Öffentliche regulars-Tastings

Tasting „Oh, wie schön ist Campbeltown – von handwerklicher Whiskykunst“

8. Februar 2019, im Wallhecken-Umwelt-Zentrum Ostfriesland in Leer

Moin ihr,
trotz des Trends zu massiver Computerisierung, Automatisierung und Großkonzernisierung (kann man das so sagen? Na ihr versteht schon …) der schottischen Whiskydestillerien existieren noch einige wenige Ausnahmen. Brennereien, die sich seit Generationen in Familienbesitz befinden und in denen noch nach handwerklicher Kunst personalintensiv Whisky gebrannt wird wie vor hunderten von Jahren.

Paradebeispiel für diese rare Gattung ist die Springbank Distillery in Campbeltown. Und eben dieser Brennerei samt deren Abfüllungen haben sich in unserem öffentlichen Tasting am vergangenen Freitag 25 Gäste genähert. Wobei – halt – es waren nur 20, eine um sich greifende Magen-Darm-Welle hat uns spontan glatt eines Fünftels unseres Auditoriums beraubt. Naja – obwohl – eigentlich waren es 22, da die Ostfriesen-Zeitung vertreten durch Redakteurin und Fotograf in diesen Tastingabend eintauchte. Doch damit genug der Zahlenspiele.

Es versammelte sich also eine gewohnt gut gelaunte Gästeschar im Wallhecken-Umwelt-Zentrum Leer. Ein Drittel der Teilnehmer waren erstmals zu Gast bei einer unserer Veranstaltungen, sodass Seb mit ein paar einführenden Worten zu unserem nichtkommerziellen Konzept und den nicht nur finanziell angenehmen, sondern auch in Hinblick auf Werbedruck und Verkaufsziele entspannenden Seiteneffekten dieser Handhabe den Abend einläutete.

Dann sollte alles Weitere in den fähigen Händen von Oliver ‚krimoldo‘ Ferdinand liegen: hängt das Herz des Schortenser Wissenschaftlers doch seit 2011 am Thema Whisky – mit besonderer Präferenz unter anderem für Springbank.

Führte uns ein in die besondere Maltkunst Campbeltowns: Oliver ‚krimoldo‘ Ferdinand

Oliver stellte das einzigartige handwerkliche Konzept der Brennerei sowie die drei Typen Spirit, die dort erzeugt und unter verschiedenen Markennamen vertrieben werden, vor:

  • den dreifach destillierten, nicht rauchigen Hazelburn
  • den zweifach destillierten, rauchigen Longrow
  • die Mischung beider Spirits, den (mathematisch, nicht faktisch) zweieinhalbfach destillierten, leicht rauchigen Springbank

Mit dem nichtrauchigen Stil von Hazelburn starteten wir in den Abend – die zehnjährige Standardabfüllung machte den Auftakt im Glas:

Hazelburn 10-year-old

Vanille und Crème Brûlée, getragen vom leichten und feinen Spirit des Destillats sorgten für zufriedene Gesichter im Rund.

Eine auf 9.000 Flaschen limitierte Hazelburn-Sonderedition von 13 Jahren Alter, gereift in Oloroso-Sherryfässern, sollte folgen:

Hazelburn 2004

Geradliniger, sauberer Sherry mit marginaler Schwefelnote stand vor, das fragile Destillat ging darunter fast ein wenig verloren. Ein Sherrydrücker, der Spaß ins Glas brachte, jedoch nicht als Komplexitätswunder zu gelten vermochte.

Spaß im Glas – daran bestand durchweg kein Mangel.

Nach den zwei Hazelburns sollte es Zeit werden für etwas gediegenen Rauch und ein grundsätzlich deutlicheres Aromenprofil: Referent Oliver setzte einen Springbank auf die Karte – Dram Nummer drei sollte die 12-jährige Abfüllung des Hauses in fassstarker Version werden:

Springbank 12-year-old

Neben dem prägnanteren Brennereicharakter machten die über 56 Vol.-% Alkohol diesen Whisky zu einem deutlich stärkeren Erlebnis für unsere Gaumen als seine Vorgänger. Wuchtig, aber komplex. Vollmundig, aber in Balance. Ein großartiger Malt!

Ehe wir uns so recht versahen, waren damit drei Drams probiert und wir fanden uns in der Halbzeitpause wieder. Drei weitere Campbeltowner hatten ebenfalls ihren Weg nach Logabirum gefunden – was würde uns im Fortgang noch erwarten?

Nach dem Ende der Pause folgte ein erster Teil der Antwort auf dem Fuße – ein Springbank mit 15 Jahren Alter wanderte in unsere Gläser:

Springbank 15-year-old

Schöne Sherrytönigkeit, anteilig stärker als bei den anderen Springbanks des Abends – ebenfalls ein bemerkenswerter Whisky!

Oliver reichte uns Gästen weiter Details über die Zusammensetzung der gereichten Abfüllungen und tauschte im Dialog Assoziationen und Eindrücke des Errochenen und Erschmeckten mit dem Publikum aus.

Manche geäußerte Geruchs- oder Geschmacksassoziation sorgte unweigerlich für Lacher – nicht nur im Publikum, sondern auch bei Referent Oliver Ferdinand.

Dram Nummer fünf sollte das vermeintliche Highlight des Abends darstellen: die 18-jährige Qualität von Springbank.

Springbank 18-year-old

Komplexität satt! Wir schwelgten über dem vielseitigen Geruchsfaszinosum, dass uns aus unseren Tastinggläsern umwehte. Und genossen ihn als auch im Geschmack erstklassigen Whisky.

Einen Moment allseitig bedächtiger Stille beim Verriechen des Springbank 18 nutzte Seb, um schnell ein Set mit zwei Whiskysniftern (Dank dem Spender im Hintergrund!) unter den Anwesenden zu verlosen. Dem gezogenen Gewinner wünschen wir allzeit viel Freude daran!

Doch zurück zu den an diesem Abend eindeutig relevanteren Gläsern – den Tastinggläsern: der letzte Dram im Lineup stellte ganz bewusst einen krassen (Rück)Schritt dar: mit einem Longrow sollte eine stark rauchige Abfüllung gereicht werden. Konkret mit dem Longrow Peated ohne Altersangabe dazu eine sehr junge und wilde:

Longrow Peated

Und tatsächlich fegte der starke Raucher in ganz anderer Art als die vorhergehenden Springbanks über uns hinweg. Spaßwhisky für Freunde des Rauchs – und eine zusätzliche, interessante Facette aus dem Springbank-Portfolio, die uns näher gebracht wurde.

Was für ein Abend: zufriedene Gesichter allenthalben. Und auf die fast zur Tradition gewordenen Fragenkette: „Alle zufrieden? Alle genug gehabt? Alle Lust auf den Heimweg?“ folgte das eindeutige „Nix da! Einer würde noch passen!“ aus dem Gästeblock. Und wie sollte es anders sein: Oliver hatte noch einen Bonus-Dram als Überraschung zur Hand.

Die Zugabe im Glas fiel ebenfalls einem Longrow zu. Dem 18-jährigen Longrow, einer auf 4.800 Flaschen limitierten Ausgabe, um genau zu sein:

Longrow 18-year-old

Für viele Gäste setzte dieser letzte Dram einen mehr als passablen Schlusspunkt: die Komplexität eines Springbank 18, verbunden mit einem Mehr an Rauch machte den Longrow 18 für viele zum genussvollsten Dram des Abends. Ein veritables Ende für einen tollen Tastingabend!

Mit Applaus und Dank an Oliver sollte dieser dann enden. Wobei unsere Tastingabende ja eigentlich nie so richtig enden wollen: Seb umriss kurz, was für das nächste öffentliche Tasting im April geplant ist – nämlich lieber Besuch aus Brühl bei Köln steht uns ins Haus. Wir werden uns dem Brühler Whiskyhaus und seinen Eigenabfüllungen zuwenden – und mit Friedel ‚Smösch‘ Schmitz einen guten Freund aus dem regulars-Freundeskreis einerseits und gleichzeitig Mitarbeiter des Brühler Whiskyhauses andererseits als unseren Referenten begrüßen dürfen.

Und damit sollte der moderative Teil des Abends dann tatsächlich enden. Wie üblich waren alle Gäste, die sich wohl fühlten und noch etwas Zeit bei und mit uns verbringen wollten, eingeladen, dies zu tun – was sie wie stets sehr zu unserer Freude in fast voller Besucherstärke auch taten.

Neu in dieser „Post Show“ des Abends war, dass nicht die letzten übrig gebliebenen Tropfen aus den Tastingflaschen nachverkostet werden konnten (diese lassen wir fürdehin dem unentlohnten Referenten zufallen und vermeiden somit auch die zwangsläufigen Ungerechtigkeiten beim Ausschenken kleiner Restmengen an viele Interessenten), sondern wir für jeden, der sich noch fit in Nase und Gaumen fühlte, eine Auswahl aus drei dem Thema des Abends angepassten weiteren Campbeltown-Malts mitgebracht hatten.

So konnten wahlweise noch ein Kilkerran 12, ein 24-jähriger Sherry-Springbank oder ein exklusives 25-jähriges Springbank Private Cask zum Selbstkostenpreis probiert werden. Und da das Timing perfekt passte, waren zudem noch zwei brandneu veröffentlichte Abfüllungen unseres Freundes Peter von der East Village Whisky Company verfügbar: ein 17-jähriger Blended Malt sowie ein Caol Ila von 12 Jahren.

In einer hochgemütlichen und über die Zeit langsam schrumpfenden Runde verfloss noch ein Quantum Zeit in Geselligkeit, bis um Mitternacht das WUZ verschlossen wurde – um seine Pforten für uns am 12. April erneut zu öffnen.

Wir freuen uns darauf – und auf Euch!
Seb

PS: Gute Nachrichten gibt es für unsere fünf Erkrankten und damit Ferngebliebenen: die Whiskies des Abends stehen für Euch schon als Sampleset bereit – Euer Ticketpreis soll nicht sinnlos investiert gewesen sein und nach Gesundung mögt ihr zumindest in Form einer häuslichen Nachverkostung unserem Tastingabend mit Campbeltowns Schätzen gern nachspüren können 🙂

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