Messe- & Veranstaltungsbesuche

Freiheit!

31. März 2019, Von einem Gefühl, das ich mit Whisky lange nicht hatte.

Moin ihr,
diese Zeilen schreibe ich (später als gewöhnlich) erst am frühen Sonntagabend, statt vormittags etwas zu veröffentlichen.

Ich liege, das Notebook auf dem Schoß, frisch geduscht auf einem Hotelbett in einem kleinen Dörfchen namens Nitzenweiler am Bodensee. Die kräftige Sonne des Tages hat ihre Spuren auf mir hinterlassen, sodass sich mein Kopf deutlich wärmer anfühlt als der Rest meiner sterblichen Hülle. Schauen wir mal, ob ich dennoch ein paar sinnhafte Zeilen formuliert bekomme – andernfalls war das direkt die Entschuldigung für schwache Leistungen … 😉

Am Donnerstagmorgen bin ich mit Frau und Kind aufgebrochen zu einem Whiskywochenende mit Freunden und Forumsbekannten – hier am Bodensee. Wir fuhren an Tag Eins 400 km bis Koblenz und genossen ein paar schöne Stunden mit ein paar nette Drams bei unserem mit-regular Malt-Rafa (dafür 1000 Dank!).

Am Freitag ging es dann auf die zweite, 500 km lange Etappe, die uns an den Bodensee ins wunderschöne Allgäu führte. Zusammen mit geschätzt gut 30 anderen Whiskybegeisterten verlebten wir am Freitag und Samstag zwei tolle Abende in guten Gesprächen und bei tollen Drams.

Und ganz im Gegensatz zu sonst habe ich an diesem Wochenende etwas ausprobiert, dass ich seit Beginn meiner Whiskyleidenschaft noch nie getan habe. Ich hatte beide Abende kein Smartphone in der Tasche. Sprich, ich habe nicht fotografiert oder notiert, welche Drams ich im Glas hatte. Ich habe mir keine kleinen Notizen gemacht, um aus irgendwelchen Döntjes eine lustige Überschrift oder einen einleitenden Aufhänger für diesen Blogbeitrag zu formen. Nö.

Ich habe schlicht jede Minute mit Frau und Sohn über Tag sowie den Whiskynerds an den Abenden in vollen Zügen genossen. Und zum ersten Mal seit jemals folgen hier (warum denn auch?) keine meterlangen Dramlisten des Verkosteten. Und auch für mich selbst kann ich die Drams der Abende nicht als ‚probierte Whiskies‘ in meiner Whiskybase-Collection speichern, die Kette meiner perfekten Ordnung, wirklich jeden jemals verkosteten Whisky katalogisiert und vermerkt zu haben, ist unwiderbringlich zerbrochen. Und das fühlt sich gut an. 🙂

Whisky war schon immer Genuss für mich. Purer Genuss – und absolute Leidenschaft. Aber an diesem Wochenende kam noch etwas dazu: Freiheit.

Die Freiheit, sich um nichts Sorgen zu machen, außer dem Gespräch mit den Gegenübern und dem Whisky im Glas. Und beides voll und ganz auskosten zu können.

Ich glaube, das mache ich nun öfter, das tat wahnsinnig gut. Die wichtigste Erkenntnis: die zwei Drams des Wochenendes, die einerseits noch verfügbar sowie andererseits so lecker waren, alsdass ich ernsthaft über einen Flaschenkauf nachgrübeln müsste, habe ich mir auch so merken können.

Da war zum einen ein Ire von Whisky-Doris:

Irish Single Malt 2001 WD

Schaut man sich an, was die ganzen tropenfruchtigen 1988er bis 1993er Iren von 22-28 Jahren Alter der letzten Jahre heute so kosten, wenn davon überhaupt nochmal eine Abfüllung erscheint, fasst man sich (also zumindest ich mir) an den Kopf. Weit jenseits der 300 €, eher an der 400er-Marke kratzend und damit für mich nicht mehr zum Kauf in Frage kommend. Dennoch waren und sind das sehr sehr leckere Whiskies, die ich vermisse.

Der Ire von Doris nun ist 16 Jahre alt und bringt zwar nicht ganz das Tropifrutti-Erlebnis seiner älteren Geschwister ins Glas – jedoch handelt es sich um ein sehr sehr leckeres, toll gereiftes Fass, dass genau in die Richtung der teuren Premium-Iren weist. Tropenfrucht, stabiles Holz, massig Charakter! Und das bei 150 € Flaschenpreis. Den fand ich klasse!

Und dann war da noch ein 1988er Glenturret. Von denen sind ja einige in Umlauf – dieser jedoch hat mich extrem begeistert:

Glenturret 1988 SV

Vorn an mit einer außergewöhnlichen, total aparten Melonennote eine wahre Wonne im Glas. Komplex und verführerisch. Mein zweites Highlight unter den (zumindest hier und da) noch verfügbaren Whiskies.

So, und damit lasse ich es für diese Woche bewenden. Genuss ist etwas feines, aber sich als notorischer das-Internet-Vollkritzler dazu noch ein Whisky-Wochenende lang mal keine Gedanken um nichts zu machen, was die Bloggerei angeht, tat und tut extrem gut.

Ich grüße alle, die dieses Wochenende hier so großartig gemacht haben und freue mich, noch zwei (keinesfalls Whisky-freie 🙂 ) Tage Urlaub mit meinen beiden Lieben hier unten verbringen zu können, bevor wir den erneut entspannt-zweitägigen Rückweg in heimische Gefilde antreten werden.

Euch einen entspannten Sonntagabend,
packt Euch was Schönes ins Glas!

Seb

PS: Und nächsten Sonntag geht’s hier wieder preußisch-pünktlich zur Sache – mit etwas, in dem viel Vorarbeit steckt. Seid gespannt … 😉

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