Öffentliche regulars-Tastings

Tasting „In sechs Tropfen um die Welt –
eine Whisky-Weltreise“

14. Dezember 2018, im Wallhecken-Umwelt-Zentrum Ostfriesland in Leer

Moin ihr,
zwei Monate können sich ganz schön lang anfühlen – vor allem, wenn man etwas freudig entgegensieht. Für unser Dezember-Tasting war das bei mir der Fall: sollte dies doch das erste Tasting werden, bei welchem unser mit-regular und „Whisky-Internationalist“ Joschie Bieder als Moderator uns auf eine Reise einmal um den Globus mitnehmen würde.

Nachdem Joschie das Konzept ausgefeilt hatte und wir regulars-intern schwer begeistert davon waren, starteten wir nach dem Oktober-Tasting den Kartenvorverkauf und waren gespannt auf die Resonanz. Und siehe da: binnen unserer dreitätigen Reservierungsfrist erreichten uns ganze 42 Ticketanfragen für die 25 zur Verfügung stehenden Plätze. Wow!

Eine damit leider notwendige Ticketauslosung wurde eingeschoben, Zusagen wie Absagen wurden versandt und wir zum Zuge gekommenen Glücklichen durften uns also fast zwei Monate lang auf den 14. Dezember freuen.

Am vorgestrigen Freitag war es dann endlich soweit: das WUZ öffnete für das nun 5. Öffentliche regulars-Tasting erneut seine Tore und trotz einer fast epidemisch grassierenden Erkältungswelle waren nur zwei der 25 Gäste krankheitsbedingt spontan verhindert, sodass sich der Seminarraum schnell füllte.

Dieses Mal kein Whisky aus Schottland. Dafür eine gustatorische Reise rund um den Erdball.

Nach kurzer persönlicher Vorstellung und einer Einführung in die Pläne für dieses besondere Tasting wanderte der erste von Joschie ausgesuchte Tropfen in die Gläser: aus Logabirum startend machten wir uns auf einen Transantlantikflug, denn mit dem siebenjährigen Baker’s sollte Whiskey Nummer 1 ein Bourbon aus den USA sein.

Baker's 07-year-old

Der süße und dennoch würzig-intensive Dram gefiel – dass jenseits von schnödem Jim Beam White Label in den Lagerhäusern der Großbrennerei derart feine Bourbons wie der Baker’s reifen, stellte für viele Gäste eine positive neue Erkenntnis dar.

Nach diesem Einstieg galt es, die Koffer gedanklich direkt wieder zuzuklappen – wir reisten weiter nach Asien, genauer Taiwan. Für den Stil des schnell reifenden, jungen und intensiven Whiskies aus dem besonderen Klima Taiwans hatte Joschie den im Portfass gefinishten Concertmaster von Kavalan gewählt. Allseitige wohlige Murmellaute machten klar, dass der Taiwanese sich mit seinen nur 40% Alkohol problemlos gegen den vorherigen 53%er durchsetzen konnte und auf großen Gefallen stieß.

Kavalan Concertmaster
Führte durch den Abend und inszenierte von vielen Döntjes durchsetzt eine mehr als heitere Whisky-Weltreise: Fanjoscha „Joschie“ Bieder.

Das nächste Land auf unserer Entdeckungsreise sollte das mit der neben Schottland ältesten Whisk(e)ytradition sein: Irland. Aus dem reichen Fundus toller Abfüllungen der grünen Insel hatte sich Joschie für die 15-jährige Abfüllung von Redbreast entschieden. Schöne Fruchtaromen und harmonisch zum Gesamtbild beitragende Sherrytöne machten den komplexen Dram zu einer exzellenten Wahl.

Redbreast 15-year-old

Nach damit drei erfolgreich wie genussvoll absolvierten Etappen wurde es auf halber Strecke Zeit für eine kleine Verschnaufpause. Nachdem Joschie eingangs verraten hatte, dass Länder wie Kanada, Italien, Dänemark und Island an diesem Abend keine Genussreiseziele werden würden, wurde fleißig spekuliert, Whiskies welcher drei Nationen wohl noch in die Gläser fließen würden.

Gut eine Viertelstunde Pause später war klar: Deutschland würde Whisky Nummer 4 stellen. Genauer gesagt die geografisch Leer nächstgelegene Whiskybrennerei, die „Lübbehusen Malt Distillery“ aus Emstek im Cloppenburger Land. Erst 2014 eröffnet floss deren allererste veröffentlichte Abfüllung in unsere Gläser. Mit leichtem Rauch, Sherry und einem druckreichen Destillat nach Meinung vieler eine der definitiv besten Abfüllungen aus Deutschland.

The Lübbehusen 2014 - First Batch

Keine Zeit für Rast und Ruh, denn schon ging es weiter – immerhin: für den fünften Whisky des Abends war der nächste Reiseabschnitt gar nicht so lang. Wir begaben uns nach Schweden in das Dörfchen Mackmyra, rund 170 km nördlich von Stockholm gelegen. In dessen gleichnamiger Destille entstehen Whiskies, die mitten ins Whiskyliebhaberherz von Referent Joschie treffen. 

Lag auf der Hand: die schwedische Brennerei Mackmyra ist Joschies ganz große Liebe – entsprechend leidenschaftlich präsentierte er Informationen über die Destille und deren Abfüllungen.

Wir durften uns von der Qualität der skandinavischen Brennerei anhand eines „Svensk Ek“, gelagert in schwedischer Eiche, überzeugen. Viele helle Früchte und Zitrusnoten sowie spürbares Holz auf der Gegenseite machten den Mackmyra zu einem interessanten Dram.

Mackmyra Svensk Ek

Nachdem der Schwede genossen und die Gläser mit Wasser ausgespült waren, galt es ein letztes Mal einen Sprung zu machen – in deutlich wärmere Gefilde. Indien hat eine lange Whiskytradition, der rauchige „Peated Indian“ von Amrut aus Bangalore zeigte (nicht unähnlich dem Taiwan-Erlebnis vom Anfang des Abends, jedoch mit ganz anderer Ausprägung) wie sich klimabegünstigt verhältnismäßig sehr junger Spirit nach nur wenigen Jahren Reifung sehr intensiv und großartig entwickeln kann. Auch mit viel Wasser verdünnt konnte die fast 63% starke Fassstärke geschmacklich überzeugen.

Amrut Peated Indian

Was für ein Abend, was für ein Trip! Mit vielen Informationen zu jeder Brennerei und Abfüllung versorgte Joschie uns auf das Beste nicht nur mit leckeren Drams im Glas, sondern mit viel Wissenswertem zur Whiskyproduktion in aller Welt.

Am Ende des Line-ups angekommen zauberte Joschie noch eine Verlosung aus dem Hut: Dank eines edlen Spenders winkte einerseits ein 2er-Set Whisky-Snifter von Schott Zwiesel, Dank Joschie selbst gab es andererseits ein Set bestehend aus vier (natürlich dem Anlass angemessen nicht-schottischen) Whisky-Samples zu gewinnen. Glückwünsche den ausgelosten Siegern – viel Freude an den Gewinnen!

Sehr zum Vergnügen des Publikums überraschte Joschie dann übrigens final auch noch mit einem Bonus-Dram: japanischer Whisky ist arg gefragt, sehr teuer und hat einen unglaublich guten, fast mythischen Ruf. Joschie hatte eine Flasche Komagatake Shinanotanpopo von Shinshu organisiert, der als siebte Abfüllung nun nochmals eine geschmacklich neue Seite für uns aufschlug.

Jung, frisch, floral und „irgendwie anders“ zeigte sich dieser Exot mit Anklängen von säuerlichen Früchten und Honig. Eine Erfahrung wert und spürbar ein Whisky aus einer anderen Welt – Dank für diese Erfahrung! Wobei zu bemerken ist, dass das Preisleistungsverhältnis bei japanischen Whiskies immer kritisch hinterfragt werden sollte – dieses geht leider immer seltener auf. 

Shinshu Komagatake

Damit war nach nur knapp drei Stunden schon wieder ein toller, gemütlicher und hervorrangend organisierter Tastingabend Geschichte. Wie stets verbrachte der Großteil der Gäste dennoch ein weiteres Stündchen mit uns in Gesprächen, bis die Reihen sich lichteten und um Mitternacht ein schöner Abend sein Ende finden sollte.

Großer Dank gilt Joschie für ein tolles Tasting!
Dank gilt allen Gästen fürs Kommen und für die schönen Stunden!

Wir freuen uns im Februar auf ein Wiedersehen mit Euch – auf alte Bekannte ebenso wie neue Gesichter. Bis dahin schöne Feiertage und einen tollen Jahreswechsel wünschen
Seb und die regulars

PS: Wobei – Halt! – etwas habe ich doch glatt noch unterschlagen: ebenfalls anwesend an diesem Abend war noch ein weiterer regular: Oliver bzw. ‚krimoldo‘. Dieser wird unseren nächsten Tastingabend im Februar 2019 gestalten und moderieren. Oliver ließ sich am Ende des Abends ein paar Worte über sein Thema für Februar entlocken: wir werden uns mit der einzigartigen schottischen Whiskyregion Campbeltown und deren Whiskies beschäftigen. Tja, aber bis dahin sind es nun wieder fast zwei Monate, in denen uns die Zeit der Vorfreude hoffentlich nicht allzu lang wird …

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