Wissen & Meinungsbeiträge

Wir brauchen eine neue Plattform!

17. März 2019 (zuletzt bearbeitet am 19. März 2019), Warum wir die Handhabe von Flaschenteilungen und Sampleangeboten neu denken sollten.

Moin ihr,
seit Ende 2009 treibe ich mich in Whiskyforen herum. Und das als ausgesprochener Nicht-Forumsmensch.

Viele der Diskussionen in unseren Foren sind repetitiv – neue User stoßen dazu und stellen mehrfach aufgeworfene Fragen erneut. Themen werden wieder und wieder durchgekaut. Oder Allzeitklassiker wie „Au schande, es wird alles immer teurer!“ oder „Was haltet ihr von dieser Abfüllung?“ werden mit dem x-tausendsten Kommentar am Leben erhalten, ohne dass für mich viel Mehrwert in derartigen Diskussionen läge.

Warum nutze ich die Foren?

Um neue Whiskies kennenzulernen.

Einerseits – zu 5 % meines Forenkonsums – durch Beiträge, in denen über neue Abfüllungen spekuliert wird oder diese vorgestellt werden. Als versierter Whiskyfreund sind die Debatten dazu für mich jedoch meist sekundär. Die „technischen Eckdaten“ einer neuen Abfüllung sind das, was mich für einen Whisky interessiert, anstatt im luftleeren Raum darüber zu debattieren. Spricht mich etwas an, möchte ich probieren.

Und seit mich das Thema Whisky fasziniert, entdecke ich neue Abfüllungen primär über Samples und Flaschenteilungen von anderen Mitgenießern oder aus selbst durchgeführten Flaschenteilungen – in den Whiskyforen. Und darin liegen weitere 90 % meiner Forenaktivität. In unseren Foren lassen sich tausende von Abfüllungen in Sampleform entdecken und es finden permanent spannende Flaschenteilungen statt – ein Eldorado für mich als Whiskyfan.

Aber.

Seit Tag 1 blicke ich auf das System, wie wir Flaschenteilungen handhaben und schüttele darüber innerlich den Kopf. Mit viel Aufwand und Mühe machen wir uns das Leben sehr schwer, in dem wir ein für Diskussionen bestimmtes Forumssystem missbrauchen.

Vergegenwärtigen wir uns, wie eine Flaschenteilung abläuft.

  • Die Teiler*in eröffnet einen neuen Thread, stellt die Teilflasche(n) vor, verlinkt im Regelfall auf weiterführende Informationen dazu, beschreibt die Kosten sowie Neben-/Versandkosten und startet die Teilung mit einer ‚Liste‘, in die sie sich zuerst mit seinem gewünschten Anteil an der zu teilenden Flasche einträgt.
  • Jede Interessent*in antwortet nun in diesem Thread, kopiert die Liste ein und trägt sich dazu. Was bsp. von Smartphones aus manchen User überfordert („Wie bekomme ich dieses Vollzitat entfernt und nur die Liste schnell rüber?“) und bei ganz begehrten Teilungen, die von Teilenden auch mal in mehreren Foren parallel angeboten werden, mehrere User sich unwillkürlich für zu wenig Rest eintragen lässt. Das wird vom Teiler in eine abschließende Ordnung gebracht und evtl. müssen nach Zeitstempel der Einträge einige Teilnehmer*innen nachträglich aus der Teilung geworfen werden.
  • Dann versendet die Teiler*in mittels einer Privatnachricht Zahlungsdaten an die Teilnehmer*innen und fordert diese zudem auf, ihre gewünschte Versandadresse zurückzuschicken.
  • Die Teilnehmer*innen führen eine Überweisung aus oder senden das Geld per PayPal auf die Reise – und schicken ihre Versandadresse ein.
  • Die Teiler*innen füllen die Flaschen ab, gestalten meist mit einiger Liebe hübsche Etiketten dafür und nach erfolgtem Zahlungseingang werden die Samples an die Empfänger versandt.
  • Manchmal wird der Titel des Teilungsthreads von der Teiler*in auch für Statusupdates bearbeitet und mehrfach umbenannt bsp. in Aktiv/Verteilt/Warten auf Flasche/Versandt.
  • Die Teilnehmer*innen geben zuletzt oftmals im Teilungsthread ein abschließendes „Mein Sample ist wohlbehalten angekommen, vielen Dank!“ o.ä. zum Besten.

Wenn man das Recht betrachtet, wirkt das tüchtig umständlich, oder?

Wie gesagt: ich schüttele mit dem Kopf, wenn ich mir das anschaue.

Formulieren wir mal ein paar naheliegende Wünsche:

  • Ich möchte als Teilnehmer*in ohne umständliches Copy & Paste mein „Ich möchte X cl“ ausdrücken können.
  • Ich möchte als Teilnehmer*in nicht durch einen Flüchtigkeitsfehler beim Rauskopieren und Einfügen in Hast versehentlich jemand anderen aus der Teilung werfen. Auch möchte ich nicht, dass das jemand anderem mit meinem Eintrag passiert.
  • Ich möchte als Teiler*in nicht in mehreren Foren synchronisieren und Teilnehmer*innen ggf. enttäuschen, weil rausschmeißen müssen. Dennoch möchte ich Euch alle erreichen, egal welches Forum Euer Zuhause ist.
  • Ich möchte als Teiler*in nicht immer wieder dieselbe Abwicklungsnachricht an meine Teilnehmer*innen versenden müssen, um dann händisch deren Versandadressen aus deren Antworten herauskopieren zu müssen.
  • Ich möchte als Teilnehmer*in nicht zum tausendsten Mal jemandem meine immer gleiche Versandanschrift übermitteln müssen (wobei ich natürlich froh bin, dass Teiler*innen diese Daten nach Abwicklung löschen und nicht speichern).
  • Ich möchte als Teilnehmer*in, dass meine Daten sicher sind. Die Whiskyforen bieten nicht mal HTTPS-Verschlüsselung, sodass wir bsp. unsere Adressdaten unverschlüsselt durch das Internet pusten. Auch teilen wir unsere Bankverbindungen offen den Teiler*innen mit, da wir direkt an die Empfänger*innen bezahlen.
  • Ich möchte als Teiler*in eine Möglichkeit, einfach und gleichartig Labels für meine Samples erzeugen, ohne alle Daten dafür manuell zusammenzusuchen und es händisch gestalten zu müssen.

Das alles klappt nicht mit unserem jetzigen System, Forumssoftware für Flaschenteilungen und Sampleangebote zu missbrauchen. Wir brauchen da was Neues.

Hier kommt die Vision:

  • Ich möchte eine Plattform, auf der ich mich als Teiler*in registriere und einmalig festlege, welche Samplegröße(n) ich anbieten möchte, welche Versanddienstleister ich anbiete, wie hoch meine Neben- und Versandkosten sein sollen und wohin und auf welchem/n Wege/n ich mein Geld bekommen möchte.
  • Ich möchte eine Plattform, auf der ich mich als Teilnehmer*in registriere und einmalig meine Versandadressen, bsp. einmal die private Anschrift, die Packstation und die Firmenanschrift, hinterlege. Ich möchte ebenfalls ein Zahlungsmittel hinterlegen, mit dem ich zukünftig einfach per Klick bezahlen kann.
  • Ich möchte eine Plattform, auf der ich als Teiler*in dann bestenfalls nur
    1. die zu teilende Flasche über eine geile Suche einfach wähle (egal, ob ich nach Abfüller*in, Destille, Jahrgang, Fassnummer, Whiskybase-ID oder sonstwas suche),
    2. deren Teilungspreis,
    3. die zur Teilung bereitstehende Menge (also ohne meinen etwaigen eigenen Anteil) in cl sowie
    4. die mindestens zu verteilende Menge für eine Durchführung der Teilung und eine Deadline, wie lange die Teilung maximal laufen soll eintrage –
    UND FERTIG.
    Natürlich möchte ich optional eigene Fotos zur Vertrauensstärkung hochladen oder weiteren, individuellen Prosatext dazuschreiben können.
  • Ich möchte eine Plattform, auf der ich als Teilnehmer*in schön alle Daten der Flasche (aus der Whiskybase), ein Foto (aus der Whiskybase oder ein von der/dem Teilenden hochgeladenes), den Preis und den aktuellen Stand (X cl sind noch verfügbar) sehe. Ich wähle aus einem Dropdown bsp. „10 cl“ aus, sehe den Preis und klicke auf „in den Warenkorb“. Diese 10 cl sind für mich nun bsp. 15 Minuten verbindlich reserviert. Ich kann meinen Warenkorb weiter füllen. Bin ich fertig, geht’s zum Checkout. Wie in einem Webshop wähle ich meine bereits hinterlegte Versandanschrift aus („och, heute mal an die Packstation“ *klick*) und wähle meine gewünschte Versandart (habe ich bsp. bei einer Teiler*in insgesamt 4x 10 cl gekauft, bietet mir die Plattform nur noch Paketversand an, weil das Gesamtgewicht für einen Maxibrief überschritten ist). Ich habe bsp. meine Bankverbindung hinterlegt und mit meinem Bestätigungsklick auf der Bestellübersichtsseite löse ich die Zahlungsautorisierung aus (natürlich erfolgt die Zahlung/der Bankeinzug nur, wenn die Teilung erfolgreich abgeschlossen wird). Fertig!
  • Als Teiler*in erhalte ich eine Benachrichtigung, wenn meine Teilung durch ist – auch das Geld der Teilnehmer*innen erreicht mich dann auf einen Schlag. Besitze ich einen Etikettendrucker, fliegen sämtliche Versandetiketten für das Maxibrief-Porto sowie die Sampleetiketten fix und fertig da raus. Ansonsten kommt ein hübscher Bogen aus meinem A4-Drucker, den ich nur noch in Teile schneide und damit Samples und Versandkartons ausstatten kann. Auch Paketscheine zum Ausdrucken werden vollautomatisch erzeugt – und meine Teilnehmer*innen erhalten die Infos zur Sendungsverfolgung natürlich ebenfalls automatisch.
  • Habe ich als Teiler*in das ganze Gedöns verpackt und zur Post gekarrt, setze ich auf der Plattform den Status der Teilung auf „versandt“, meine Teilnehmer*innen erhalten auch darüber eine Nachricht und das war es. Alle hochinformiert, alle glücklich, alle mit weniger Aufwand belastet.

Diese Plattform würde auf die hunderten (oder gar tausenden?) von Flaschenteilungen in unseren Foren in jedem Jahr gerechnet so unendlich viel Aufwand bei uns allen vermeiden, so viel Zeit sparen und so viele Fehlerquellen schließen – ich könnte heulen allein beim Gedanken daran, wie eckig wir das seit Jahr und Tag bis heute handhaben.

Und natürlich ließe sich eine solche Plattform in alle möglichen Richtungen aufbohren. Nur ein paar weitere Stichworte.

  • Biete ich internationalen Versand, mache ich die Plattform Europa- oder weltweit mehrsprachig zugänglich?
  • Möchte ich ein Bewertungssystem hinzufügen, sodass für Teilnehmer*innen (die vor allem als Neulinge in den Foren manchmal arg erstaunt vor dem *jaja, hier kann man allen vertrauen*-Spirit der Forumsgemeinde stehen) klar ersichtlich ist, wieviel erfolgreiche und verbriefte Aktivität als Teiler*in/Teilnehmer*in die Nutzer auf der Plattform auf dem Buckel haben?
  • Natürlich ist auch eine Funktion zur Schaffung geschlossener Benutzergruppen mit Teilungen abseits der Öffentlichkeit, nur unter Freunden usw., denkbar. Sei es, dass ich Einladungen zu geschlossenen Teilungen versenden kann (Whitelisting) oder Benutzer*innen und/oder Benutzergruppen von meinen Teilungen ausschließen kann (Blacklisting).
  • Samples und Flaschenteilungen sind die Grundlage. Will man aber evtl. auch Flaschenverkäufe oder Fassteilungen über die Plattform abbilden?
  • Kann ich mich bei neu startenden Teilungen (von einer Destille, von einer Abfüller*in, von einer Teiler*in, bei Flaschen die ich auf eine Suchliste setzen kann, generell bei jeder neuen Teilung, …) benachrichtigen lassen?
  • Kann ich vielleicht sogar verbindliche Reservierungen eintragen (wenn Whisky X hier bis zum Enddatum Y angeboten werden sollte, hätte ich gern Z cl für einen Maximalpreis von A €), um automatisch bei startenden Teilungen zum Zug zu kommen, ohne dann gerade online sein zu müssen?
  • Macht man bei einer Teilung einsehbar, wer wann wieviel cl genommen hat (quasi wie die jetzigen Listen in den Foren), nur dass man dann im persönlichen Profil einstellen kann, ob dort der eigene Nickname zu sehen ist oder man ganz anonym bleiben möchte?
  • Gibt man als Teiler*in im Profil an, ob man neue/gebrauchte Sampleflaschen/Versandkartonagen benutzt und kennzeichnet das bsp. mit einem ♻-Symbol?
  • Die Foren sollen durch eine Sample-/Flaschenteilungsplattform keinesfalls marginalisiert werden, die wertvollen Diskussionen dort sollten auch im Teilungskontext genutzt und gezeigt werden. Also wäre eine „Mehr zu dieser Flasche“-Funktion toll: auf Teilungsseiten sollten weiterführende Links platziert werden können, die zu Threads in den Whiskyforen führen, die sich mit der entsprechenden Abfüllung auseinander setzen. Ebenso wie zu Verkostungsnotizen/-videos usw. usf.

Soweit vielleicht erstmal …

Stellt Euch am Ende vor, dass so eine Plattform, um nach stets neuesten Standards sicher und werbefrei im Leben gehalten werden zu können uns alle (mal blind getippt) nicht mehr als 3-5 % Mehrkosten zu unseren jetzigen Samplekosten bescheren würde. Wie genial wäre das?

Hier kommt das Ende des Euphemismus.

Ich bin kein Coder – ich kann nicht programmieren. Aber ich bin Designer. Und Grafiker. Und Texter. Und kenne mich ein wenig mit UX aus. Und das bringe ich gern ein.

Was braucht es?

Es gilt meiner Meinung nach, die Whiskybegeisterten aus allen Foren und gern auch den sozialen Netzwerken einzuladen, eigene Ideen einzubringen und schon vor der Schaffung als Mitgestalter*innen Teil des Ganzen zu werden.

Es gilt diese Plattform zu denken, zu diskutieren, zu planen, zu designen, zu projektieren, rechtlich von A-Z abzuklopfen, zu programmieren, zu testen, zu veröffentlichen und dann kontinuierlich zu verbessern und zu pflegen.

Soweit mein Gedankenspiel.

Da sind natürlich schon am Anfang tausend offene Fragen: die, ob der Projektaufwand, der sicherlich allein auf Programmiererseite nicht bei mal eben 10 oder 20 oder 30, sondern einem erheblich dreistelligen Stundenbudget liegen dürfte (ins Blaue gemutmaßt), auf Basis von Selbstausbeutung erbracht wird oder durch Zahlung eines der Community transparent kommunizierten Stundensatzes erfolgt, der nachträglich über die Gebühren aus der die Plattform nutzenden User refinanziert wird.

Die Frage, ob das Ganze ein Communityprojekt sondergleichen und damit (unabhängig der Begleichung technischer Kosten und von Weiterentwicklungs- und Supportaufwänden aus Teilnehmergebühren) nichtkommerziell, also ohne Gewinnabsicht auf die Beine gestellt wird.

Oder ob die (für die Industrie ob der versierten Userschaft mit Sicherheit säuisch verlockende) Plattform werbefinanziert wird, sprich neben der Teilung eines Ardbeg bsp. Werbung für andere Abfüllungen der Destille auftaucht, dafür die Plattform perspektivisch vielleicht gänzlich kostenfrei zu betreiben wäre. Und so weiter, und so fort …

Ich tippe: nur wenn *es* von und aus uns selbst kommt, nur wenn wir den Wunsch nach etwas Neuem und Besseren teilen, kann eine solche Plattform Erfolg haben.

Eine Sache, der ich mir sicher bin: würde eine derartige Plattform morgen bsp. als Modul in der Whiskybase online gehen, bei sagen wir 10-12 % Provision/Gebühren (weil dort als kommerzielle Lösung betrieben), bin ich mir sicher, dass das keinen großen Sog ausüben und uns alle aus den Foren hin zur Sample- und Flaschenteilungslösung dort bringen würde. Ich bin mir da extrem sicher, das ist aber nur mein persönliches Bauchgefühl …

Wir nähern uns dem Ende 🙂

Ich wollte meine lange Unzufriedenheit über unsere nicht optimale Handhabe bei Flaschenteilungen und Sampleangeboten gern einmal ausformulieren. Ich wollte mit Euch teilen, was mir seit Ewigkeiten als Lösungsidee vor Augen steht. Vielleicht gibt es derartiges ja auch in Ansätzen ja sogar schon irgendwo, noch unbeachtet von der großen Masse. Bsp. Sample’ist geht hier als Projekt im Beta-Status schon in die richtige Richtung. Was es in meinen Augen jedoch definitiv braucht, ist etwas absolut 100%ig Überzeugendes und kein one-man-show-Projekt, welches überschaubar anfängt, um später im Betrieb weitere grundlegende, wichtige Funktionen hinzuzufügen. Es gibt aus meiner Sicht genau einen Versuch, uns alle zu begeistern und zu überzeugen.

Die Plattform muss schon auf den ersten Blick das Leckerste sein, was wir seit langem gesehen haben. Sie muss uns instantan klar werden lassen, wieviel Aufwand wir bis heute bei Flaschenteilungen und der Abwicklung von Samplebestellungen getrieben haben – und das wir diesen Aufwand nun ohne neue Nachteile überwinden können.

Ein Aufruf?

Ich bin gespannt, ob sämtliche großen Foren-Communities, die Facebook-Gruppen und die anderen virtuellen Räume des Whiskyaustauschs jeweils Lust auf dieses Projekt haben: von der ersten Ideensammlung bis hin zum Versand der Samples der allerersten Flaschenteilung der fertigen Plattform.

Weiter bin ich gespannt, ob es versierte Programmierer, Webdesigner, jemanden mit juristischem Fach- und Sachverstand und idealerweise noch jemanden mit Projektmanagement-Erfahrung im Softwarebereich gibt, die Lust haben, für das schönste Hobby der Welt, explizit für eine radikale Vereinfachung des Teilens und Tauschens von Whisky unter Genießern gemeinsam die Ärmel hochzukrempeln und dieses Projekt anzugehen … finden sich engagierte Köpfe zur Umsetzung einer von breiter Userschaft getragenen Idee, bin ich nur allzu gern dabei.

Ein letztes Wort: Was mir arg wichtig ist.

Es sei betont: es geht mir nicht darum, ein neues Forum oder eine neue Community zu schaffen. Oder bestehende Forums-Communities auseinanderzureißen. Für Diskussionen und Austausch zum Thema Whisky sind unsere Foren perfekt geeignet – daran möchte ich keinesfalls rütteln. Lediglich die Marktplatz-/Flohmarktbereiche sind Ziel meiner Gedanken und Ansatzpunkt für die Projektidee. Forum bleibt Forum, Schnaps bleibt Schnaps – nur dass es diesen einfacher und besser zu teilen gilt 😉

Die Diskussion zu diesem Text findet sich initial im Blauen Forum, im Cutty sowie im Fassstark – und ich würde mich freuen, wenn sie an andere, geeignete Plätze weiter getragen wird. Schauen wir doch mal gemeinsam, wie wir darüber denken …

Wohl an,
Seb

PS (bevor die Frage aufkommt): meine letzten 5 % Forenaktivität bestehen darin, meine Blogposts dort mit Euch zu diskutieren – was mir meist einen Heidenspaß bereitet … 🙂


Nachtrag vom 19. März 2019

Moin ihr,
in den Forumsdiskussionen schlägt sich ein wirklich breites Spektrum an Meinungen nieder – und egal, wie ich das hier zusammenfasse, es wird der Bandbreite nicht im Ansatz gerecht, weshalb ich Euch dringend empfehle, den obigen Links in die drei Foren zu folgen und Euch selbst ein Bild vom Feedback zu machen und dieses selbst einzuordnen und zu werten.

Ich nehme für mich mit, dass sich die Stimmen aus meiner Sicht in drei Gruppen einteilen lassen:

Ⅰ. Die Aufgeschlossenen bis Enthusiastischen

Diese User*innen haben die vermeintlichen Probleme, die ich sehe, ebenfalls für sich als solche erkannt und würden sich über Abhilfe/Verbesserungen freuen. Oder sie sehen die Probleme zwar nicht als dramatisch an, sind jedoch prinzipiell offen für Neues.

Ⅱ. „Ich brauch’ sowas nicht.“

Sie sind an die bisherige Handhabe gewöhnt und haben kein Interesse an Veränderungen, weshalb sie eine neue Plattform wenn denn überhaupt gern als rein externe Ergänzung zur parallel weiter bestehenden, jetzigen Forums-internen Handhabe sähen, um der Neuerung nicht folgen zu müssen und die bisherigen Strukturen weiter betreiben zu können.

Ⅲ. Die Ablehnenden

Sie sehen Flaschenteilungen als zusätzliches Bonbon im gemeinsamen Communityleben unter gewachsenen Forumsfreunden. Die Idee, eine forumsübergreifende, verbindende Lösung zu schaffen (unbenommen der Frage, ob Teiler*innen aus einem Forum ihre Teilungen auch nur Teilnehmer*innen aus demselben Forum anbieten können, bestehende Communities also 1:1 geschützt blieben und unter sich bleiben könnten), behagt ihnen nicht.

Dass Flaschenteilungen einen Mehrwert darstellen, der neue User*innen in die Foren lockt, ist für sie wichtig und von ihnen als die Forumsgemeinschaft stärkend identifiziert.

Mit der eigenen „ich komme klar, so wie es ist“-Erkenntnis fällt leider bei einigen der Ablehnenden bereits die Klappe, sich neuen Ideen auch nur für einen Moment gedanklich zu widmen. Ein „Das ha’m wir hier immer schon so gemacht und dabei bleibt’s auch. Basta!“ fiel zwar nicht wörtlich, in der inhaltlichen Quintessenz jedoch erschreckend häufig. Explizit kein absolut verständliches „mir reicht, was wir haben“, sondern vermeintlich nackte Angst vor Neuem.

Am äußersten Meinungsrand dieser Gruppe sitzt dann noch die Volksfront von Judäa, die sehr darauf bedacht ist, bloß nicht bei irgendwas mit der Judäischen Volksfront in Form eines anderen Forums in Berührung zu kommen – am Ende ist ihr egal, wie lange geschrubbt wird, Hauptsache Villariba und Villabajo behalten bloß jeweils ihre eigenen Pfannen.

Weil ich schon die Kommentare sehe, die mir nun gekränkte Eitelkeit unterstellen … 😉

Das sei gesagt: ich fühle mich nicht gekränkt durch Teile des Feedbacks oder das Ausschlagen (m)einer Idee, keinesfalls – ich gebe hier jedoch offen wieder, wie ich dieses empfinde.

Ich mag die Idee der gewachsenen Freundeskreise in den Foren, ohne Frage – aber bei „ich hier das Trikot, die da das Trikot – kein fußbreit aufeinander zu“ werde ich wohl immer die Augen verdrehen. Einerseits, weil ich in keine Community soweit eingedrungen bin, alsdass ich sie für ganzheitlich meine Whiskywelt ausfüllend halte, andererseits, weil ich viele alte Animositäten und Nickeligkeiten, die zu Zwist, Abspaltungen und der Gründung neuer Foren geführt haben, nicht oder nur in Ansätzen kenne und mich irgendwelchen alten Fehden auch nicht widmen möchte.

Ich sehe, dass es eine Substanz von User*innen in den Foren gibt, die arg darauf bedacht sind, ihr Dörfchen für sich zu halten – daran werde ich nichts ändern, das gilt es anzuerkennen und gut ist. Ich fühle mich als Reisender bei Euch allen wohl und schätze jedes der Foren für seine spezifischen Vorzüge:

Im Blauen herrscht stets ein so tadelloser Umgangston, ist stets eine solche Wohlfühlatmosphäre gegeben, dass ich die im Vergleich zu den anderen Foren etwas kleinere Userschaft mehr als ins Herz geschlossen habe.

Im Cutty habe ich Whiskynerds kennenlernen dürfen, die seit Jahrzehnten im Hobby stecken, unendliches Wissen haben und von denen ich nach wie vor viel lerne und unter denen ich sehr gute Freunde finden durfte. Auch findet hier das Gros genialer Flaschenteilungen statt, an denen ich gern partizipiere, ebenso wie ich sie selbst gern durchführe.

Mit dem Fassstark entstand 2017 ein Sammelbecken für aus diesen oder jenen Gründen unzufriedene Ex-User*innen aus dem ebenfalls noch existierenden, vierten TWS-Forum sowie dem Cutty. Hier fand ich lange nicht mehr wahrgenomme Bekannte wieder, hier werden viele Themen neu und frisch verhandelt (und nicht nur wiedergekäut), was es ebenfalls zu einem tollen Ort für mich macht.

Jedes von Euch drei Foren hat einen ganz besonderen Wert für mich – deshalb hätte ich gern etwas mit und für Euch alle drei und darüber hinaus für uns Whiskygenießer*innen insgesamt auf die Beine gestellt.

Mein Fazit

Alle Argumente sind gebracht – wie wir Flaschenteilungen durchführen, bleibt in meinen Augen (vor allem hinsichtlich der mangelnden Datensicherheit durch fehlende Verschlüsselung in allen drei Foren) suboptimal. Einer wie auch immer gearteten Flaschenteilungslösung außerhalb der einzelnen Foren steht ein großer Teil der User nicht offen gegenüber – das ist natürlich zu akzeptieren und durch einige Diskussionsbeiträge für mich auch nachvollziehbar geworden.

Am Ende ist für mich klar, dass unter diesen Bedingungen kein Projekt von Enthusiasten aus den Communities in der Lage wäre, eine Plattform zu schaffen, die die bisherigen Strukturen ablösen könnte – die Aufwände würden nur dazu führen, eine neue Insel zu errichten, die nicht alle erreicht und uns schlimmstenfalls sogar weiter fragmentiert. Das Ganze hätte ggf. höchstens als kommerzielles Projekt Erfolgsschancen zu entstehen, sich zu etablieren und sich zu halten. Da das aber (trotz der natürlich vereinzelt gegen mich laut gewordenen Unterstellungen in diese Richtung) keine Idee ist, die ich im Sinn habe, wird die in diesem Text umrissene Idee wohl bleiben, was sie ist: eine Idee.

Das Positivste aber zum Schluss: in jedem der drei Foren kamen Ideen wenigstens für kleine ad-hoc-Verbesserungen am Status quo auf: sei es, einen Übersichtsthread über alle aktiven Flaschenteilungen vorzuhalten, sei es, endlich HTTPS-Verschlüsselung zu implementieren oder sei es, beim Betrachten ungelesener Beiträge diese Darstellung nach „Inhalte“ und „Marktplatz“ zu trennen, um etwas mehr Übersicht zu schaffen.

Ich freue mich, dass so viele von uns über das Thema nachgedacht haben.
Ich danke für wertvolle Anregungen zur Plattformidee.
Und ich danke für die vielen Meinungsbeiträge.

Man sieht sich bei der nächsten Flaschenteilung – an gewohnter Stelle … 😉
Seb

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