Stammrundentastings

58. regulars-Treffen

22. September 2018, »Melönchen in Sherrin™«, bei krimoldo in Schortens

Sonntag, 4.28 Uhr. Ein saugendes Gurgeln drang an mein Ohr und holte mich aus den Tiefen meiner Nachtruhe. Schlaftrunken konzedierte ich, dass hier wahlweise ein Ungeheuer zum Angriff auf mich übergehen musste oder aber nächtens ein Heizkörper aus viktorianischer Zeit direkt neben meiner Schlafstatt aufgebaut und in Betrieb genommen worden sein musste. Schlaftrunken blinzelte ich einmal, zweimal, bis ich realisierte, dass das neben mir nur Joschie war, der im Tiefschlaf derart dämonisch schnarchte, dass er mich damit ins Bewusstsein zurückgeholt hatte.

Was war da los? Mir fiel ein, dass ich nicht in den eigenen vier Wänden weilte, sondern nach dem gestrigen Tasting die Nacht mit dem angesprochenen Joschie als Übernachtungsgast bei krimoldo verbrachte. Schwein gehabt – deutlich besser, als das eigene Leben bedroht sehen zu müssen.

Nun denn, wenn ich schon wach war, konnte ich doch gleich schnell über gestern schreiben:

Im üblichen Zweimonatstakt kam der regulars-Gruppenkern am Samstagabend im friesischen Schortens zusammen, um ein paar feine Drams zur Brust zu nehmen. Nach den obligatorischen drei Tassen Begrüßungstee wartete Gastgeber krimoldo mit einer ganzen Batterie frisch zu entkorkender Flaschen auf, sodass der Spaß beginnen konnte:

Die Drams des Abends:

Starter sollte ein 14-jähriger Cragganmore, abgefüllt für die Friends of Classic Malts sein. Ein schöner, breitbandiger Fruchtcocktail und der ideale Einstieg in einen Abend voller Sherry-Whiskies.

Cragganmore 14-year-old

Dram Nummer Zwei begeisterte noch ungleich mehr: ein 17-jähriger Glengoyne zeigte sich im Sherryprofil geradlinig und von höchster Güte – Textbuch-Sherry, supersuperlecker.

Glengoyne 17-year-old

Der dritte Whisky sollte das schwarze Schaf des Abends sein. Wobei: weder der Qualität, noch der Farbe nach. Sondern eher der Tatsache geschuldet, dass hier als Ausreißer im Lineup ein Bourbon Barrel in die Gläser wanderte: ein 12-jähriges Balvenie Single Cask begeisterte nicht mit Vanille-ins-Gesicht, sondern mit klaren Aromen von viel Melone. Ein toller Dram!

Balvenie 12-year-old

Sofort ging es danach zurück auf den Sherry-Trail: ein hochintensiver PX-GlenDronach bekehrte unsere Gaumen und impfte uns auf Sherry, Sherry, Sherry. Was für ein leckeres Brett!

Glendronach 1996

Mit diesen vier Malts intus legten wir eine Halbzeitpause ein: ein kleiner Spaziergang durch das abendliche Schortens wurde gefolgt von einem liebevollen Zwischenbuffet mit viel Käse. Hier wurde alles unternommen, um die in uns rotierenden Sherrydosen zumindest kurz von den Gaumen zu vertreiben.

Danach schlug der Gong für den zweiten Teil des Abends: ein Longmorn, derart dunkel, alsdass durch die Flasche kein Blick zum anderen Ende möglich war, schickte uns beinahe auf die Bretter. Meine Fresse Güte, was für hammerharter Stoff: kaum Süße, einfach nur dick gekleisterter Übersherry. Das war Sherrin™, hochkonzentriert. Trinken am Limit.

Longmorn 1996 vW

Ein Bunna, dem neben Oloroso-Sherry zudem noch ein Schlag Bordeauxfass-Reifung zuteil wurde, folgte als Nächstes.

Bunnahabhain 2001 BPCh

Was fehlte bis dato? Rauch! Das erledigte dann ganz dezent ein wunderschön geratenes Springbank Private Bottling – ebenfalls Dark Sherry, versteht sich. Mjamjamjamjam!

Springbank 1999

Da aller guten Dinge bekanntlich acht sind (oder so), wurden die strapazierten Gaumen am Ende noch von einem feisten G&M Caol Ila gestempelt. Ebenfalls ein feiner Dram!

Caol Ila 2000 GM

Da war doch mal ein mehr als anständiges Lineup zusammengekommen:

Das Lineup des 58. regulars-Treffens

In Sachen „Dram des Abends“ entflammte eine lebhafte Diskussion, bei der am Ende der GlenDronach und der Springbank gleichauf lagen. Beides fraglos geniale Drams.

Als wir erschöpft dem edlen Spender Dank sagen wollten, hieß es, das Schluss mal wieder nicht Schluss bedeutete, sodass abschließend noch zwei Scheidedrams in die Gläser mussten.

„Post Show“ nach dem Tasting:

Baker's 07-year-old

Bruichladdich 2006 WCh

Alles andere als unfroh über die Tatsache, dass das Verkostungssofa gleichzeitig mein Nachtlager werden sollte, schlief ich nach der allgemeinen Verabschiedung quasi mit dem letzten Tropfen auf der Zunge nach einem großartigen Abend zufrieden ein. Jedenfalls bis 4.28 Uhr …

So, schnell nochmal die Augen zu,
1000 Dank an krimoldo,
einen schönen Sonntag Euch allen,
Seb

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