber total genial! Dank dafür!

Glenlossie 1997 SV

Was sagten Uhr und Alkoholaufnahme?

Langsam mal Zeit für eine Mittagspause. Vorher (wenn schon hinterher mit Essen neutralisiert wird) noch Gelegenheit für ein, zwei rauchige Drams.

Also ab zu Tom Skowronek von Anam na-h Alba und seinen Single Cask Kilchoman ins Glas.

Kilchoman 2007

Kilchoman mag ich jedoch in jeder Situation, so auch nun. Kein Weltfass, aber ein stabiler Dram – besten Dank!

Wir zuckelten weiter zum Stand von Whisky-Doris, wo ich mich als riesiger Liebhaber des 12-jährigen Kilkerran für den neuen Kilkerran Heavily Peated entschied.

Kilkerran Heavily Peated

Heiland! Rauch und Butter. Butter und Rauch. Jung, ungestüm und nicht wirklich mein Fall. Wobei Whisky Nummer Zehn (oha!) noch vor dem Mittag keinen Anspruch mehr auf saubere, normgerechte Bewertung hat. Vielleicht gebe ich dem nochmal später eine Chance …

Halbzeit!

Nun aber erstmal raus in die Limburger Innenstadt. Ab zum Bäcker und mit heißer Schokolade und Backwaren den Gaumen genullt. Das tat extrem gut und erfrischte uns spürbar. Dennoch war klar: das meiste für heute hatten unsere Gaumen geleistet, viel ging nicht mehr.

Der erfrischte Zustand sollte jedoch genutzt werden, um einen ganz besonderen Springbank zu probieren, den ich bei Whisky-Doris ausgemacht hatte.

Auf dem Weg zum Stand liefen wir einem weiteren tollen Duo aus Verrückten in die Arme: Gérard (Geniesser) und Markus (rednose). Beide bester Laune und aufgelegt zu Scherzen. Erst gab es einen alten Glen Deveron ins Glas, dann wurde mir mein „damit ich mich daran erinnern kann“-Foto vom Flaschenlabel verweigert, dann wurde ein spaßiger Fotomoment mit den beiden daraus.

Glen Deveron 08-year-old

Und so sehr und gern ich nichts mehr achte als die Privatsphäre der Menschen, mit denen ich mich so abgebe, habe ich doch deutlich im Hinterkopf, dass die beiden darum baten, diesen Fotomoment doch gern hier mit Euch Lesern zu teilen … Okay! 😉

Die zwei lustigen Drei – DAFÜR fährt man auf Whiskymessen.

Danke für den Dram, danke für die Späßchen!

Nun sollte mich aber nichts mehr vom 1967er Springbank bei Whisky-Doris fernhalten. Ich kämpfte mich zum Stand vor und ließ mich schon von der Nase überwältigen.

Springbank 1967 SV

Definitiv einer der besten Springer, die ich je im Glas hatte. Was für ein genialer Messetag, was für unglaubliche Whiskies!

Diesen Dram genoss ich in aller Ruhe oben auf der Empore der Messehalle. Viel Zeit nehmen, verschnaufen, genießen. Und den Blick über die sich drängenden Menschenmengen schweifen lassen:

Wir waren nicht allein in Limburg.

Rafa hatte noch einen exzellenten 1976er Tomatin aufgetrieben, so ziemlich 4 cl davon, sodass ich auch das gute Stück noch probieren musste:

Tomatin 1976 DT

Auch ein megafeiner Dram!

Für ein Stück unfassbar leckeren Schokobrowniekuchen schlichen wir zurück zum Stand von Maltbarn. Himmel war der gut …

Wir feixten noch mit Martin herum, ließen uns in weitere Gespräche mit Umstehenden verwickeln und genossen das Messetreiben. Und stellten einmal mehr fest, dass die Kombination aus alten und neuen Freunden und guten Drams für uns die schönste aller Freizeitaktivitäten ist.

Diese Einstellung gleich zum Lebensmittelpunkt hatte Maltbarn-Martin gemacht – sein diesjähriges Messeshirt war erneut ein Unikat 😉

Hat Humor. Und verdient seine Brötchen mit dem schönsten Hobby der Welt: Martin Diekmann

Oha, wir hatten noch was vergessen: bei Rolf Kaspar warteten noch zwei neue, etwas jüngere Iren auf das Probiertwerden.

Single Malt Irish Whiskey 2001 RK
Single Malt Irish Whiskey 2001 RK

In den vergangenen Jahren waren bei den Essener-Hof-Iren einige dabei, die mir sehr zugesagt hatten. Diese zwei gehörten leider nicht dazu. Aber gut, so langsam war auch Ende mit sensorischer Feinwahrnehmung. Den Rest des Nachmittags verbrachten wir fast dramfrei – lediglich an einem Japaner konnten wir bei Shinanoya nicht vorbeigehen:

Shinshu 1988

Wann hatte man schon mal die Gelegenheit, einen 29-jährigen Japaner ins Glas zu bekommen? Danke, Limburg!

Damit war dann aber auch wirklich gut gewesen.

Wir hatten noch tolle Unterhaltungen, jedoch keine Whiskies mehr im Glas. Und das war auch mehr als fein. Ebenfalls noch memorabel: ein Bagpiper, der auf der Empore auf einmal das Star-Trek-Thema anstimmte, um dann in „Was sollen wir trinken, sieben Tage lang?“ überzugehen. Sowas passiert auch nur in Limburg 🙂

Wir ließen unseren Messetag ausklingen mit dem Cutty-Forumstreff auf der Empore, wo wir nochmals viele Hände schüttelten, bevor wir uns auf den Rückweg nach Koblenz machten.

Für uns beide war der Tag mehr als denkwürdig. Und der 1975er Maltbarn-Speysider der mit Abstand beste Dram des Tages.

Aber ungleich denkwürdiger war der ganze Haufen Whiskyverrückter, mit dem wir diesen Tag teilen durften. Die sind uns nämlich noch importanter. Viel importanter.

Wir sehen uns wieder!
Seb

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