Stammrundentastings

60. regulars-Treffen

30. November 2018, »Rhythmische Sportgymnastik«, bei Joschie in Leer

Moin ihr,
3,8 km Fußweg mit Vorfreude in den Taschen führten mich am Freitag zum November-Tastingabend der regulars-Stammrunde. Joschie war so nett, ein munteres Fünferründchen bei sich auszuhalten und tischte nach dem obligatorischen „En­t­ree mit Tee“ das Stammgetränk auf, für das wir uns versammelt hatten.

In Runde 1 trat ein Dailuaine, wie nur für mich gewählt, an. Den trockenen Brennereicharakter verehre ich ja über alle Maßen – schöne frisch-süße Zitrone voran im Mund bis zum trockenen Abgang machten den Dram zu einem gelungenen Amuse-Gueule.

Dailuaine 2001 Wy

Wäre der zweite Malt nicht aus einem Sample geflossen, hätte Staub gefeudelt werden müssen: ein Dalmore 12, abgefüllt vor 1990, flüsterte dem Ründchen mal deutlich, was Old Bottle Flavour ist – nämlich eine feine Sache!

Dalmore 12-year-old

Dram Nummer 3 sollte die 18-jährige Glenallachie-Originalabfüllung werden. Wurde sie dann auch. Diese ließ uns jedoch eher mäßig begeistert zurück: Bitterkeit, Säure und ein Aromenspiel, dass weder stimmig war noch fröhlich stimmte. Nun ja, dazulernen ist alles.

Glenallachie 18-year-old

Vor dem Halbzeitgong kam Deanston-Fanboy Joschie nicht umhin, uns noch mit einem 18-jährigen Highlander aus dem berühmten Backsteinbau zu beglücken. Im Pomerol-Weinfass gereift auch ein Kandidat für die Schublade „Geschmackssache“, im Gros der Runde jedoch Grund genug, ein Lächeln in die Gesichter zu zaubern.

Deanston 1999 IM

Und damit hieß es Halbzeit! Bei pfundweise Käse verschiedenster Provenienzen wurden die Gaumen bestmöglich neutralisiert und die Mägen für ein paar weitere Drams frisch fundamentiert. Durch die Bank superlecker – Dank dem edlen Spender!

Mit Sicherheit induziert durch die vorangegangen Drams entsponn sich kurz eine sehr schräge Diskussion um das Thema „Rhythmische Sportgymnastik“. Joschie fand zu seinem Entsetzen keine anderen Anhänger dieser Sportart im Raum, musste ebenfalls ernüchtert feststellen, dass er bei der Erwähnung von Magdalena Brzeska in ausschließlich leere Gesichter blickte und einzig die Rückfrage erntete, wo denn genau die Trennlinie zwischen den guten alten Sexy Sport Clips im damaligen DSF und dieser Sportart mit Gummiball, Hula-hoop-Reifen und Flatterband am Stiel zu ziehen sei. Armer Joschie – wir Banausen auch!

Wir wendeten uns also schnell wieder neuen Glasinhalten zu. Und da gab’s Grund zum Konsens: der 24-jährige Epitome, ein sherrylastiger Maltbarn-Blend wusste zu gefallen. Nicht quietschsüß, sondern ein rundes, reifes Sherryprofil mit Tiefe. Geilo!

Epitome 1993 MBa

Wo waren wir noch beim Zählen? Ach ja: Nummer sechs stand an. Und nun kam’s dicke: ein nur 5-jähriger Amrut, gebottelt für den französischen Wein- und Spirituosenhändler Cave Conseil in Manosque zeigte mit 62,8%, was Fassstärke ist. Eine wunderbar-intensive Nase voller Fruchtigkeit ließ die Vorfreude steigen. Die Erkenntnis, dass ein Bourbonfass von nur fünf Jahren im Vergleich zu einem 10-jährigen in Schottland gelagerten nur die Hälfte an Whisky im Fass übrig gelassen hatte, verriet viel über die indischen Reifungsbedingungen. Was für ein intensiver Geschmack! Was hatte dieses Fass zu bieten! Sündhaft teuer aber unglaublich schön, ihn mal im Glas gehabt zu haben. Indien kann was – danke Joschie!

Amrut 2013 LEG

Mit dem siebten Dram galt es ein kleines Freudentränchen zu vergießen: dieser sollte für mich tatsächlich der zweitausendste probierte Whisky sein. Oha. Mehr als Grund zur Freude allemal: ich liebe Whisky als Hobby wie am ersten Tag und entdecke ständig Neues. Umso schöner, dass der 2.000ste Dram der erste jemals abgefüllte Kilchoman mit 12 Jahren Alter sein sollte. Ein respektables Fass – wobei ich den Kilchoman-Charakter derart schätze, dass ich da sehr schnell zu begeistern bin 🙂
Aber auch im Rund allfälliges Nicken und pure Freude in den Gesichtern: ein toller Malt!

Kilchoman 2006

Wo wir mit dem Kilcho beim Rauch angekommen waren, lag auf der Hand, dass es mit dem letzten Dram nicht unrauchig weitergehen würde. Joschie griff noch einmal tief in die Trickkiste und zog den neuen Port Charlotte MRC:01 hervor. Ich träumte noch etwas vom vorangegangenen Kilchoman – meine Mitstreiter ließen sich den PC schmecken. Ein würdiger Abschluss!

Port Charlotte MRC:01

Wobei – Schluss bedeutet ja eigentlich nie Schluss. Es gab noch die obligatorische „Post Show“ nach dem Tasting. In Form eines zweiten Dailuaine. Hach. Hach. Hach.
30 Jahre alt. Im Bourbonfass gereift, im Rumfass gefinisht. Gemeinsam gingen wir in Begeisterung für diese Abfüllung auf – was für ein würdiges Ende eines tollen Abends!

Dailuaine 1983 AC

Und damit endete die tatsächlich schon sechzigste Zusammenkunft unserer regulars-Stammrunde. Seit 2012 im Leben und nicht totzukriegen. Jungs, es ist mir immer wieder eine Freude, mit Euch zusammenzukommen!

50 Minuten Heimweg bei kühlen 7° C klärten den Kopf ein wenig – nur ein sanftes Lächeln wollte nicht weichen. Danke Joschie, Dank Euch allen und auf bald!

Und damit einen schönen Sonntag Euch,
Seb

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