Wissen & Meinungsbeiträge

Whisky versenden?
Hey: was kann da schon schiefgehen?

9. Dezember 2018, Tja: unser aller Paketsendungen mit Whiskyflaschen oder Samples sind meist nicht gegen Beschädigung versichert.

Moin ihr,
manchmal lernt man ja erst, wenn es reell schmerzhaft wird. Wie vielleicht viele von Euch habe ich beim privaten Sample- und Flaschenversand ganz einfach vorausgesetzt, dass der Versand beispielweise mit DHL bis zu einem Warenwert von 500 € versichert ist. Soweit Theorie und werbliche Anpreisung.

Ich kam jedoch einmal in die Verlegenheit, darauf zurückgreifen zu müssen: eine Sendung, bestehend aus einem Sample und einer Flasche, hatte ich per DHL zu versenden versucht. Leider erreichte die Sendung den Empfänger nicht, sondern geschlagene sechs Tage später wiederum mich als Absender. In einem Zustand, als hätte ein Lkw darauf gewendet – und das ist nicht im übertragenen Sinne zu verstehen: so eine Flaschenkartonage misst normalerweise rund 38 x 12 x 12 cm; der mich retour erreichende, klatschnasse Pappbrei- und Scherbenhaufen entsprach hingegen eher der Dimension 45 x 20 x 5 cm – sprich: Paket und Inhalt waren ausgerollt wie ein Keksteig. Die Sendung bestand (bevor die DHL werweißwas damit angerichtet hat) aus einer mehrwelligen, dicken Kartonage, in welcher ich Flasche und Sample (beide mit mehreren Lagen Luftpolsterfolie ummantelt) mit Styroporflocken aufgefüllt hatte, bis sich nichts im Paket mehr hätte bewegen können.

Bringen mitnichten Glück: Scherben aus der Provenienz einer vormals intakten Whiskyflasche, die man für mehr als ausreichend gepolstert und damit DHL-versandsicher hielt.
Foto: © Magnus Cramer

„Nützt ja nichts“, dachte ich – schließlich hatte sich mein Empfänger ja bewusst für versicherten Paketversand entschieden. Da die Vollprofis der DHL mir zwar einen triefenden Matschfetzen voller Scherben mit informativem „Ihre Sendung wurde beschädigt“-Sticker (mal gut, dass das draufstand) zugestellt hatten, jedoch keinerlei Hinweis zum Thema „wie Sie einen Versandschaden reklamieren“, machte ich mich im Netz schlau und lud mir das passende Schadensanzeigeformular herunter.

Mit diesem musste ich dann den triefenden Siffhaufen, der mal feinster Single Malt war, zur Weiterleitung zur Prüfung durch die DHL in eine Postfiliale bringen, wo die Angestellte den klebrigen Paketrestklumpen absolut angewidert ansah und selbst nicht begreifen konnte, warum DHL das „beschädigte Paket“ (was für ein Euphemismus) nicht gleich untersucht hatte, da der Schaden ja „augenfällig“ sei. Also ging die Sendung erneut auf Reisen und nach weiteren fünf Tagen kam ein kleines Päckchen bei mir an. Enthaltend das *unbeschädigte* Sample, klebrig und mit völlig versifftem Etikett, jedoch ansonsten noch am Leben sowie den Hinweis, man würde sich in der Sache bei mir melden.

Dann geschah: nix.

Neun Tage harrte ich aus, um dann bei DHL mal freundlich nachzuhaken, wie es denn mit der Rückerstattung des zerstörten Wertes aussähe. Die Antwort folgte – in artgerechtem DHL-Tempo – drei weitere Tage später (fürs Protokoll: wir waren nun bei Versandtag plus 24). Aus dem Schreiben der DHL:

„Die fachkundige Beurteilung ergab, dass die Sendung nicht AGB-konform verpackt war, da die von Ihnen verwendete Innenverpackung nicht ausreichend war. Für derart empfindliche Gegenstände ist eine ausreichende Dämmung unbedingt erforderlich. Wir bitten um Ihr Verständnis, dass wir in diesem Fall keine Haftung übernehmen können.
Laut unseren AGB sind Paketsendungen so zu verpacken, dass sie vor Beschädigung geschützt sind. Näheres bestimmen die Versandbedingungen DHL PAKET NATIONAL/INTERNATIONAL.“

Ich wollte nicht glauben, was ich las. Und nahm mir dann die DHL AGB PAKET/EXPRESS NATIONAL vor:

3.4: „[…] Der Absender wird die Sendung so verpacken, dass sie vor Verlust und Beschädigung geschützt ist und dass auch DHL und Dritten keine Schäden entstehen. Näheres bestimmen die „Versandbedingungen DHL PAKET NATIONAL und INTERNATIONAL”. Die §§ 410, 411 HGB bleiben unberührt.“

Soweit, so gut, dachte ich; das sah ich als gewährleistet an. Werfen wir also noch einen Blick auf die Versandbedingungen DHL PAKET NATIONAL und INTERNATIONAL:

3.1.1 „Alle Sendungen müssen nach Inhalt, Art der Versendung und Umfang sicher verpackt sein. […]“

3.2 „SICHERE VERPACKUNG
(1) Die Verpackung der Sendungen muss dem Inhalt entsprechen und so beschaffen sein, dass die Versandgegenstände vor Verlust und Beschädigung geschützt sind und keine anderen Sendungen beschädigt werden. Die Verpackung muss den Inhalt der Sendung gegen Belastungen, denen sie normalerweise während der Postbeförderung durch Druck, Stoß, Vibration und Temperatureinflüsse ausgesetzt ist, sicher schützen und hinreichend fest, druckstabil und ausreichend biegesteif sein. Wenn erforderlich, ist eine ausreichende Innenverpackung vorzusehen und durch Füllstoffe zu ergänzen. Die Innenverpackung muss die Inhaltsteile fixieren und transportempfindliche Inhalte allseitig polstern. Bei transportsensiblen Inhalten muss die Verpackung auf deren besondere Empfindlichkeit abgestellt sein und Eigenart, Menge sowie alle anderen Besonderheiten im Einzelfall berücksichtigen.

(2) Je schwerer eine Sendung ist, desto widerstandsfähiger muss der Verschluss ausgeführt werden. Er garantiert den Sendungszusammenhalt und dient gleichzeitig als Originalitätsnachweis.

(5) Für Wein, Sekt, Bier, Mineralwasser und Spirituosen in Glasflaschen, Ton- oder Steinzeugflaschen sind am Markt erhältliche Versandverpackungen, die mit dem DHL Prüfzeichen und einer DHL Prüfnummer (DHL zertifizierte Flaschenversandverpackung) gekennzeichnet sind, zu verwenden. Für den Versand einzelner Flaschen bietet DHL das Produkt Packset F an.

(6) Die Verschlüsse von Flüssigkeitsverpackungen müssen auch in Seiten- oder Kopflage eine ausreichende Dichtigkeit aufweisen. Schraubverschlüsse und -kappen sind mit dem von den Herstellern empfohlenen Drehmoment anzuziehen. Funktionsverschlüsse (z. B. Sprühkopf-, Spender-, Kipp- und Drehverschlüsse) müssen gegen unbeabsichtigte Öffnung gesichert werden.

Was denke ich nach dem Studium dieser Versandbedingungen?

  • Ich bin selbst Schuld.
    Ich hatte mir vorab die DHL AGB PAKET/EXPRESS NATIONAL mal durchgelesen. Das Waren so zu verpacken sind, dass Sie vor Beschädigung geschützt sind, war mir klar und ich hätte Stein und Bein geschworen, dem mit meiner Verpackung genüge getan zu haben. Die Versandbedingungen DHL PAKET NATIONAL und INTERNATIONAL habe ich jedoch nie gelesen. Also: ich habe nicht die geforderte Verpackung gewählt und damit keinen Anspruch auf Erstattung. Punkt. Kann ich einsehen.
  • Lehrgeld muss sein:
    ich habe meinem Käufer seine Kaufsumme zurücküberwiesen. Biete ich jemandem versicherten Versand an, liegt es in meiner Pflicht, das auch zu gewährleisten.

Weshalb ich diese Geschichte mit Euch teile? Ich habe daraus Konsequenzen gezogen und Ihr könnt Euch einen Schaden wie den meinen ersparen.

  • Möchte ich eine einzelne Flasche versenden, kann ich wahlweise ein Packset F (für 2,49 €) oder eine andere, DHL zertifizierte Flaschenversandverpackung nutzen und das auf meine Versandkosten aufschlagen. Für größere Flaschenmengen gibt es ebenfalls „DHL zertifizierte Flaschenversandverpackungen“ zu meist atemberaubenden Preisen zu erwerben. Kaum jemand hat jedoch (außer, es geht um Flaschen von exorbitantem Wert) ein Verständnis dafür, zu den Paketkosten nochmal 2,50 – 3,00 € für eine Versandkartonage aufzuschlagen; von daher keine glückliche Lösung. Auch wenn ich mich umschaue, habe ich derartiges bei anderen privaten Anbietern noch nicht gesehen.
  • Für Samples greift das alles nicht: ich habe mir einige Erfahrungsberichte zum Thema „Sendung verloren, DHL lässt mich im Regen stehen“ durchgelesen, das Netz ist voll davon. Ich muss defintiv davon ausgehen, dass, wenn ich Samples in eine solche teure Versandkartonage stecke und mehrere davon, egal wie dick mit Luftpolsterfolie umwickelt, in einer für eine Großflasche bestimmten Kartonage versendet werden, mir DHL sofort vorwerfen würde, die Verpackung sei nicht ausreichend gewesen, wenn das nächste postgelbe Kettenfahrzeug aus einer meiner Sendungen Maltmuß machen würde. Speziell für mehrere kleine Sampleflaschen gibt es keine mir bekannte, DHL zertifizierte Verpackung. Und wo nur ein Quäntchen Lücke oder Zweifel bleibt, mit derer die DHL Schadensersatzansprüche abweisen kann, wird sie sicherlich weidlich Gebrauch davon machen. Wie gesagt: das Netz ist voll von (negativen) Erfahrungsberichten dazu.

Ein Fazit

Seit dieser Erfahrung kennzeichne ich meine Flaschenteilungen und Flaschenverkäufe stets mit einem deutlichen „keine Versandhaftung“ als Hinweis.

Ich verpacke natürlich weiterhin bestmöglich gepolstert mit üblichen Kartonagen zu üblichen Preisen, das Risiko bei einer Beschädigung jedoch werde ich jedoch nicht noch einmal übernehmen. Die DHL (wie auch Hermes und GLS) stellt Anforderungen, die sich in meinen Augen nur mit enormen Zusatzkosten (Flaschenversand) bzw. gar nicht (Sampleversand) erfüllen lassen. Mit dem Einliefern einer nach bestem Wissen und Gewissen verpackten Sendung beim Versanddienstleister nach Wahl des Käufers endet als privater Versender meine Haftung.

Mit allen Flaschenteilungen und Samples verdiene ich keinen müden Cent, sondern stecke umgekehrt Aufwand in die Sache, den ich mir als Danke an die anderen Teiler in den Whiskyforen nicht vergüten lasse. Ein Nullsummenspiel halt, alles gut soweit. Übernähme ich (wie in diesem einen Fall Ehrensache) jedoch die Gewähr für eine Versandversicherung, die de facto nicht besteht, finge ich an, finanziell Minus zu machen. 80 Euro Lehrgeld an den Empfänger der Sendung aus diesem Artikel sollen mir genügen – und Euch erspart bleiben.

Habt im Hinterkopf, dass beim Paketversand von Whisky, ob Flaschen oder Samples, eine Versandversicherung nicht gegeben ist – es sei denn, es werden keine Samples, sondern nur Flaschen in dafür vorgesehenen, speziell DHL zertifizierten Flaschenversandverpackungen ordnungsgemäß verpackt und verschlossen verschickt. Wenn es sich nicht gerade um Geschenksendungen handelt, teilt Euren Käufern vor dem privaten Verkauf mit, dass dem so ist und Ihr die Haftung für das Versandrisiko ausschließt.

Beste Grüße,
Seb

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