Raritätentastings

18. regulars-Treffen / 1. Raritätentasting

26. April 2014, bei ted.striker in Leer
»bomfortionell!«

Hand aufs Herz: wann hattet Ihr zum letzten Mal ein Erlebnis, welches sich nicht auf Anhieb und ohne Weiteres in Worte fassen ließ? Da, wo Kinder bisweilen an die Grenzen Ihres Wortschatzes stoßen und vor allem mit Eindrücken verbundene Gefühlsempfindungen ausführlich durchdenken und reflektieren müssen, bis sie es in passende Worte kleiden und damit anderen vermitteln können, steht man im Erwachsenenleben eigentlich nicht vor diesem Problem.

Was einseits fraglos positiv ist: unser Sprachschatz bietet Raum, um ohne Umschweife recht genau ausdrücken zu können, was uns auf dem Herzen liegt. Die Kehrseite der Medaille: wir sind dadurch leider nicht mehr gezwungen, Erlebtes nochmal genau zu analysieren und ganz genau in unsere Gefühlswelt hinein zu horchen, um – wie es Kindern ergeht – auf der begrenzten Klaviatur unserer Sprache den richtigen Ton zur Umschreibung anschlagen zu können.

Puh, was für eine Einleitung.
Was ich damit sagen wollte: Euch unser gestriges regulars-Raritätentasting zu beschreiben, bringt mich in diese lange nicht mehr erlebte Situation, um Worte ringen zu müssen. Am Ende dieses Prozesses bleibt mir nur, mir das gesuchte Adjektiv bei Lothar-Günther Buchheim zu leihen: es war »bomfortionell«!

Wir machten Geruchs- und Geschmackseindrücke, die einfach nicht von dieser Welt schienen:

Mit einem Banff 1975 MoS (№ 1) hatten wir eine wunderbar cremige Schönheit am Start, der darauf folgende Dailuaine 1971 DL (№ 2) mit seinem unverfehlbar trockenen Brennereicharakter trieb erste Freudentränen in unsere Augen.

Banff 1975 MoS

Dailuaine 1971 DL

Der viel gerühmte und ja – ganz anständige – Balvenie Tun 1401 (№ 3) fiel angesichts der anderen Drams spürbar ab und konnte leider so gar nicht glänzen.

Balvenie Tun 1401

Die absolute Klimax erreichten wir mit dem BenRiach 1976 (№ 4): ein solches tropisches Fruchtpaket in perfekter Balance mit Eiche und so komplex, dass minutenlanges Schweigen und Verarbeiten der Sinneseindrücke die Tasting-Teilnehmer band: ein Traum!

BenRiach 1976

Drei ebenso brilliante Highlights fantastischer Distillen erlebten wir mit einem Port Ellen 1983 MoS (№ 5), dem Bowmore Kranna Dubh (№ 6) und dem Ardbeg 30-year-old Very Old (№ 7). Allesamt der Festtorte mit Prunksahne oberste Schicht: Drams zum Verlieben, denen man in Ruhe näher kommen und Ihre Geschichten entschlüsseln durfte: Highlight, Highlight und Highlight!

Port Ellen 1983 MoS

Bowmore Kranna Dubh

Ardbeg 30-year-old Very Old

Ob derartiger Granaten fiel unser letzter Kandidat, der Lagavulin 21-year-old (№ 8) ein wenig ab: eine superleckere Verbesserung ggü. dem Laga 16 und ein Dram, den man gern als dauerhaft kaufbare Flasche < 200 € zur Hand hätte; aber die Abfüllung hob sich unserer Sicht nach nicht derart krass von Standardabfüllungen ab, wie es die Juwelen von Ardbeg, BenRiach, Bowmore und Port Ellen taten: der Laga 21 war sehr sehr gut, aber nicht von derart perfekter Komplexität. Kritik auf derart hohem Niveau sagt wohl restlos alles über die Qualität der Drams aus …

Lagavulin 21-year-old

Völlig geplättet und glücklich schauten wir uns nach Mitternacht in die Augen: niemand bereute den (finanziellen) Aufwand, um einmal derartige Juwelen zu verkosten: der Abend war ein ganz besonderes Erlebnis. Und sicherlich kein Einmaliges: wir klauben weitere Raritäten zusammen, um in ein, zwei, drei Jahren wiederum zu einem solchen Super-Lineup zusammenkommen zu können.

Um stundenlang ohne viele Worte auf uns einstürmende Eindrücke zu verarbeiten und genießen zu können.

Und um am Ende lange zu überlegen, wie man ein solches Erlebnis in Worten mit anderen teilen kann, bis man sich irgendwann wieder an Buchheim erinnert: es war einfach »bomfortionell«!

Beste Grüße senden,
die regulars

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