Stammrundentastings

47. regulars-Treffen

27. Januar 2017, »Entzugsrauschen«, bei saw in Leer

Moin ihr,
der Vorgang meines „Berichtsheftschreibens“ am Morgen nach einem Whiskyabend ähnelt frappierend dem Beginn des Whiskyabends selbst: erstmal Tee in die Tasse und spekulieren, was hierbei wohl rauskommen mag … *schlürf*
Also: auf geht’s!

Hinter den sieben Bergen lauern die kleinen Zipfelbemützten, in Siebenbergen selbst jedoch lädt saw gern mal auf einen paar schöne Whiskies ein. So auch gestern: unser Ründchen versammelte sich um einen Küchentisch und qua Teechen wurde der Abend eingeläutet.

Später im Herrenzimmer zog das Lineup für den Abend die Augenbrauen hoch: acht Abfüllungen, größtenteils fassstark und mit bis zu 66,1%? Oha. Das wird kein Zuckerschlecken.
Für den Start ließ Gastgeber saw Gnade vor Recht ergehen und mit dem Tullibardine 228 wanderte ein wirklich leichter, süßer; aber ob seines Weinfassfinishes nicht uninteressanter Starter in die Gläser.

Tullibardine 228

In der Annahme, dass ein „leichter Ire“ ebenfalls möglichst vorn im Lineup zu stehen habe, folgte als Nummer zwei der Single Malt Irish Whiskey 2001 KiW von Erik Molenaar. Meine FreHerren! Trotz nur 49,5% dampft das Destillat alkoholisch ab wie nix. An der Luft stehen lassen, reinpusten, mit Wasser ablöschen – hilft alles nix: der ist zum Inhalieren geeignet, der macht die Atemwege frei! Am Gaumen und im Abgang zeigt er sich dann als ein leckerer, fruchtiger Sherry-Ire, bei dem der Alkohol jedoch nicht gut eingebunden ist und stark überstrahlt.

Single Malt Irish Whiskey 2001 KiW

Gläser spülen und weiter geht’s: wir bekommen einen Blair Athol 1988 vW aus einem „Wine Treated Butt“ zu fassen. Omnomnomnom, der taugt! Relativ starke Süße und ein interessantes Aromenspiel: das mit den Weinfässern kann sehr gut funktionieren. Lediglich die für 27 Jahre überschaubare Komplexität lässt vermuten, dass der Stoff 25 Jahre in einer toten Re-Re-Re-Refill-Tonne lag und lediglich per Finish Weinchen und europäische Eiche zum Aufmotzen verpasst bekam. Also: nicht hochkomplex, aber ausgewogen und sehr lecker. Quasi die Premium-Variante des eingangs verkosteten Tullibardine.

Blair Athol 1988 vW

Next stop: Blair Athol 1988 SV. Noch ein Weintreter, der jedoch ggü. dem vorhergehenden van Wees nicht besteht. Alkoholisch und unausgewogen.

Blair Athol 1988 SV

Ein spürbarer Glimmer nimmt Besitz von mir. Gute Güde, kaum hat man mal ein paar Wochen fast komplett alkoholfrei verlebt, zeigt sich die Karkasse schnippisch und reagiert empfindlich auf das einströmende Nass. Puh.
Die Rettung: Halbzeit! Über einer schönen Fisch- und Käseauswahl kommen wir zu neuen Kräften und ein anschließender kurzer Spaziergang gaukelt uns vor, quasi ja schon fast wieder komplett ausgenüchtert zu sein …
Ja denkste!

Zurück am Tisch haut Dram № 5 mich fast vom Hocker. Der Edradour 2006 vW bringt Schwefel ohne Ende mit. Heijeijei, was für ein Drücker. Nicht ganz mein Fall.

Edradour 2006 vW

Schon wird die nächste Kartusche geladen: ein Tamdhu 2006 vW. Yay, diese jungen Sherry-Tamdhus von van Wees habe ich in bester Erinnerung. Fudge-süß und trotz 60%+X supergut pur zu genießen. Dieser hier reiht sich ein, mit etwas Wasser ein süßer, kurzweiliger Freund im Glas.

Tamdhu 2006 vW

So. Tüdelü, bliepbliep! Ich merke gut, dass ich nicht nur Fanta im Glas hatte und schaue besorgt gegen die zwei letzten Drams des Abends an. Noch zwei richtig starke Bestien warten im Ring. Zuerst die Highland-Variante vom As We Get It NAS IM. Jenseits der 66% ein wahres Freudenfeuer im direkten Probieren. Die gute Nachricht: selbst reell verdünnt verwässert der Malt nicht, sondern zeigt sich als wirklich gelungener, wenn auch junger Glenfarclas. Der kann seine Herkunft nicht verbergen, eindeutig. Nice!

As We Get It NAS IM

Ein letztes Mal wird durchgeladen. Die Islay-Version des As We Get It NAS IM tritt auf. Der Versuch, die eindeutig Lagavulin schreiende fruchtige Nase gegen den auf Caol Ila deutenden speckrauchigen Abgang abzuwägen und einen Tipp auf die Destille zu geben, entpuppt sich für uns als unlösbar. Letzten Endes entscheide ich persönlich mich mal für Laga, da ich solch ein Fruchtpaket einem so jungen Caol Ila nicht zutraue – der käme imho würziger ums Eck.

As We Get It NAS IM

Schiedsrichter saw pfeift ab. Wir haben’s geschafft!

Konsens ist, dass der erste Blair Athol als Tagessieger die Schärpe umgehängt bekommt: sehr leckeres Tröpfchen!

Gott oh Gott, selten haben mich ein paar Drams so erwischt wie gestern; was war ich froh, als ich endlich das Kissen berühr… *schnarch* (und zwei Sekunden später im Tiefschlaf versunken war).

Vielen lieben Dank an saw fürs Ausrichten,
Seb

Ach ja: falls dir unser Blog gefällt und du informiert werden möchtest, wenn ein neuer Artikel erscheint, lass dich per E-Mail benachrichtigen oder abonniere unseren Newsfeed.