Messe- & Veranstaltungsbesuche

25. regulars-Treffen

14. November 2014, »rednose erzählt vom Krieg«, bei Scoma in Jever

Moin ihr,
es begab sich, dass ein gewisser Dr. Setter aus der Herbhopfenmetropole Jever zum MoS-Tasting blies. Auf Ärzterat soll man hören, zumal das letzte persönliche Check-up lag schon gewisse Zeit zurücklag. Wie sich herausstellte, sollte rednose das Tasting moderieren, was dann wirklich Grund genug war, gestern Abend drei fröhlich gespannte regulars in Reihe 1 eines zum Vortragsraum umgestalteten gemütlichen Whisky-Shops zu locken. Schauen wir, was dem Auditorium aus (20? 30?) Teilnehmern so kredenzt wurde:

Mit dem MOS 18 wurden die Patienten desinfiziert. Joah, mit dem werde ich persönlich nie so ganz warm: pur drückt er ganz schön auf die Tube und weckt die Hoffnung, dass er sich in Begleitung von etwas Wasser gefälliger zeigen könnte. Nimmt man ihm mit Wasser die Spitzen, kommt er mir dann schnell kaputt und lasch vor. Sicherlich kein schlechtes Zeug, es mag an mir als Anwender liegen …

MOS 18 MoS

Nun ja, während rednose zur Großrundumschlags-PowerPoint-Rhetorik-Kanonade anhob und so dieses und jenes und nochwas über MoS, Whiskyherstellung und die Destillen der Drams des Abend erläuterte, wurde das Auditorium vom Team des Herrn Doktors mit Flüssigkost bei Laune und Kräften gehalten: als zweiter Malt wurde uns ein Tamdhu verschrieben.
Ein netter, friedlicher Ex-Bourbon-Vertreter aus der 46%-Serie. Leuchtendes, helles Gelb, viel Vanille. Joah, kann man machen.

Tamdhu 2002 MoS

Im weiteren Verlauf beschloss man, härteres Geschütz aufzufahren und mit Verweis darauf, dass der 1972er Sherry-Glengoyne von MoS ja ein prächtig Stöfflein gewesen sei, reichte man uns einen 1998er Sherry-Glengoyne, der auch prima sei, weil Glengoyne von MoS immer prima sei. Rhetorikfuchs rednose schoss aus allen Rohren. Wie er war? Prima 🙂 Schöner, ausdrucksstarker Herbstmalt, gut zur Bekämpfung kleinerer Infekte.

Glengoyne 1998 MoS

Das Ärzteteam führte die Versuchsgruppe in einen Nebenraum, wo durch Fischhäppchen versucht wurde, der geistigen Trübung durch die Medizin entgegenzuwirken (soll ja gut fürs Gedächtnis sein, so Fisch …). Ob von Erfolg gekrönt, vermag ich nicht zu sagen, auf jeden Fall eine leckere Stärkung zum rechten Zeitpunkt.

Nach dieser Pause beschlossen Settersens und rednose aus einer spontanen Laune heraus, die Weihnachtszeit auszurufen: mit dem 1998er Sherry-Auchentoshan hatten wir die brandneue Christmas-Flasche von MoS am Wickel. Und ja: das Ding ist *richtig* lecker, vereinzelte Hurra-Schreie und Fußgetrommel aus den Reihen der Patienten brandeten auf. Wem der Stoff (89 Öre glaube ich) über den Weg läuft, darf beherzt zugreifen, der Auchi war auf jeden Fall das Preisleistungssternchen des Abends.

Auchentoshan 1998 MoS

Da die Glühfäden in den Gesichtern der Teilnehmerschaft noch nicht allesamt leuchten wollten, wurde der staunenden Patientenschaft näher gebracht, was es denn mit diesem „Banyuls“-Süßwein so auf sich habe. Irgendwas mit keine Maschinen im Ernteeinsatz und alles wie vor 300 Jahren. Klang nicht klug, schmeckte jedoch prima: der Banyuls-gefinishte 94er Laphi kam in den Tropf. Mmmmmmh. Tolles Zeug, allerdings durfte hier auf allerhöchstem Niveau gejammert werden: wem als Zahlenfreund bei Zahlen wie 12041, 14001 oder FS007 Freudentränen in die Augen treten, muss konstatieren, dass der Banyul nicht ganz mitkommt: tolle Süße, tolle Laphi-Komponenten, jedoch zeigt sich auf der geschmacklichen Röntgenaufnahme ein kleiner Bruch: beide Elemente sind nicht so perfekt verwoben, wie bei DEN Sherry-Laphis von MoS, sondern stehen sich eher etwas gegenüber. Immer noch ein superguter Dram, aber ich hätte ihn auch für 100 Euro stehen lassen, wobei 199 aufgerufen waren o_O

Laphroaig 1994 MoS

In welches Zeitloch wir auch immer geraten waren: der Abend raste dahin. rednose untermalte auf seine bekannt-angenehme Art und mit dem Amazing Cask Ardbeg führte unsere freundliche Sprechstundenhilfe uns die finale Ampulle zu. Der Vergleich hinkt nun gewaltig, aber kennt Ihr die Szene aus dem Beginn von „Der Soldat James Ryan“, wo Tom Hanks aus dem Landungsboot ins Wasser springt und mit streikenden Trommelfellen ob des infernalischen Schlachtgetöses kurzzeitig nur noch einen Fiepton vernimmt, bis seine Hörorgane die Arbeit wieder aufnehmen? Ungefähr das Gefühl hatte ich, als ich meinen in tüchtig Wasser eingeweichten Ardbeg ansetzte: der blies mich direkt aus dem Krankenzimmer in eine andere Welt. Allein um die Nase zu beschreiben, müsste ich mich samt Schreibmaschine mit einem Sample für eine halbe Stunde wegschließen. Ich halte Sherry-Laphis so ziemlich für das Größte, was es von der Insel gibt, aber dieser Sherry-Ardbeg kommt – mit seiner eigenen Ausprägung und Art – qualitativ auf jeden Fall dem Olymp sehr sehr nahe: ein großartiger Malt und ein perfektes Finale!

Ardbeg 1998 MoS

Manschetten wurden abgenommen, Rollstühle setzten sich in Bewegung, Bettpfannen schwappten gluckernd auf Rollwagen vor sich hin: die ersten Patienten verabschiedeten sich und das Ärzteteam schierte auf.
rednose okkupierte den Chefarztsessel und lud zum fröhlichen Plausch. Vom einen oder anderen Whisky und dem generellen Thema Preisentwicklung fand das Gespräch recht schnell seinen Weg Richtung „Meine Zeit beim Bund“. Und so wurde noch die eine oder andere Anekdote aus der Kategorie „Das erste Mal ohne Mutti“ mit Erlebnissen bei Y-Reisen ausgetauscht. Hüllen wir das vertrauliche Mäntelchen des Schweigens darüber, halten aber fest: es war ein supertoller, geselliger und spaßiger Abend mit einer steil ansteigenden Fieberkurve, was die Drams angeht: danke, Markus!

Bis zum nächsten Mal,
Sebastian

PS: Sankt-Martins-mäßig teilen wir schnell noch das angesprochene Mäntelchen des Schweigens und werfen einen Fetzen davon über unseren „Post-Show-Dram“, den sagenumwobenen Ardbeg White Port Cask: er kam wie der 10yo, vllt. etwas kräftiger, ist aber keiner „huiwasbesonderes“ aufbauschenden Rede wert.

Ardbeg 1996 UD

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