Wissen & Meinungsbeiträge

Whisky kaufen wo?

10. März 2019, Über eine oft gestellte Frage und ihre drei Antwortteile

Moin ihr,
nutzt man die Online-Suchmaschine seiner Wahl häufig, so lernt man mit der Zeit unfreiwillig, extrem relevante Treffer durch recht abstrus gestellte Dreiwortfragen zu erhalten. In diesem Duktus formuliert lautet unser heutiges Thema wohl „Whisky kaufen wo?“.

Die Frage nach dem „wo kaufst du deinen Whisky?“ wird mir vor allem von Tastinggästen ziemlich häufig gestellt – und ich versuche mich heute mal an einer Antwort, die den vielen Dimensionen der Frage gerecht wird.

Ⅰ. Wir steigen ein – am besten mit Beratung

So ging und geht es bei uns allen los: wir haben irgendwo einen leckeren Whisky ins Glas bekommen und der Wunsch nach mehr ist geweckt. Finanziell möchten wir uns nicht allzu weit aus dem Fenster lehnen. Mein gebütsmühlenartig zu wiederholender Tipp ist und bleibt, sich neuen Whiskies von Anfang an über Samples zu nähern.

Wir nehmen aber mal an, Kaufgegenstand soll tatsächlich eine Flasche werden. Eine, die wir im Fall des Gefallens problemlos nachkaufen können, also eine Standardabfüllung. Eine, die uns zugleich finanziell nicht allzuweit zurücksetzt und dazu eine, bei deren Auswahl wir als orientierungsbedürftige Einsteiger Beratung erfahren.

Das Naheliegenste scheidet in meinen Augen aus.

Die seit Jahren immer größer werdende Auswahl im lokalen Supermarkt würde ich links liegen lassen: einerseits sind leider zumeist keine wirklichen Hilfestellungen bei der Auswahl der richtigen Flasche durch Whisky-erfahrene Mitarbeiter zu erwarten, andererseits liegen die Supermarktpreise für Whiskies sehr oft irgendwo zwischen Apotheke und Mond.

Online ist das Angebot preislich attraktiv, die Auswahl riesig, jedoch sind gerade für Einsteiger die in den Webshops angebotenen Bewertungen und Geschmackseinordnungen in Schiebereglervisualisierung oder Videoform schnell überfordernd, während ein direktes Gespräch am ehesten hilft, den passenden Whisky zu bestimmen.

Deshalb rate ich zum regionalen Whiskyfachhändler.

Nichts hilft anfangs mehr als ein Geschäft, welches ich betrete und wo ich Auge in Auge gute Beratung durch jemand Versierten erfahre, bevor ich mit einer Flasche Whisky nach Hause fahre. Im besten aller Fälle ein Geschäft, in dem sich aus geöffneten Flaschen das Eine oder Andere probieren lässt, um die Wahl zu erleichtern bzw. abzusichern. Preislich ist man damit im Regelfall meist den einen oder anderen Euro vom Web-Bestpreis für die erworbene Flasche entfernt, das machen die Beratungsleistung sowie ggf. die Möglichkeit zur Verkostung aus offenen Flaschen jedoch mehr als wett.

Gute Beratung für orientierungshungrige Einsteiger bietet versiert und freundlich der Fachhandel (Symbolbild).
Foto (unverändert): Jty, Lizenz: CC BY-SA 3.0

Je nach Region bedeutet das kaufen ‚vor Ort‘ ggf. signifikante Fahrerei (von mir hier in Leer aus betrachtet gibt es da drei Adressen, die sich in Form einer Rundtour anfahren lassen – sowie nicht zu vergessen den knapp 60 km entfernten Versandhändler Scoma mit seinem vor-Ort-Shop in Jever).

Die Entwicklung zum nächsten Schritt

Sind von uns Neueinsteigenden die ersten Whiskies erworben und probiert, ist die erste Unsicherheit gebrochen, entwickelt sich das Vorantasten zu weiteren neuen Flaschen schnell wie von selbst, sodass die Beratungsdienstleistung nach einiger Zeit nicht mehr benötigt wird.

Denn das eigene Stöbern beginnt – das Internet starrt vor Informationen, in Whiskyforen lassen sich vortrefflich Anregungen entdecken und mit der Whiskybase gibt es eine Datenbank, die Sachinformationen mit Online-Kaufquellen und Nutzereindrücken zu einer sechsstelligen Zahl von Whiskies bündelt.

Ⅱ. Für Fortgeschrittene: der Onlinekauf

Haben wir uns zur Selbstständigkeit entwickelt, unsere Ware selbst auswählen zu können, ist mit Blick auf die Preiswürdigkeit in meinen Augen der Onlinekauf geboten. Ich schaue bei Bestellungen stets auf die gesamte Landkarte der (ausdrücklich nicht nur deutschen) Whiskyversandhändler und streiche für mich Amazon, welches sich durch Steuervermeidung, Lohndumping und Austrocknen von Wettbewerbern/Monopolisieren der eigenen Marktstellung (bis dato in anderen Branchen als Whisky) für mich klar disqualifiziert.

Ebenfalls spare ich Whisky.de als Anbieter aus. Normalerweise soll mich nicht interessieren, wie meine Whiskyhändler abseits des Themas Whisky ticken – wenn jedoch der Außendarstellungs-Posterboy dieses Versandhandels mit seinem Gesicht in tausenden von Videos einerseits für den Whiskyshop und andererseits in einem Nebenkanal für eine Weltanschauung, das ich von vorn bis hinten nicht teile, steht, kann ich persönlich darüber nicht hinwegsehen.

Zwei weniger, es bleiben aber: hunderte von Whiskyshops. Doch wie den Richtigen wählen?

Kein Whisky-Shop der Welt kann alles liefern, was wir uns wünschen. Vor allem, wenn wir uns als Whiskygenießer entwickeln und beispielsweise speziellere Einzelfassabfüllungen der vielen unabhängigen Abfüller suchen. Deshalb habe ich explizit keinen Stammhändler, sondern nehme bei jedem Kauf die komplette Bandbreite der Händlerlandschaft (minus der zwei Erwähnten 😉 ) ins Auge.

Wo recherchieren?

Ich ziehe parallel vier Quellen heran, um nach dem besten Preis für einen Whisky zu suchen:

  1. DuckDuckGo (Web-Suchmaschine)
  2. Geizhals (Produktsuchmaschine)
  3. Google Shopping (zweite Produktsuchmaschine)
  4. Shoplinks in der Whiskybase (auf Punkt Ⅳ. in diesem Beitrag sei dabei hingewiesen)

Bei der Auswahl des richtigen Anbieters hake ich dann die folgenden Kriterien dieser Reihenfolge nach ab:

  1. Wer bietet den besten Preis (inkl. etwaiger Versandkosten) für die gesuchte Flasche bzw. den gesamten zum Kauf anstehenden Warenkorb?
  2. Ist meine gewünschte Ware dort lagernd verfügbar?
  3. Habe ich bei diesem Händler bereits gekauft und kann bedenkenlos dort bestellen? Falls nein:
  4. Bietet der Händler die Zahlung per PayPal (Stichwort Käuferschutz) oder auf Rechnung an?

Sind diese Fragen geklärt, bringe ich meine Bestellung auf den Weg – bei vielen auch lokalen und regionalen Whiskyhändlern mit angeschlossenem Versandangebot bin ich so bereits Kunde geworden. Und eine schlechte Erfahrung gab es bisher in nur einem Fall (nicht gelieferte Ware von bottleanddrinks.de) – wo jedoch nach einigem sich-Taub-stellen des Händlers mit dem Eröffnen eines Streitfalls beim Zahlungsanbieter die Rückzahlung erfolgte.

Auktionshäuser

Was in dieser Kategorie noch zu erwähnen ist: Online-Whiskyauktionshäuser. Für alte, rare und vergriffene Flaschen sind diese manchmal einzige Bezugsquelle – wenn man sich auch vor dem Bietfieber stets klare Budgetlimits setzen und die bisweilen hohen Gebühren und Versandkosten vor Augen haben sollte.

Ein wichtiger Aspekt beim Blick auf Auktionen ist die Frage nach der Echtheit der angebotenen Flaschen. Es sind leider (vor allem bei hochpreisigen Flaschen) nicht eben selten Fakes in Umlauf – wer sich mit Whiskyauktionen beschäftigen möchte, sollte sich die Plattformen und deren Konditionen also ebenso genau anschauen wie deren Handhabe in Sachen Echtheitsprüfung der angebotenen Whiskies.

Ⅲ. Das Ende der Fahnenstange: gute Freunde 🙂

Drei weitere (tolle) Anregungs- und Kaufquellen sind übrigens noch zu nennen: einerseits sind das Händler auf Whiskymessen, wo sich dort veröffentlichte, später schnell vergriffene Abfüllungen sichern lassen und grundsätzlich das Preisniveau wirklich prima ausfallen kann.

Dann wären da noch die Hinweise anderer Whiskyenthusiasten in den Schnäppchen-Threads der Whiskyforen. Auf manches Angebot wurde ich dort aufmerksam und konnte nicht anders als zugreifen.

Und last – but absolut mal not least – lautet meine Lieblingsressource: Whiskybekanntschaften! Mancher Mitgenießer baut einen Kontakt zu einem speziellen Abfüller auf oder sitzt aus diesen oder jenen Gründen etwas näher an mancher Quelle als Otto Normalverbraucher, wenn es um rare und begehrte Whiskies geht. Hiervon zu profitieren, ist für mich bisweilen Gold wert.

Und auch der Flaschentausch unter Genießern ist ein probates Mittel, ohne exorbitante Ausgaben an ersehnte Whiskies gelangen zu können.

Schwarzer TWA gegen Ente?“ – „Deal!“
An vergriffene Abfüllungen gelangen Genießer bisweilen durch einen Flaschentausch unter Whiskybekannten.

Derartige Bekanntschaften sind übrigens in meinem Fall allesamt durch die Aktivität in Whiskyforen und aus Begegnungen auf Whiskymessen erwachsen.

Ein Fazit

Soviel zum Thema „Whisky kaufen wo“ und vielleicht zur Überflüssigmachung einer derartigen Suchanfrage. 🙂 Findet ihr gerade ins Thema Whisky, lasst Euch persönlich beraten. Rutscht ihr tiefer in dieses Hobby, schaut Euch immer flächig um, um preisorientiert und sicher einzukaufen. Und am besten: seid keine Insel. Bekanntschaften und befreundete Whiskyliebhaber bieten Tipps, weisen Euch auf spezielle Abfüllungen hin und machen manchmal scheinbar Unmögliches möglich, um an spannende Flaschen zu gelangen. Das halte ich mit Blick auf entstandene Freund- und Bekanntschaften für unendlich wertvoll – weit über den finanziellen Aspekt hinaus.

Damit einen schönen Sonntag Euch allen,
Seb

Danksagung: Die Erwähnung von Whiskyauktionen in diesem Beitrag hatte ich komplett vergessen – darauf hat mich netterweise Leser Bruno59 hingewiesen, sodass ich diesen Aspekt nachtragen konnte. Dank dafür!

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