Kurz notiert

Ich packe meinen Koffer …

29. Juli 2018, 14 Tipps für den erfolgreichen Whiskymesse-Besuch.

Moin ihr,
wenn wir regulars mit neuen Mitfahrern zu unseren Whiskymessen-Fahrten aufbrechen, kommt im Vorfeld stets dieselbe Frage: „Was soll ich einpacken?“

Deshalb zeige ich Euch gern, wie mein sturmerprobtes „Gefechtsgepäck“ 😉 für einen schönen Tag auf einer Whiskymesse aussieht und was man vielleicht bedacht haben sollte, wenn man sich im Genuss-Eldorado einer solchen Veranstaltung dutzenden von Händlern mit hunderten oder sogar tausenden verlockender Whiskies gegenübersieht.

Nicht mehr mitschleppen als nötig, jedoch alles Nötige dabei haben – die Herausforderung beim Packen für eine Whiskymesse.

Ⅰ. Das Messeticket
… spielt nicht etwa erst vor Ort eine Rolle.
Wo immer möglich kaufen wir unsere Messetickets vorab. Das minimiert meist das Schlangestehen, da viele Messen separate Zugangslinien für Tageskasse und Vorbesteller haben. Für ein möglichst zügiges En­t­rée empfiehlt sich also, die Tickets für den Messebesuch vorzubestellen.

Ⅱ. Das Whiskyglas
… ist das wichtigste Utensil, würde mancher meinen.
Weit gefehlt! Schaut auf die Website der Messe, die Ihr besuchen möchtet: im Regelfall erhaltet ihr am Eingang und im Eintrittspreis enthalten ein absolut taugliches Whiskyglas (meist einen Whisky-Snifter oder ein Glencairn-Glas) – das Mitführen eines eigenen Glases können wir uns also ersparen.

Ⅲ. Der Glashalter
… ist das erste, was in meiner Tasche landet.
In den Glashalter lässt sich unser Tastingglas (die Halterung ist aus flexiblem textilen Gummiband, so dass sich verschiedene Glasarten aufnehmen lassen) einsetzen, damit wir es nicht permanent in Händen halten müssen. Hängen wir uns den Whiskyglashalter um den Hals, baumelt das Glas den Tag über vor uns auf der Brust herum und lässt sich mittels eines Schnellverschlusses abnehmen, ohne dass wir das Hauptband um den Hals auch abnehmen müssten. Sehr praktisch – und falls nicht vorhanden: auf jeder größeren Messe werden Glashalter angeboten.

Ⅳ. Der Messeplan
… ist schlichtweg überflüssig.
Egal ob auf dem Smartphone aufgerufen, vorab ausgedruckt oder am Eingang (mit einer handvoll weiterer Werbung und Coupons) zugesteckt bekommen: Finger weg vom Messeplan! Unsere Schnitzeljagd nach großen Whisky-Kostbarkeiten braucht keine Schatzkarte. Die Whiskymessen sind überschaubar: hier gibt es keine Vielzahl von Hallen, in denen man sich verirren könnte. So findet Deutschlands nach Ausstellern größte Whiskymesse, die Whisky Fair in Limburg an der Lahn, in der 2.300 m² großen Josef-Kohlmaier-Halle statt. Nur zum Vergleich: die IAA ist da flächenmäßig bis zu 115x größer ausgelegt.
Wir können also an einem Messetag alles Ausgestellte problemlos erkunden, lassen uns von Stand zu Stand treiben und werfen auf alles einen Blick – ohne uns um die Orientierung Sorgen machen zu müssen.

Ⅴ. Das Tasting vor Ort
… lassen wir schön links liegen.
Von den vor Ort angebotenen Tastings lassen wir im Regelfall die Finger, da das Angebot an tollen Drams, die es an den Ständen auf einer Whiskymesse zu entdecken gilt, unendlich groß ist. Mit der Teilnahme an einem Tasting verzichten wir (ob unserer beschränkten Aufnahmekapazität) für jeden Tasting-Dram auf eine an einem Stand individuell ausgesuchte Abfüllung. Die Tastings sind zudem als Marketing-Maßnahme zu sehen, bei der nicht nur Spitzendrams des jeweiligen Veranstalters, sondern ganze Sortimentsquerschnitte ausgeschenkt werden. Für den nach Orientierung dürstenden Einsteiger ggf. hilfreich – ansonsten rate ich ab und empfehle die eigene, freie Wahl der Whiskies an den Ständen.

Ⅵ. Das Finanzielle
… läuft auf den Einsatz von Barem und der EC-Karte hinaus.
Zur Sicherheit erwähne ich an dieser Stelle nochmal, dass der Eintritt für die Messe nicht die Kosten für das, was wir verkosten möchten, abdeckt. An den Messeständen sind die Drams, die wir kaufen in bar zu bezahlen. Auch am Catering bzw. an etwaigen Essens-Verkaufsständen ist der Einsatz von Bargeld angezeigt. Wenn wir jedoch Whiskyflaschen erwerben, bieten uns die meisten Händler auch die Zahlung per EC-Karte an. Und mit dem einen von zwanzig Anbietern, der vielleicht ohne EC-Lesegerät unterwegs ist, lässt sich problemfrei auch ein „bitte zurücklegen und mir eine Rechnung schicken: ich zahle per Vorkasse, Sie schicken mir die Flaschen nach Hause“ vereinbaren. Die Höhe der mitgeführten Barschaft sollte also für die Drams ins Glas sowie die Verpflegung ausreichen – packt einen der Kaufreflex für Flaschen, lässt sich dieses bargeldlos erledigen.

Ⅶ. Das Smartphone
… ist absolut unverzichtbar!
Was im Laufe eines langen Messetages so alles an Eindrücken auf uns einstürmt, kann wohl niemand vollständig im Kopf behalten. Und auch was so alles verkostet wird, lässt sich nur schwerlich korrekt merken. Deshalb mache ich von jeder verkosteten Abfüllung beim Einschenken schnell ein Foto des Flaschenetiketts, um hinterher den Überblick zu behalten, was da so alles durch mein Glas geflossen ist.

Ⅷ. Die Trinkflasche
… ist das gewichtigste Utensil – aber ein Lebensretter.
Ich greife an einem Messetag unzählige Male nach meiner großen 1,9-l-Edelstahlflasche, Zuhause vorbefüllt mit bestem ostfriesischen Leitungswasser. Der Schwierigkeitsgrad, auf Whiskymessen an Wasser zu gelangen ist teilweise sehr hoch. Die Händler an ihren Ständen haben bisweilen nur kleine Wassermengen vor Ort, von denen sie zwar meist einen Spritzer zur Reinigung des Whiskyglases ausgeben, jedoch keine größeren Mengen, um den tatsächlichen eigenen Flüssigkeitsbedarf decken zu können. Messetage sind lang, oft ist es in den Hallen und Sälen warm und so mancher Dram wandert ins Whiskyglas. Deshalb: nach jedem verkosteten Whisky das Glas mindestens einmal komplett mit Wasser zu füllen und zu leeren, tut mehr als gut. Da wir meist in Gruppen unterwegs sind, reiche ich als „Wassertante“ viel umher und zwischendurch treibe ich notfalls an einem Waschbecken bei den sanitären Anlagen Nachschub auf.

Ⅸ. Das Brötchen / Das Baguette
… ist der Resetknopf für stark geforderte Sinnesorgane.
Wir Genießer wissen, wie stark guter, sherryfassgelagerter Whisky nachschmecken kann. Oder wie lange sich Nachklänge rauchiger Whiskies im Rachen halten können. Da wir mehrere Whiskies probieren möchten und in der Hitze des Gefechts vor Ort bisweilen nicht immer die glücklichste Reihenfolge wählen, sollten wir uns zwei ganz normale Brötchen oder ein kleines Baguette einpacken, um nach dem Verkosten intensiver Drams zwischendurch mit einem Bissen unseren Gaumen neutralisieren zu können.

Ⅹ. Die Brotzeit
… können wir uns ohne Sorge verhungern zu müssen sparen.
Nein, eine richtige Mahlzeit würde ich nicht mitführen. Stets findet sich vor Ort Catering oder Verkaufsstände bieten uns etwas Deftiges, um neben (mindestens) einer längeren Verschnaufpause vom anstrengenden Geschäft des Genießens 😉 einen Kontrapunkt zur Alkoholaufnahme zu gewährleisten – manches Mal sogar mit kulinarischem Schottlandbezug. Essen wir vor Ort!

Ⅺ. Die Sampleflasche, der Trichter, das Etikett und der Stift
… sind zusammen das MacGyver-Überlebenskit für einen erfolgreichen Messetag!
Irgendwann sind Zunge und Gaumen am Ende ihrer Aufnahmekapazitäten angekommen und dennoch findet sich an manchem Stand noch etwas einmalig Vielversprechendes, das eigentlich probiert werden müsste. Da das für unsere ermatteten Sinnesorgane irgendwann reine Verschwendung wäre, nutze ich gern die Möglichkeit, mir manchen interessanten Dram in mitgeführte Samplefläschchen abfüllen zu lassen.
Und damit es beim Wunsch, doch bitte den Dram nicht ins Glas, sondern ins Samplefläschchen mit winziger Öffnung abzufüllen auf der anderen Seite des Messestands nicht zum genervten Augenrollen kommt, packe ich immer einen kleinen Trichter ein, mit dem sowohl aus Whiskyflaschen als auch aus aufgesetzten Portionierern zielsicher abgefüllt werden kann.
Da ich hinterher gern weiß, was ich da habe abfüllen lassen, notiere ich mir schnell die Eckdaten des abgefüllten Whiskies und beschrifte die Samples noch vor Ort.

Ⅻ. Die richtigen Whiskysamples
… sind es Wert, mit auf die Messe genommen zu werden.
Definitiv kein must-have, jedoch aus meiner Sicht ratsam: ich habe stets ein, zwei, drei besondere und leckere Whiskysamples in der Tasche, die ich mitführe. „Whisky zu einer Whiskymesse mitbringen?“ Ja, klingt erstmal nach Eulen und Athen. Aber wenn Ihr Euch mit anderen Genießern zu vernetzen beginnt, werdet Ihr auf Messen mehr und mehr nette, bekannte Gesichter wiedertreffen – und dem Einen oder Anderen einen kleinen, ganz besonderen Schluck aus der heimischen Trinkreserve überzuhelfen, ist immer schön. Ebenso schön wie selbst das eine oder andere Leckerli von guten Bekannten ins Glas zu bekommen.

ⅫⅠ. Die Tasche
… sagt mehr über Euch aus, als Ihr denkt!
Summieren wir oben stehendes, führen wir also so dieses und jenes mit uns. Und möchten einkalkulieren, dass wir evtl. noch die eine oder andere Whiskyflasche erwerben und transportieren müssen. Intuitiv greift daher mancher zum Rucksack als Begleiter für den Messetrip. Wer als Besucher in gut gefüllten Räumlichkeiten das eine oder andere Mal einen Rucksack des Vordermanns ins Gesicht geschlagen bekam oder wem das eigene Tastingglas mal aus Unachtsamkeit von der Brust und zu Bruch geschlagen wurde, weiß, warum das vielleicht nicht die allerbeste – wenn auch noch immer die weitverbreitetste – Idee ist.
Ich setze seit Jahren auf mein „Messenger Bag“, eine Umhängetasche: damit habe ich alles im Zugriff und kann (im Gegensatz zu einem Rucksack ohne die Tasche im Gedränge absetzen zu müssen, um an den Inhalt zu gelangen) einfach auf alles Mitgeführte zugreifen.
Bonus-Tipp: Wer auf einer Messe eine Flasche Whisky erwirbt, ist nicht gezwungen, diese stundenlang über die Messe zu tragen! Gekaufte und bezahlte Flaschen einfach an den entsprechenden Ständen hinterlegen und vor Verlassen der Messe alles Erworbene einsammeln. Ich habe dafür immer ein, zwei Stoffbeutel in meiner Umhängetasche, die ich bei Bedarf zum abendlich-abschließenden Beutemachen heranziehe.

Ein Messenger Bag ist der beste Begleiter für einen Messetag – hat man bei kleinster Silhouette doch ohne Absetzen stets alles Mitgeführte im Zugriff.

ⅩⅣ. Die richtige Musik
… ist situationsbezogen das i-Tüpfelchen des Tages.
Okay, das hier ist sehr persönlicher Bonustipp. Die Situation: Ihr seid in einer Gruppe unterwegs, habt die Messe hinter Euch gebracht. Ihr sitzt in Auto, Bus oder gemeinschaftlich im Hotelzimmer und lasst Euch nochmal durch den Kopf gehen, welche tollen Drams Ihr heute im Glas hattet.
Genau das ist für mich der Moment, um Musik von Robin Laing zu spielen. Der schottische Folksänger hat insgesamt fünf thematisch Whisky-zentrierte Alben aufgenommen. Ob „The Angels‘ Share“ (1997), „The Water Of Life“ (2003), „One For The Road“ (2007), „Whisky For Breakfast“ (2011) oder das neueste Album „Whisky and Death“ (2016) – obwohl Folk sonst absolut nicht mein musikalisches Paar Schuhe ist, schafft Robins Musik eine höchst angenehme Atmosphäre. Gelegentlich ist er übrigens persönlich auf einer der großen deutschen Whiskymessen zu Gast und begleitet ein Veranstalter-seitig angebotenes Tasting musikalisch. Solltet Ihr die Gelegenheit haben, ihn zu sehen und ihm zuzuhören: vergesst sofort den oben stehenden Tipp № Ⅴ und macht das! 😉

Mit dieser Übersicht ist mein persönliches Messesetup einmal ausführlich geschildert – ich hoffe, der eine oder andere Tipp hilft Euch weiter.

Viel Spaß Euch beim nächsten Messebesuch!
Der wird naturgemäß nicht ganz unanstregend – aber mit nicht eben geringer Wahrscheinlichkeit unvergesslich schön 
Seb

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