Messe- & Veranstaltungsbesuche

30. regulars-Treffen

25. April 2015, »Niemals geht man so ganz«, auf der Whisky Fair in Limburg an der Lahn

Moin ihr,
mit ein paar echten Krokodilstränen im Knopfloch melden wir uns zum finalen Bericht: die gestrige „Klassenfahrt“ zur Whisky Fair stellt nicht nur den 30. regulars-Treff, sondern auch offiziell das Ende unseres kleinen ostfriesischen Whiskyründchens dar. ;(

Das Förmliche kurz und knapp: unser monatlicher, saugemütlicher 5-Mann-Treff wurde leider über die Zeit zum 4-Mann-Treff (Grüße an Leorin: was musste er auch Ostfriesland den Rücken kehren? 😀 ) und im März diesen Jahres drohten wir zum 3- bzw. 2-Mann-Treff zu werden, was wohl kaum eines organisatorischen Rahmens bedarf als auch keine fixen Strukturen zur Terminplanung etc. mehr benötigt – und uns zum Entschluss brachte, mit unserem 2. Raritätentasting und der Fahrt zur Fair im April punktgenau nach 30 Veranstaltungen das Licht auszumachen.

Leider ist es uns seit unserem Start im Oktober 2012 nicht gelungen, weitere stark interessierte und enthusiastische Maltheads in unserer Umgebung für die Runde zu gewinnen, von daher fehlen whisho-, saw und meiner Wenigkeit leider frisches Blut und Perspektive für eine Zukunft der regulars als Monatstreff.

Ziehen wir kurz einen Strich drunter: großartige Freundschaften haben sich in den letzten Jahren gebildet, wir haben viele wunderbare Malts verkosten dürfen und wir hatten das Glück, unsere große Leidenschaft mit anderen in vielen Stunden bester Gespräche und Geselligkeit teilen zu können. Dafür sage ich den regulars (allen fünfen: Leorin und Gondrikeshem nicht zu vergessen) meinen besten Dank: thanks for the ride!

Nun aber zu Limburg, das soll hier ja kein rein jammervoller Nekrolog werden :grins: :
ich bin noch nie mit so kurzer Agenda auf eine Whiskymesse gefahren: bis auf „den neuen Sherrybrenner von Glenrothes bei Adelphi anschauen“, „bei Maltbarn den 74er Bunna ins Glas bekommen“ und stark naserümpfend „diese unfassbar überteuerten Angel’s-Choice-Abfüllungen von MoS willste sehen und ggf. zähneknirschend probieren, um dich in Ruhe über diesen neuesten Spin in Sachen Preispolitik aufregen zu können“ stand quasi nix an.
*klapp* (< das waren drei Autotüren, morgens um 0700 irgendwo in Ostfriesland),
*wrooooom* (< das waren knapp 3¾ Stunden auf der Bahn),
*quiiiiietsch* (< das waren dann wir um kurz nach halb Elf vor dem plätschernden Springbrunnen in Limburg).

Direkt in der Schlage lief uns Linus in die Arme, der uns mit einer Story vom brandneuen pangalaktischen Rauchiren ordentlich auf die Abfüllung angespitzt hat. Kurz nach 11 Uhr drinnen angekommen spurteten wir leidgeprüft in die Tastingticket-Schlange, die in diesem Jahr erstaunlich kurz war und sich erstaunlich fix bewegte. Ich trieb uns gegen die Wartezeit als ersten Dram des Tages bei MoS den Angel’s Choise Highland Park auf, während wir für das MoS-Tasting mit Robin Laing anstanden. Mit gesicherten Tickets rauf auf die Empore, einmal den Blick über die sich rasend schnell füllende Halle schweifen lassen und den HP probieren waren quasi eins. Joah, guter Stoff, so durfte der Tag beginnen. Jedoch imho etwas unausgeglichen, das Holz stand vor und überhaupt: 199 Öre für 0,35 l???? HABTIHRSIENOCHALLE??? Glücklicherweise konnte der geneigte regular für nur *hust* 15 Euro diesen Eindruck selbst gewinnen und den Dram in Ruhe bewerten.

Highland Park 1980 MoS

Glas spülen und auf die Hinterbeine: ab zu Martin, schauen, was bei Maltbarn so los war. Der avisierte Bunna sollte unser zweites Opfer für den Tag werden. Jamjamjam, dafür lohnte sich jeder Weg: traumhaft komplexer, gut ausgereifter Stoff.

Bunnahabhain 1974 MBa

Für ein Großsample hat’s nicht ganz gelangt, aber wunderbar beschwingt rissen wir uns mit dem 23. selbstgebackenen Keks in den Fäusten (Danke!) vom Stand los und beschlossen, bei Adelphi nach dem neuen Fass 3521 der Glenrothes-Jungspund-Sherrybombenserie zu schauen. Machen wir es kurz: der 67%-Feger machte uns jede Menge Freude: ob seiner nur 8 Jahre natürlich kein hochkomplexer Stoff, aber so punchiger, sauberer und drückender Sherry, dass es die helle Freude ist. Funmalt, packen’s gleich noch was davon ein, Bitt’schön!

Glenrothes 2007 AD

Zurück auf die Empore, durchatmen. Wobei, Moment mal: einen könnte man ja noch mit nehmen: zu MoS und mit dem Angel’s Choice Laphi den zweiten Hasskandidaten auf die Hörner genommen (*ka-ching* 15 Euro bitte). Ich muss sagen, dass ich ein Riesenfan guter Sherry-Laphis bin, primär einer derer von MoS in den letzten Jahren: 12041, 14001 und auch der FS 007 waren absolute Granaten, die (vom Pricing des FS 007 abgesehen) genau in mein Lieblingsbeuteschema fallen. Den Höllenkurs der neuen Abfüllung vor Augen, wollte ich nichts anderes als mein *nie im Leben, dass gibt die Preisleistung nicht her. Never!* bestätigt sehen. Tja. Und dann saßen wir da auf der Empore, schnüffelnd, still. Probierend. Und sich in die Augen schauend mit einem derartigen *watooosh*-Erlebnis, dass es selten hat. Als wir im ersten regulars-Raritätentasting den Tropengott BenRiach 1976 #731 im Glas hatten, hatte ich ein solches Erlebnis zum letzten Mal: ich war einfach hin und weg. Der Laphi kam so unfassbar geil, von der Nase her so übergroße Versprechungen machend, die am Gaumen und im Abgang allesamt eingelöst und übertroffen wurden – das bekomme ich nicht in Worte gefasst.

Laphroaig 1990 MoS

Als gebrochener Mann schlich ich nach dem Dram zu MoS und tütete eine Flasche ein. Und holte noch ein Tröpfchen nach. Und probierte nochmals ausgiebig. Und schlich nochmals zu MoS und legte in Sachen ‚ich nähme eine Flasche davon‘ nochmal nach. Noch nie habe ich mit derart schlechtem Gewissen ob des Preises einen Whisky gekauft. Aber noch nie habe ich eine derart gute Abfüllung getrunken. Punkt. Der Laphi bekommt von mir die 100 Punkte*. Der ist das Ende jedweder Skala. Mehr geht nicht. Referenz. Ein Traum!

Puh, damit erstmal Zeit für eine Mittagspause: raus aus dem wohlgewärmten Muff tausender Menschen auf zu wenig Raum und raus in die (kurzzeitig regenfreie) Limburger Innenstadt. Was auf die Faust und nach 30 Minuten kam der Laphinachgeschmack wieder hoch. Unglaublich hartnäckig. Man!
Nach dem Mittag beim Stand der Fair vorbeischauen: ahja, sieh an, ein Sherry-Laphi. Warum nicht den nächsten Peitschienhieb einstecken: 125 € für einen mit 46% abgefüllten 16-jährigen löst heutzutage ja quasi Schnäppchenalarm aus. Ins Glas damit, probiert und den Gedanken dankend beiseite geschoben: klar, gegen das MoS-Brett anzukommen, ist nicht einfach. Aber der WF-Laphi war holzig, unausgewogen, der Sherry flirrte mehr wie ein loser Gedanke auf einer Mindmap herum, anstatt sauber eingebunden zu sein. Davon ’ne Flasche? No Sir!

Laphroaig 1998 WF

Mit ein wenig Tingeltangel (Gruß an alle, die uns über den Weg liefen!), herumschauen und ansatzweise ausnüchtern verbrachten wir ein weiteres Stück des Nachmittags.

Glenturret 1980 MoS

Um 17.15 Uhr besuchten wir dann das MoS-Tasting mit Robin Laing. Wie die letzten Jahre wurde das (leider nur halbbesetzte, ich war erstaunt) Tasting zu einem tollen, intimen Happening von angetüterten Herren, die allesamt mit Robin zu singen begannen und alkoholinduziert die Peinlichkeitsschwelle dafür sehr leicht überwanden. Robin spielte u.a. ein paar neue Kompositionen, was beste Unterhaltung garantierte. Thomas Ewers modierte und streute gewohnt routiniert ein paar Döntjes ein, während ein guter Geist, der in diesem Jahr leider nicht rednose hieß, vier Drams in die Gläser brachte. Auch diese machten zwischen „kann man machen“ und „durchaus trinkenswert“ Freude.

Bladnoch 1990 MoS

Miltonduff 2004 MoS

Bruichladdich 2003 MoS

Images of Islay Loch Indaal Lighthouse MoS

Gegen viertel nach Sechs stürmten wir aus dem Tastingraum, um zum Treff auf der Empore zu eilen. Entweder sah ich hier weniger doppelt als sonst, oder es waren leider signifikant weniger Forumianer zugegen als in den Vorjahren. Naja, die Quantität macht’s nicht: wir liefen direkt NovA, wuko und Geniesser in die Arme und wurden noch auf zwei derart unverschämt großartige Abschlussdrams verhaftet, dass ein einfaches Dankeschön nicht ausreicht: Revanche folgt!

Glengoyne 1969

Lagavulin 21-year-old

Von meinem Laphi-Waterloo wies mich Gérard lakonisch darauf hin, dass ich mir bei der Agency noch schnell ein Schlückchen vom 1979er Glenscoma-Laphi eintüten solle, denn DAS wäre mal eine Referenz. Tja, gesagt, getan: ich freue mich darauf, das Sample die Tage zu probieren und bedanke mich für den Tipp!

Laphroaig 1979 Gs

Um kurz vor Sieben machten wir uns dann auf den Rückweg und stellten (wieder einmal) fest, dass sich für Limburg der Weg allemal lohnt: whisho und ich hatten einen großartigen Tag und mit dem MoS Laphi hatte ich für meinen Teil einen der besten Whiskies im Glas, den ich bis dato je probieren durfte und es macht Freude, mehr und mehr Forumianer kennenzulernen bzw. wiederzutreffen: Dank Euch allen!

Also: die regulars machen das Licht aus. Die Whiskyverrückten selbst nicht. Wir werden uns wiedersehen, spätestens in Mülheim werden Leorin, vllt. saw und bestimmt auch whisho und ich sicherlich vor Ort sein.

In Vorfreude auf die Messe, wo es räumlich etwas gediegener und entspannter zugeht und man im Gegensatz zur Fair das mit dem „Wasser für alle. Überall.“ verstanden hat,
verabschieden sich mit einem „auf Wiedersehen“ Eure
regulars

*Was mich einzig wundert: aus der Erinnerung setzte ich den neuen Angel’s Choice Laphi eindeutig über den FS 007, wobei ich davon ausgehe, dass beides aus demselben Fass geflossen ist. Hmmh: mag da vllt. mal jemand bei MoS nachhaken?

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