Wissen & Meinungsbeiträge

Das ‚richtige‘ Whiskyglas

2. September 2018 (zuletzt bearbeitet am 10. November 2019), Was man von einem Glas erwarten sollte und welche Modelle aus meiner Sicht wie abschneiden.

Moin ihr,
ich liefere mein Fazit mal gleich vorweg: ‚das richtige‘ Whiskyglas gibt es nicht. Zumindest nicht in der Form, alsdass es ein Glas gibt, welches für jede Genießer*in das Richtige ist. Oder als da ein Glas in der Welt wäre, welches für jeden Whisky das Richtige ist. Deshalb soll dieser Text keine Hinleitung auf die beste der besten der besten Trinkscherben werden, sondern ich zeige Euch, mit welchen Gläsern ich gern hantiere und welche Vor- wie Nachteile ich jeweils in ihnen sehe.

Die Ausgangsfrage: welche Anforderungen sollten wir an ein Whiskyglas stellen?

a) zuvorderst möchte man seinen meist ja hübsch-güldenen oder kräftig-bräunlichen Whisky gern ausführlich beäugen, also spielt das „wie zeigt mir das Glas den Whisky, wie setzt es ihn in Szene?“ eine zentrale Rolle.

b) noch deutlich wichtiger ist mir der zweite Punkt: wir nennen rund 10 Millionen Riechzellen unser Eigen – unsere Nase ist deutlich leistungsstärker als unser Gaumen. Mithin muss unser Glas ideal dafür geeignet sein, den Whisky zu verriechen, seine Aromen im so genannten ‚Kamin‘ zu bündeln und uns möglichst detailliert in diese eintauchen zu lassen.

c) dritter Aspekt ist, wie das Glas durch die Formgebung seiner Trinklippe den Whisky über unsere Zunge fließen lässt. Im hinteren Bereich der Zunge, primär mittig, schmecken wir Bitterkeit. Das sind genau die Geschmackseindrücke, die wir tunlichst minimieren möchten. Eine breit nach außen gewölbte Glaslippe schickt den Whisky breit über unsere Zunge, während eine ungewölbte Lippe den Strahl ungünstig eher mittig in unseren Mund schickt.

d) als Letztes sei uns noch das Handling wichtig: lässt sich das Glas gut und bequem halten, liegt es angenehm auch über längere Zeit in der Hand? Hier ebenfalls von zentraler Bedeutung: ist der Kelch einfach zu umfassen, um den enthaltenen Whisky zur stärkeren Aromenabgabe schnell auf Handtemperatur erwärmen zu können?

Diese vier Eckpunkte als Bewertungskriterien heranziehend schauen wir uns nun an, welche Gläser ich in Verwendung habe – und wie sie in den einzelnen Disziplinen abschneiden. Als Wertungen vergebe ich in jeder Kategorie Sterne: von ★☆☆ (mau) über ★★☆ (solide) bis ★★★ (großartig).

Ⅰ. Das ‚Spey Dram‘ Glas

Das ‚Spey Dram‘ ist ein robuster und schnuffiger kleiner Begleiter für unterwegs.

Präsentation: ★☆☆   Nosing: ★★☆   Trinkfluss: ★☆☆   Handling: ★☆☆

Das ‚Spey Dram‘ ist herrlich barrierefrei: es ist klein und robust, dickwandig und passt in jede Tasche. Ansonsten immer eher der vorsichtige und pflegliche Typ, stecke ich das ‚Spey Dram‘ gern sorglos in in die Jackentasche und bin für den kleinen Schluck draußen im Freien bestens präpariert. Es ist ein preiswertes Industrieglas welches bei genauem Hinsehen wie aus aufeinander aufgebauten Glasringen zu bestehen scheint und einen extrem dicken, tumblertypischen Boden hat. Der Kamin (also der Innenraum) ist sehr klein, detailliertes Verriechen klappt nicht optimal. Das Glas besitzt keine nach außen gewölbte Lippe, weshalb der Trinkfluss unglücklicherweise zur Zungenmitte neigt. Durch den dicken Glasboden und die dicke Wandung erwärmt sich Whisky im Glas nur langsam, selbst wenn ich das kleine Glas fest umschließe. Es liegt stets suboptimal in der Hand, bequemes Halten über längere Zeit ist nicht möglich.
Mein Fazit: das ‚Spey Dram‘ ist meine ‚Gefechtsscherbe‘ für den legeren Whiskygenuss im freien Feld. Nicht mehr, nicht weniger. Gekauft 2013 zum Stückpreis von 2,99 €.

Ⅱ. Der ‚Bowmore Tumbler‘

Der ‚Bowmore Tumbler‘ ist ein gediegen großer Hochofen zur Verkostung stark rauchiger Whiskies.

Präsentation: ★☆☆   Nosing: ★☆☆   Trinkfluss: ★★☆   Handling: ★★☆

Der seit längerem nicht mehr erhältliche ‚Bowmore Tumbler‘ ist ein dem Volumen nach großes Glas, welches relativ dickwandig daherkommt und einen starken Tumblerboden besitzt. Einen Minuspunkt bekommt das Glas für mich durch seine werbliche Gravur – sowas mag ich gar nicht. Durch den großen Durchmesser steht der Whisky nicht sehr hoch im Glas und kommt deshalb suboptimal zur Geltung – trotz der Tatsache, dass das Industrieglas schlieren- und schichtenfrei aufgebaut ist. Das Nosing stark rauchiger Whiskies gelingt relativ solide, feinere Aromen zu bündeln vermag es jedoch absolut nicht. Geeignet für junge, heftige Raucher, ansonsten nicht zum Verriechen höherwertigerer Drams geeignet. Im Gegensatz dazu ist der Trinkfluss durch die nach außen gewölbte Lippe jedoch relativ gut: ich muss den Kopf schon ordentlich in den Nacken legen, bis der Whisky fließt, dann jedoch rinnt er angenehm breit in den Mund. Das Glas besticht zuletzt durch seine gute Griffigkeit: es liegt toll in der Hand – nur das Anwärmen des Inhalts geht durch den dicken Tumblerboden und die starke Wandung nur sehr langsam vonstatten. Ich nutze es heute nur noch sehr, sehr selten – mag jedoch seine Erscheinung und halte es so trotz seiner eindeutigen Schwächen gern weiter in Ehren. Gekauft 2009 zum Stückpreis von 2,98 €.

Ⅲ. Das ‚TWS-Kristallglas‘

Das ‚TWS-Kristallglas‘ war jemandes Versuch, DAS perfekte Whiskyglas zu kreieren.

Präsentation: ★☆☆   Nosing: ★★☆   Trinkfluss: ★★★   Handling: ★★☆

Ich mag nicht tiefer auf ‚ihn‘ eingehen. Also den Erfinder dieses Glases. Nur soviel: eigentlich mag ich politisch bewegte Menschen, aber mit dem Bajuwaren, der gleichzeitig das Marketing bei Deutschlands mittlerweile größtem Whiskyversandhandel verantwortet, werde ich auf keiner Ebene warm – trotz der Tatsache, dass ihm zweifelsfrei Respekt für seinen Erfolg im Geschäft gebührt. Nun hat der gute Mann 2015 nach einigen Versuchen und Entwürfen mit einer Glasbläserei zusammen das heute so nicht mehr erhältliche TWS-Kristallglas entworfen. Es handelt sich um mundgeblasenes Glas und es existiert den die damalige Veröffentlichung begleitenden Berichten in Whiskyforen zufolge wohl kaum ein einziges mängelfreies Exemplar davon. Lufteinschlüsse, Bläschen … naja – Handarbeit, die man dem Glas ansieht. Es ist wuchtig geformt und (gleich seinem Schöpfer 😉 eine echte Rampensau auf dem Tisch – was mich freut: der Gedanke gutem Whisky nicht als Beiwerk zu Wasserglas und Karaffe Raum zu verschaffen, sondern ihn seiner Wertigkeit entsprechend prominent in Szene zu setzen, behagt mir. Das Glas zeigt deutliche ‚Schichtrillen‘ und durch sein enormes Volumen findet der Whisky nur im unteren Bereich als Pfützchen seinen Platz, was der Präsentation nicht eben zuträglich ist. Der Kamin ist aus meiner Sicht definitiv zu groß, alsdass im Glas trotz dessen Einschnürung unter dem Kopf die leichten und feinen Töne eines Whisky nicht perfekt zu verriechen sind. Absolut unschlagbar hingegen zeigt sich das TWS-Glas beim Trinken: hier ist noch stärker als beim ‚Bowmore Tumbler‘ der Kopf bis in den Nacken zu schmeißen, bis die Flüssigkeit aus dem Behältnis zu locken ist, dann aber wird durch die stärker als bei allen anderen meiner Whiskygläser gewölbte Lippe der Dram perfekt im Mundraum verteilt. Ebenso großartig gelöst: der kurze Stiel erlaubt (zumindest bei meinen Handdimensionen), ihn mit einem vulkanischen Gruß 🖖 zu umfassen und dann das Glas schön sicher in der ganzen Hand zu halten. Das Anwärmen des Inhalts klappt dadurch ebenfalls gut. Insgesamt ein Glas, welches große Stärken besitzt – lediglich das insgesamt zu große Volumen, die handwerkliche Qualität der Blasarbeit sowie eine Werbegravur auf dem Fuß werten es ab. Gekauft 2015 zum Stückpreis von 15,82 €.

Ⅳ. Das kristallene ‚Glencairn‘

Das kristallene ‚Glencairn‘ ist die Edelvariante des absoluten Whiskystandardglases, dem Glencairn.

Präsentation: ★★☆   Nosing: ★★★   Trinkfluss: ★☆☆   Handling: ★★★

Das kristallene Glencairn ist ein kleiner Blender: durch den Kristallschliff und sein enormes Gewicht wirkt jeder Dram in diesem Glas direkt wie etwas ganz besonderes. In Sachen ‚Whisky in Szene setzen‘ ist das Glas in dieser Hinsicht ein Traum – andererseits trüben der Kristallschliff und die Panzerglas-gleiche Wandungsstärke die ungehinderte Sicht auf den Glasinhalt. Im Nosing ist das Glencairn nahezu konkurrenzlos: die Größe des Kamins ist ideal, um auch komplexeste Whiskies perfekt verriechen zu können, die Einschnürung nach oben gewährleistet die Aromenbündelung. Leider jedoch lässt das Glencairn eine Außenwölbung der Lippe vermissen, weshalb der Trinkfluss primär die Zungenmitte erreicht. Das Glas liegt brutal solide und angenehm in der Hand. Durch die Riffelung des Schliffs und das Eigengewicht habe ich stets das Gefühl, eine Granate zu halten – es ist dabei jedoch ein echter Handschmeichler. Mit der Hand umschlossen erwärmt sich der Inhalt in vertretbarer Zeit, die Wandstärke jedoch ist deutlich höher als beim Standard-Glencairn, was ich als leicht abwertend empfinde. Insgesamt ein Show-Star sondergleichen, der bis auf den mangelhaften Trinkfluss eine Empfehlung wert ist. Gekauft 2017 zum Stückpreis von 22,05 €.

Ⅴ. Das ‚Eisch Jeunesse Malt Whisky‘

Das ‚Eisch Jeunesse Malt Whisky‘ ist eine handwerklich exzellent ausgeführte Version des klassischen Whiskystielglases.

Präsentation: ★★★   Nosing: ★★★   Trinkfluss: ★★☆   Handling: ★☆☆

Wer einmal verstanden hat, dass es sich bei einem Tumbler (🥃) nicht um ein Whiskyglas, sondern um einen Eiswürfelbehälter handelt, lernt neben dem Glencairn schnell die klassische Form eines ‚Whiskysnifters‘ als DEN verbreiteten Standard zum Whiskygenuss kennen. Das ‚Eisch Jeunesse Malt Whisky‘ bietet die perfekteste Umsetzung dieser Glasform, die ich kenne. Mundgeblasen, dennoch absolut makel- und fehlerfrei (im Gegensatz zum ‚TWS-Kristallglas‘ wird bei Eisch der Ausschuss tatsächlich aussortiert) in der Ausführung nimmt es sich filigran und dezent aus. Anders als beim ‚Kristall-Glencairn‘ stellt sich das Eisch auf der Designebene ganz in den Hintergrund, um den Whisky selbst wirken zu lassen – ein verblüffender Effekt. Die Präsentation ist deshalb in meinen Augen ideal, da mit diesem feinen Glas nur ein Hauch von nichts – per Stiel in ansehnliche Höhen erhoben – den Inhalt birgt. Es ist hochrein und in Sachen Präsentation mein absoluter Favorit. Auch beim Nosing ist das Glas zusammen mit dem ‚Glencairn‘ unschlagbar: eine perfekte Kelchgröße samt Einschnürung macht das Verriechen so einfach wie möglich. Die Lippe ist nach außen gewölbt, sodass der Trinkfluss ebenfalls relativ gut ausfällt. Nur relativ gut? Jau! Gibt es an diesem Glas etwas zu verbessern, ist es in meinen Augen eine weiter nach Außen zu wölbende Lippe für einen noch breiteren Trinkfluss (hier schneidet das ‚TWS-Kristallglas‘ eindeutig besser ab). Zum Anwärmen des Whisky ist das ‚Eisch Jeunesse‘ prima zu halten: ebenfalls per Vulkaniergruß (🖖) den Stiel umfasst erwärmt sich der Inhalt sehr schnell. Der Griff beim Trinken am filigranen Stiel jedoch ist nicht so bequem, alsdass man es permanent in Händen halten möchte – was eine Schwäche in Sachen Handling darstellt.
Das ‚Eisch Jeunesse Malt Whisky‘ ist in Summe mein Haus- und Hofglas, welches ich nicht mehr missen möchte. In der Serie ‚Jeunesse‘ sind zudem passende, chic-dezente Wassergläser verfügbar und auch in Sachen Wasserkaraffen bin ich privat mit Eisch ausgerüstet. Damit lässt sich vortrefflich arbeiten – und genießen! Gekauft 2011 zum Stückpreis von 23,80 €.

Ⅵ. Der ‚Spiegelau Whisky Snifter Premium‘

Eine gute Wahl für das Verkosten rauchiger und stark rauchiger Whiskies: der ‚Spiegelau Snifter‘.

Präsentation: ★★☆  Nosing: ★☆☆-★★☆   Trinkfluss: ★★☆  Handling: ★☆☆

Dieser Snifter wirkt im Vergleich zu seinen typgleichen Artgenossen wie eine steroidal aufgepumpte Variante. Satte 280 ml fasst dieses Glas – lange habe ich gern darüber geunkt, dass es in Bar-Situationen prima eingesetzt ist, um Laufwege zu sparen, da in einem Schwung bequem eine Drittelflasche Whisky hineinpasst 😉 . Dennoch habe ich mir einen Satz dieser Gläser angeschafft – und einen guten Einsatzzweck gefunden: rauchigen und vor allem stark rauchigen Whiskies gibt der Spiegelau Snifter genügend Raum zum ‚abdampfen‘. Da wo der ‚Bowmore-Tumbler‘ sehr nett aussieht, ist der ‚Spiegelau-Snifter‘ funktional überlegen – bündelt er in seiner Cupa die Aromen deutlich besser und lässt uns schwere Drams schön sezieren. Normale Whiskies jedoch kommen zu dünn in die Nase und lassen sich schwer verriechen – da sind Gläser wie das ‚Eisch Jeunesse‘ dem ‚Spiegelau Snifter‘ um Längen überlegen. Für rauchige Whiskies vergebe ich in Sachen Nosing also zwei Sterne, ansonsten lediglich einen.
Als maschinell hergestelltes Industrieglas kommt der Snifter in Sachen Verarbeitungsqualität solide daher, erreicht jedoch bsp. bei der Stielstärke nicht die Filigranität eines ‚Eisch Jeunesse‘. Deshalb sehe ich den Snifter ein solides Glas für den gezielten, gelegentlich Einsatz – erhältlich zum fairen Preis. Gekauft 2018 zum Stückpreis von 5,85 €.

Ⅶ. Das ‚1920s‘ Professional Blender’s Whisky Glass‘

Optisch ein Glas ganz außer Konkurrenz – funktional ebenso: das ‚1920s‘ Professional Blender’s Whisky Glass‘.

Präsentation: ★☆☆  Nosing: ★☆☆-★★★   Trinkfluss: ★☆☆   Handling: ★☆☆

Meine ersten Kontakte zu diesem 2018 neu erschienenen Glas hatte ich einerseits im Juni 2018, wo ich in einem Blogbeitrag davon las, mich dieser jedoch nicht zu einem Blindkauf verführte – sowie andererseits im Oktober desselben Jahres auf der Aquavitae in Mülheim an der Ruhr, wo ich von einem sehr klugen Händler einen an seinem Stand erworbenen Dram in dieses spezielle Glas eingeschenkt bekam und es damit ausprobieren konnte – mit dem Fazit, dass ich im Anschluss eines kaufte.
Das ‚1920s-Glas‘ wurde dem Hersteller zufolge nach dem Muster von Verkostungsgläsern entworfen, die in den 1920er-Jahren von Kreateuren von Blended Whiskies in ihrer Arbeit eingesetzt wurden. Es ist hoch und relativ schwer. Mit seinem extravaganten Look zieht es alle Blicke auf sich – wirkt jedoch eher wie ein wuchtiges Laborinstrument als denn den enthaltenen Whisky in den Vordergrund zu stellen. Ein Stern in der Kategorie Präsentation.
Die große Stärke dieses Glases ist sein großer, kugelartiger Kelch. Dieser bündelt die Aromen extrem stark. So stark, dass eingeschenkte Whiskies mit einem Alkoholgehalt von über 50% extrem scharf in die Nase steigen und nur nach sehr langer Standzeit verrochen werden können – weshalb ich es dafür auch nicht empfehlen würde. Für trinkstarke Whiskies, alte Drams mit Fassstärken von unter 50% oder entsprechend herunterverdünnte Malts ist dieses Glas jedoch ein machtvolles Werkzeug. Man sollte es stets einen Hauch von der Nase entfernt halten, anstatt diese in die Öffnung zu halten. Dann lässt es die Genießer*in völlig neue, feine Aromenkomponenten entdecken, die mit anderen Gläsern nicht auffindbar sind. Mancher lang bekannte Standardwhisky zeigt in diesem Glas ganz neue Aromen – und es macht riesige Freude, mit ihm geeignete Whiskies ausgiebig zu verriechen.
Für das Nosing gibt es eine Wertung über die ganze Skala: würde man einen 65%er hineingießen, wäre dieser unverriechbar und würde der Genießer*in lediglich gefühlt die Nasenhaare versengen – für Whiskies unter 50% erhält das Glas von mir jedoch drei von drei möglichen Sternen.
Leider endet mit dem Verriechen der Spaß mit diesem Glas: um aus ihm trinken zu können, muss man den Kopf arg weit in den Nacken werfen, sodass ich tatsächlich nach dem Verriechen im ‚1920s-Glas‘ meist ein separates Glas anderen Typs zum Verkosten verwende. Für den Trinkfluss also nur ein Stern.
Der lange Stiel ist gut geeignet, das Werkzeug an die Nase zu führen, dennoch fühlt es sich keinen Moment natürlich in der Hand an, sondern tatsächlich im Wortsinn nach einem Werkzeug, welches man führt. Ebenfalls nur ein Stern also für das Handling.
Conclusio: so limitiert, wie der Einsatzzweck auch erscheinen mag, so ungeeignet es auch zum Trinken sein mag – für das Verriechen von Whiskies kann dieses Glas so Unglaubliches leisten, dass ich diese ‚Geruchslupe‘ dennoch klar weiterempfehle. Ich habe mich mittlerweile mit einem ganzen Satz davon eingedeckt. Gekauft 2018 und 2019 zu Stückpreisen von 19,90 € bis 25,00 €.

(M)ein Fazit
Es wird niemanden wundern – aber die eierlegende Wollmilchsau in Sachen Whiskyglas gibt es nicht und so habe ich tatsächlich die beschriebenen sieben verschiedenen Glassorten im Schrank, die alle fall- oder stimmungsbezogen ihre Berechtigung haben – wenn auch das ‚Eisch Jeunesse‘ in 90-95% aller Fälle zum Einsatz gelangt.

Abschließend möchte ich erwähnen, dass ich in den vergangenen Jahren viele, viele weitere Gläser angeschafft, durchprobiert und allesamt mit der Zeit wieder aussortiert habe: von einfachen Bugattis (der Günstig-Version des Whiskysnifters, die man gern zum Eintritt auf Whiskymessen sowie als Geschenk zu Whiskybestellungen bei manchen Händler*innen erhält) über das ‚Profi-Nosingglas‘ (sehr passender Name, daraus trinken kann man formbedingt nämlich nicht gut), das ‚Neat Glass‘ (für das die in einem der Whiskyforen mal gefallene Bespitznamung als ‚Elfenpisspott‘ unfassbar treffend ist), den eher zum Teelichthalter geeigneten grünen ‚Large Tumbler‘ von Ardbeg und so weiter, und so fort.

Puh – lang ist dieser Text geworden – hoffentlich aber ein wenig hilfreich. Begleitet hat mich beim Schreiben übrigens (in meinem ‚Eisch Jeunesse‘ 😉 ) ein großartiger Highland Park:

Highland Park 1989 CA

Ich wünsche auch Euch stets einen guten Dram im Glas (in welchem auch immer),
Seb

PS: Falls ihr das Gefühl habt, selbst ein gutes Whiskyglas entdeckt zu haben, welches ich noch nicht auf dem Zettel habe, freue ich mich über eine Nachricht von Euch – man lernt ja nie aus …

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