Öffentliche regulars-Tastings

Tasting „Et kütt ’n Drämmche uss Brühl – Eigenabfüllungen aus dem Brühler Whiskyhaus“

12. April 2019, im Wallhecken-Umwelt-Zentrum Ostfriesland in Leer 

Moin ihr,
das rheinländische Städtchen Brühl, gelegen zwischen Köln und Bonn, ist nicht nur Zuhause eines bekannten Freizeitparks, sondern auch des „Brühler Whiskyhaus“.
Der auch bei Whiskygenießern außerhalb Nordrhein-Westfalens bekannte und geschätzte Laden mit angeschlossenem Online-Versandhandel führt mehr als 1.200 verschiedene Whiskyabfüllungen.

Und da Inhaber Marco Bonn – rheinländisch-prototypisch stets bester Laune – sich mit Ladengeschäft und Versandhandel noch nicht ausgelastet genug sah, bringt er seit einigen Jahren unter dem Namen „A Dream of Scotland“ Whiskyeigenabfüllungen heraus – mit denen er sich bundesweit einen Namen gemacht hat.

Grund genug für uns einen Tastingabend mit sechs dieser speziellen Eigenabfüllungen zu veranstalten. Und wir hatten Glück: als Referenten konnten wir Friedel ‚Smösch‘ Schmitz, Mitarbeiter des Brühler Whiskyhauses und dem schottischen Lebenswasser selbst seit über 25 Jahren hoffnungslos verfallen, gewinnen.

Mehr als 1.200 Whiskies, dazu Rum, Cognac, Gin und Grappa: Friedel ‚Smösch‘ Schmitz’ Arbeitsstätte ist Hort einer gewaltigen Spirituosenauswahl.

Die nur dreieinhalbtägige Ticketreservierungsphase konnte auch dieses Tasting erfreulicherweise komplett ausverkaufen, sodass sich 25 Gäste zwei Monate lang auf einen schönen Abend in Leer freuten.

Am vorgestrigen Freitag war es dann soweit.

Unsere Gäste trudelten vollzählig bis auf den letzten Platz im Wallhecken-Umwelt-Zentrum Ostfriesland ein und Friedel stellte sich, das Brühler Whiskyhaus, dessen Inhaber Marco Bonn sowie dessen Lebensweg als Whiskyenthusiasten vor, bevor als erster Dram des Abends die vierte Ausgabe des „Còmhlan“ in die Tastinggläser floss.

Còmhlan 4.0 BW

Ein 18 Jahre alter, schnörkelloser Sherry-Glenrothes mit Schokolade und spürbar Holz – ein toller Starter!

Friedel hatte einen ganzen Koffer voller Geschichten, Anekdoten und Döntjes aus dem Brühler Whiskyhaus im Gepäck – sodass neben dem Whisky im Glas sein heiterer Vortrag allein uns über den Abend hätte tragen können – wenngleich die flüssige Begleitung uns natürlich sehr willkommen war … 🙂

Erzählte vom „Drämmche uss Brühl“: Friedel Schmitz im Vortrag

Als zweite Abfüllung gelangte eine brandneue Abfüllung in die Gläser: beim für die kommende Whisky Fair abgefüllten Highland Park handelte es sich um eine Vollreifung aus dem Portfass.

The Secret Orkney 10-year-old BW

Ein betörender Rotton mit für Highland Park viel Rauch – lecker!

Leuchtend rot – der Portfass-gereifte Highland Park

Als dritter Dram wurde von Friedel ein 13-jähriger Bruichladdich in seinen Geschichtenabend eingewoben – die als „Birnenkompott im Parmesanmantel auf Keksteig“ beschriebene Abfüllung war tatsächlich gleichermaßen eckig wie interessant.

Bruichladdich 2004 BW

Wie stets flog die Zeit auch in diesem Tastingabend nur so dahin. Nach drei verkosteten Drams begaben wir uns in eine Pause – vor welcher aus Gründen bereits der vierte Whisky ausgeschenkt wurde, um ausgiebig atmen zu können.

Und schon war der halbe Abend Geschichte.

Nach der Pause brach Friedel mit einer regulars-Tastinggewohnheit: jedes unserer Tastings bietet sechs Whiskies. Und an schönen Abenden kommt am Ende des Abends bisweilen auch ein siebter Bonusdram ins Spiel. Einen solchen Bonusdram hatte auch Friedel für uns vorgesehen. Jedoch nicht am Ende, sondern der geschmacklichen Dramaturgie zuliebe zu Beginn der zweiten Halbzeit.

Und was war das für eine Bombe: ein 40 Jahre alter Speysider!

A Dream of Scotland 1977 BW

Beim Verkosten der Preziose wurde es streckenweise sehr ruhig im Raum – ein deutliches Zeichen, dass alle Rezeptoren der Gäste arg damit beschäftigt waren, die traumhaft tieffruchtige Nase und den cremig-fülligen Geschmack ganz aufzusaugen. Ein Hammerwhisky!

Dram Nummer 5 sollte ein Ballechin sein. Als Autor gestehe ich mal: Ballechin fand ich stets furchtbar. Ich hatte nur wenige im Glas und alle haben mich extrem vergrätzt. Doch dieser Bann sollte durch Friedels Ballechin tatsächlich gebrochen werden:

Ballechin 2007

Eine rauchige Nase, schöne Frucht bedingt durch die Reifung im Madeira-Fass – ein toller Malt!

Und wo wir nun bei deutlichem Rauch angekommen waren, galt es folgerichtig gleich die nächste Stufe zu zünden. Ein Port Charlotte aus französischer Rotweinfassreifung kam in die Gläser.

Port Charlotte 2007 BW

Was für eine Nase! Stark im Rauch, dennoch sanft-fruchtig und unendlich süß. Ein reiner Schnüffelwhisky, den man gar nicht probieren mochte. Tatsächlich fiel er für manche im Mund gegenüber der Nase ein wenig ab, die holzige Trockenheit ob der Reifung in europäischer Eiche war jedoch allemal sehr interessant und einzigartig.

Auf zum Schlussakkord.

Die Gläser wurden ein letztes Mal gespült – und damit stand auch schon der letzte Dram des Abends vor uns: wir hatten das Glück, einen im PX-Sherryfass gereiften Lagavulin auf die Hörner nehmen zu dürfen:

A Dream of Scotland The Old Man of Islay II BW

Lagavulin-typischer Rauch, sanfte Süße und damit ein sehr runder, gefälliger Whisky von Format läutete das Ende eines grandiosen Tastingabends ein.

Erhob ein letztes Mal zufrieden das Tastingglas: Friedel Schmitz.

Am Ende gestand Friedel dem ungläubigen Publikum, dass dies sein erstes selbst moderiertes, öffentliches Tasting gewesen sei – im anhaltenden Applaus der Gäste spiegelte sich eindeutig wieder, dass seine angenehme Art, eine Anekdote an die nächste zu reihen und auch zu jeder Abfüllung ein Geschichtchen auf Lager zu haben, den Geschmack des ostfriesischen Publikums voll getroffen hatte.

Ein Ende sei uns nicht genug.

Wie stets war der Tastingabend mit seinem Ende nicht zum Ende gekommen: regular Seb dankte für den großartigen Abend und leitete über zur zwanglosen „Post Show“: wer mochte, blieb noch ein, zwei weitere Stunden im WUZ und genoss in Gesprächen das Miteinander.

Zu diesem Zweck hatte Friedel noch drei weitere Abfüllungen im Gepäck – wer noch zusätzlich etwas probieren wollte, hatte die Wahl zwischen einem 11-jährigen Rum aus Belize (gefinished im Islay-Whiskyfass, tatsächlich mit einer deutlichen Rauchnote im Abgang) sowie zwei weiteren Whiskies.

Da war zum Einen noch eine brandneue Abfüllung, ebenfalls bestimmt für die diesjährige Whisky Fair in Limburg: ein 16-jähriger „Secret Speyside“ Whisky mit einem „Spanish Oak Finish“.

Secret Speyside 16-year-old BW

Gefährlich süffig, ultrasüß und herrlich gefällig! Wenn der den Messesamstag in Limburg überlebt, anstatt sich dann bereits auszuverkaufen, wäre das verwunderlich …
Ein Anwesender verstieg sich zum Ratetipp, dass es sich um einen Deanston handeln könnte – und in Sachen Finishing lag die Idee im Raum, dass diese besonders geprägte Süße einem Brandyfass zu verdanken sein könnte. Wow!
Dank an Friedel für diese herrliche Leckerei!

Einer muss noch.

Auf Wegen, nach denen wir uns kaum zu fragen trauten, hatte Friedel uns eine Flasche vom längst ausverkauften „Laddiemore“, einer Mischung aus Bruichladdich- und extrem stark getorftem Octomore-Spirit, gereift in einem großartigen Sherryfass, mitgebracht. Viel Rauch, viel Süße – und beides so herrlich verwoben und mundfüllend, dass es nur so eine Art hatte.

Bruichladdich Laddiemore BW

Alles Schöne findet sein Ende …

Nachdem irgendwann dann die letzten Drams geleert waren und das letzte Gespräch sein Ende fand, war es wieder einmal Mitternacht, als ein wunderschöner Tastingabend schließlich ausgeklungen war.

Wir danken Friedel von Herzen für die Moderation und Gestaltung dieses Abends sowie allen Gästen für eine großartige Atmosphäre, die uns unsere Tastingabende mit Euch in vollen Zügen genießen lässt.

Abschließend schauen wir nach vorn: am 14. Juni findet unser nächstes öffentliches Tasting statt. In diesem werden wir uns, moderiert von regular Joschie, mit Whiskey statt Whisky auseinander setzen, denn Irland wird unser Thema sein.

Habt bis dahin eine schöne Zeit,
man sieht sich beim nächsten Tasting,
Seb und die regulars

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