Kurz notiert

Große Schritte machen – mit kleinen Flaschen

22. Juli 2018, Samples als Sprungbrett zu tiefem Whiskywissen.

Moin ihr,
ich erinnere mich noch genau an meinen ersten ‚richtigen‘ Single Malt Whisky, den ich geschenkt bekommen habe: das war (bzw. das waren) Mitte der 2000er Jahre ein 15-jähriger und zeitgleich ein 18-jähriger Glenfiddich.

Glenfiddich 15-year-old

Glenfiddich 18-year-old

Das Zeug konnte damals überhaupt nicht bei mir verfangen und so standen jeweils ca. 68 von 70 cl Inhalt nach einmaligem Probieren ziemlich lange herum, bis sie ein Schicksal ereilte, an das ich mich heute nicht mehr erinnern kann.

Spulen wir etwas vor: im Dezember 2009 schenkte mir meine heutige Frau als Nikolaus-Präsent ein Whisky-Set, bestehend aus neun kleinen Flaschen mit betörend leuchtenden Füllungen. Es waren Probierfläschchen, so genannte Samples. Dank dieser hatte ich die Möglichkeit, mich jedem der enthaltenen Whiskies ein paar Mal in Ruhe zu nähern und mir eine Meinung über ihn zu bilden. Bei einem der Whiskies handelte es sich um einen 11-jährigen Bowmore mit 40,0%, abgefüllt für ‚vom Fass‘ – und eben jener war DER erste Whisky, der mir Lust auf mehr machte und die Leidenschaft für mein heutiges Leib- und Magen-Hobby entfachte.

Begeistert machte ich mich online schlau, was die Brennerei Bowmore denn so anzubieten hatte und bestellte neben einer Flasche der 12-jährigen Standardabfüllung bei einem Versandhändler meine ersten zwei selbsterworbenen Samples: einen Bowmore Darkest sowie den 18-jährigen Bowmore.

Bowmore 12-year-old

Bowmore Darkest

Bowmore 18-year-old

Für die kleinen Probiermengen im Verhältnis nicht eben günstig – aber ich konnte zwei weitere, für mich folgerichtig als nächstes zu probierende Whiskies verkosten.

Wenige Tage später entdeckte ich, dass es im Internet explizite Whiskyforen gibt, in denen Liebhaber Whiskyflaschen untereinander aufteilen – und das nicht kommerziell, sondern zum Selbstkostenpreis. Die Teilenden haben so die Möglichkeit, Whiskyabfüllungen ihrer Wahl zu probieren, ohne die Kosten einer ganzen Flasche tragen zu müssen und mehrere Mitgenießer können kostengünstig an der Aufteilung partizipieren. So nach dem Motto „Ich behalte 10 cl, sechs andere Interessenten erhalten von mir ebenfalls ein Sample von je 10 cl und allen ist gedient.“

Ich meldete mich erst in einem, später in weiteren Whiskyforen an und profitierte in der Folge stark von Flaschenteilungen und Sampleangeboten. Konnte ich doch für ein Siebtel des Flaschenpreises (zzgl. ± 0,80 Cent für ein Samplefläschchen und rund drei Euro für Kartonage und Maxibriefporto) viele neue Whiskies im Regelfall fünf Mal in Ruhe verkosten, ohne gleich blindlings in ganze Flaschen investieren zu müssen.

Nach einiger Zeit als Nutznießer fing ich dann selbst an, Samples anzubieten. Das notwendige Material (Samplefläschchen, Maxibriefkartonagen, Füllstoff) war problemlos und sehr günstig beschafft und das tolle Gefühl, einer aktiven Gemeinschaft aus sich gegenseitig unterstützenden Whiskyliebhabern etwas zurückgeben zu können, war (und ist bis heute) einfach klasse.

Mehr Vielfalt und Genuss entdecken zum Bruchteil normaler Flaschenpreise: mit Whiskysamples. Hier eine Reihe typischer Samplefläschchen mit je 10 cl Inhalt, vom Autor dieses Textes versehen mit blindverkostungsgeeigneter Beschriftung.

In meinem ‚Whiskyleben‘ habe ich es so mittlerweile auf eine tatsächlich vierstellige (oha) Zahl erworbener Samples gebracht. Und auch selbst mehrere hundert Flaschen Whisky geteilt und in Sampleform versendet. Soviele (bisweilen auch sehr seltene und kostbare) Whiskies genießen zu können hätte mein Geldbeutel niemals hergegeben, wenn ich auf das Anschaffen ganzer Flaschen angewiesen gewesen wäre. Und bei einigen Abfüllungen war ich nach dem Leeren meines Samples auch schon heilfroh, nicht eine ganze Flasche davon am Hals zu haben. 😉

Bestes (bzw. schlimmstes) Beispiel für einen richtigen Ausnahme-Flop:

Irish Diamonds 2005 AC

Ich halte es noch heute so: wenn irgend möglich wird alles Interessante in Sample-Form probiert – und nur was absolut begeistert (und ins Budget passt) wird später als ganze Flasche heimwärts der strategischen Genussreserve hinzugefügt.

Da diese Flaschenteilungen in Sampleform die Grundlage meines Whisky-Entdeckens und -Genießens sind, kann ich die Aktivitäten der Enthusiasten in den Whiskyforen, allen voran in der Cutty Sark Scots Whisky Community, nicht hoch genug loben und wertschätzen: ich habe mich anfangs durch mehrere rauchige Bowmore-Abfüllungen probiert, habe dann weiter andere, ähnlich ausgeprägte rauchige Whiskies verkostet, bis ich irgendwann zu den nicht-rauchigen kam. Dann ging es irgendwann von Destille zu Destille und von Whiskyregion zu Whiskyregion. Von Standardabfüllung zu Rarität und so weiter und so fort. Eine wunderbare Reise, die beginnend mit „eine erste Abfüllung entdeckt haben, die einem besonders mundet“ jeweils links und rechts davon neue, zu probierende Whiskies nahelegte. Und auf eben diesem Entdeckungspfad bewege ich mich auch heute, beim Verfassen dieser Zeilen fast neun Jahre später noch – voller Freude und in der Gewissheit, noch lange nicht alles erkundet zu haben.

Übrigens: auch in unserer ostfriesischen Whiskyrunde, den regulars, sind gruppeninterne Flaschenteilungen bzw. Flaschenteilungen mit gruppeninterner Vorreservierungsmöglichkeit ein wichtiger Ankerpunkt unserer Aktivitäten.

Deshalb der Tipp: wenn Ihr Euch dem Thema Whisky nähert, ist einer der besten Ratschläge, den ich mit Euch teilen kann: tut Euch mit anderen Begeisterten zusammen! Wir regulars bieten Samples aus unseren geöffneten Flaschen an. Und für eine noch größere Auswahl meldet Euch doch in einem Whiskyforum an und schaut, was an Flaschenteilungen und Samples dort in dem meist ‚Flohmarkt‘, ‚Marktplatz‘ oder ähnlich benannten Bereich Euer Interesse findet.

In all der Zeit und trotz der gewaltigen Zahl an versandten wie empfangenen Samples hatte ich bis dato *klopfaufholz* noch nie Glasbruch oder Verlust zu beklagen und es hat selbst bei hochpreisigen Abfüllungen noch nie jemand betrogen, beispielsweise also einen Billig-Whisky versandt, obwohl ein teurer Hochkaräter im Fläschchen hätte sein sollen. Auch Samples ganz besonderer, in Flaschenform unerschwinglich teurer Whisky-Schätze haben bis dato immer heile und korrekt befüllt ihren Weg zu mir gefunden.

Mein Fazit: Ihr trefft in den großen Whiskyforen auf Enthusiasten, denen ich guten Gewissens mein Vertrauen gewähren würde. Ein jeder dort arbeitet beim Versampeln und Verpacken sauber und sorgfältig – schließlich beruht das ganze ‚Geschäft‘ auf Gegenseitigkeit – man möchte ja ebenfalls nur einwandfreie Samples erhalten. Ihr werdet Euch wundern, wieviel Mühe sich bsp. mancher bei der Gestaltung der kleinen Sample-Etiketten gibt – da ist sehr viel Liebe zur (guten) Tat im Spiel.

Viel Spaß und Erfolg auf Eurer Reise durch die Welt der Whiskies wünscht mit einem kleinen Dram Kilchoman im Glas – aus einem Sample, versteht sich 😉 –
Seb

Kilchoman 2007

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