Öffentliche regulars-Tastings

Tasting „Sechs Fassarten
und ihre Einflüsse auf Whiskyreifung“

12. Oktober 2018, im Wallhecken-Umwelt-Zentrum Ostfriesland in Leer

Moin ihr,
Whisky wird in den verschiedensten Tonnen gelagert. Alle vereint, dass sie aus Eichenholz bestehen, jedoch bedeutet das nicht etwa mangelnde Vielfalt: handelt es sich um amerikanische Weißeiche? Europäische Eiche? Oder gar etwas ganz exotisches wie japanische Mizunara-Eiche? Das hat Einfluss auf den Geschmack des im Fass gelagerten Inhalts.

Dann die Frage des Formats: wurde in einem klitzekleinen 50-Liter-Quarter-Cask gereift? In einem üblichen 200-l-Standard-Barrel? Oder in einem riesigen Port Pipe von bis zu 650 l? Das Verhältnis von Fasswand zu Inhalt ist enorm unterschiedlich und führt zu gänzlich andersartigen Reifungsergebnissen.

Ebenfalls hochdominant sind Geschmackseinflüsse je nach Vorbelegung der verwendeten Fässer: hat sich Rum, Sherry, Wein oder etwas anderes mit dem wohlaromatischen Pendant zur „Ich war hier“-Schnitzerei in der Fasswand verewigt, sich dort eingelagert und spendet dem Whisky im späteren Reifungsprozess zusätzliche Noten, über die wir uns freuen können?

Der großen Fragestellung „Welchen Einfluss haben verschiedene Fassarten auf die Lagerung?“ sind wir am vorgestrigen Freitag in einem Thementasting auf den Grund gegangen. Im erneut noch während der dreitägigen Vorreservierungsphase ausverkauften (das klappt wie die Feuerwehr und macht uns als Zeichen des Zuspruchs und Interesses sehr sehr stolz) Wallhecken-Umwelt-Zentrum Ostfriesland ging ein interessierter Besucherkreis im praktischen Genussexperiment ans Werk.

Die Fragestellung des Abends: Wie schmecken in ganz unterschiedlichen Fasstypen gelagerte Whiskies eigentlich im Vergleich?

In einer kleinen Einführungsrunde legte Referent Seb ein paar wichtige Vokabeln aus der Welt der Whiskies dar und führte kurz in in die Whiskyherstellung ein, um dann detailliert die in der Whiskyreifung verwendeten Fasstypen und -vorbelegungen zu beleuchten.

Der erste Dram des Abends repräsentierte in Form des 12-jährigen Glenlivet „First Fill“ das frische First Fill Ex-Bourbon Cask. Die starke Sprache von unendlich viel Vanille und spürbarem Holz war ein erstes Ausrufezeichen im Glas.

Glenlivet 12-year-old

Als direkte Vergleichsmöglichkeit wanderte als zweiter Whisky ein weiterer Glenlivet ins Glas: aus Refill Ex-Bourbon Barrels stammend wurde deutlich, dass hier der Geist des Rohbrandes, des Spirits, mehr im Vordergrund stand und durch vanillige Süße trotz seines höheren Alters von 14 Jahren dezenter komplimentiert wurde, als bei der vorangegangenen Abfüllung. Ein sehr leckerer Dram!

Glenlivet 2001 GM

Auf Whisky № 3 freute sich vor allem Referent Seb als Liebhaber von Rumfass-Reifungen: der Balvenie „Caribbean Cask“ sollte zeigen, welchen Einfluss eine Vorbelegung mit Rum auf Whisky haben kann. Die ganz eigen(willig)en, komplexen Noten von leichter Rumrosine hinter starkem Holz aus mutmaßlich europäischer Eiche fanden durchaus Anklang.

Balvenie 14-year-old Caribbean Cask

Nach der obligatorischen Halbzeitpause schlug die Stunde für einen Portfass-gereiften Tomatin: der 14-jährige „Port Casks“ wartete mit Port-typischer Salzigkeit, viel Würze und getrockneten Früchten auf.

Genaues Hinschauen lohnt: ein wunderschöner Orange- bis Rotton im Glas deutet fast untrüglich auf eine Portfassreifung hin.

Tomatin 14-year-old - Port Casks

Den vorletzten Dram stellte der Arran „The Amarone Cask Finish“ dar: im Rotweinfass gelagert bot er spürbare Tannine und Trockenheit, jedoch auch Rosinen und Aromen reifer Früchte.

Arran The Amarone Cask Finish

Mit einem rauchigen Whisky sollte das Tasting seinen Schlusspunkt finden: natürlich fehlte noch eine Sherry-Reifung! Die Lagavulin „Distillers Edition“ wurde großteils zum absoluten Liebling des Abends: starke Süße, dunkle Früchte und dazu der perfekt eingebundene Rauch machten diese Doppelreifung zu einem schönen Beispiel für einen gelungenen Ausbau in Pedro Ximénez Sherryfässern.

Lagavulin 2001

Damit sollte der Abend eigentlich enden. Dank eines edlen Spenders jedoch (da wir nichtkommerziell arbeiten, ist es bei uns wie bei einem gewissen verblichenen Altkanzler: wir vergessen leider die Spendernamen, anstatt sie zu nennen … 😉 kam es noch zur Verlosung einer Flasche des voran verkosteten Arran Amarone Cask Finish unter den anwesenden Gästen: Gratulationen der glücklichen Gewinnerin!

War es das? Mitnichten.

Das Interesse des Auditoriums an weiterem Interessensgewinn vermochte von unstillbarem Forscherdrang angetrieben nicht zu schwinden, es blieb noch (Wissens)Durst – sodass unweigerlich noch ein Bonus-Dram folgte. Der taiwanesische Kavalin Solist aus einem Oloroso Sherry Cask sprengte (nicht nur durch seine Fassstärke von über 58% Alkohol) fast die Geschmacksknospen: fast kleisterdick mit dunklen, nussigen Aromen reifer Früchte und tatsächlich Motoröl (im besten Sinne 😉 forderte dieses Sternchen im Glas die Gäste bis auf’s Äußerste und machte das Finale zu einem lehrreichen Highlight des Abends.

Kavalan Solist

Wie stets klang danach das Tasting in gemütlicher Runde bei angenehmen Gesprächen und im gegenseitigen Austausch in aller Ruhe noch das eine oder andere Stündchen aus. Es war für uns ein wunderbarer Abend und die Zufriedenheit der Gäste alle Aufwände zur Organisation mehr als wert.

Was abschließend noch verraten werden kann: unser nächstes öffentliches Tasting wird rhythmusgemäß (stets am zweiten Freitag eines geraden Monats) am 14. Dezember stattfinden. Mit dem großartigen Thema „In sechs Tropfen um die Welt – eine Whisky-Weltreise“ einerseits, sowie einem ganz frischen Referenten andererseits: mit-regular Joschie lädt 25 Interessenten ein, mit ihm Glas für Glas einmal den Whisky-Erdball zu umrunden.

Eine schöne Zeit Euch allen, wir freuen uns auf noch viele schöne Tastingabende mit Euch!

Wohl an,
Seb

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