Stammrundentastings

15. regulars-Treffen

24. Januar 2014, dezentrales Online-Tasting

Guten Abend,

die regulars haben eine ganz unostfriesisch turbulente Geschichte am Start: wg. Termintrouble fiel in quasi letzter Minute unser heutiger Whiskyabend ins Wasser. Na toll! Schweißperlen standen mir auf der Stirn ob der Angst, dem Forum beichten zu müssen, dass das beinahe schon von einem Fluch verfolgte WSS nun auch in zweiter Iteration sofort wieder ins organisatorische Straucheln gerät und seine Entjungferung nur zeitverzögert antreten könne.
Notbeschluss des Vorstands: die regulars treten heute zur geplanten Stunde zum notbehelfsmäßigen, aber termingerechten Online-Tasting zusammen – alles für den Dackel, alles für den Club.
Nun denn: Katastrophe abgewendet, WSS ready for take off!

„Whisky Surprise Sample“ des Forums derwhisky.de

Wir haben getagt – und freuen uns, im Folgenden unsere Eindrücke mit Euch teilen zu dürfen:
frisch ins Glas gestellt zeigt sich der WSS-Inhalt in sauberem, sattem goldgelb. Aufgeschwenkt ist er recht träge und enthüllt dicke, langsame Beinchen.
Die Vorfreude steigt.
Wir halten unsere Nasen in die Snifter und sammeln erste Eindrücke: reife Äpfel und Orangen. Viel davon. Vor allem von ersterem. Aber ansonsten gibt das WSS nichts preis. Keine gewaltige Bandbreite in der ersten Nase. Aber auch keine wahrzunehmende alkoholische Note.
Wir spekulieren schonmal blindlings auf eine Trinkstärke-Abfüllung.
*schniff, schniff, schnüff* Nee, es macht die Türe zu und lässt uns zwischen Äppeln und Orangen sitzen. Nothing more to smell.

Also gut: Ärmel hochgekrempelt und angetrunken: binnen zwei Sekunden sind unsere Mundhöhlen komplett ausgetrocknet – Alter Vatter, das Zeug verscheucht jede Spur von Speichel so nachhaltig, dass man damit DNA-Teststäbchen faken könnte: nix mehr zu holen im Schnabel o_O.
Neben der großen Mundraumdürre legt sich Zimt auf die Geschmacksknospen. Zimt. Und Zimt. Und noch mehr Zimt. Und in jedem siebten Zimtsack auf dem Gewürzmarkt dieses Geschmackserlebnisses versteckt sich eine Zitrone. Gaaaanz dezent.

Da müssen wir erstmal schlucken: und siehe da, im recht kurzen Abgang zeigt sich eine Bitterkeit der Gestalt, die sonst nur nach dem sich-Überfuttern mit Walnüssen bleibt: Belag macht sich breit.

Wir rätseln und beschließen, dass wir unseren Tipp für Alkoholstärke der Abfüllung auf 46% setzen möchten.
Aber wo könnte das Zeug herkommen? Hektische Diskussion, Gemurmel, Kopfkratzen. Irgendwo in der Mitte zwischen „da ist die krasse Trockenheit, die Dailuaine gern mit sich bringt“ und „schlag mich hart, aber da war ein wenig Heidekraut: das könnte ein Dalwhinnie nach drei Jahren in der Fruchtausdörrwüste sein“ können wir uns nicht so richtig zwischen Speyside oder Highlands als Region festlegen; um aber dem Findelkind einen Namen zu geben, setzen wir auf eine Herkunft am langen Fluss.

Die Diskussion verläuft etwas im Kreis: konkret auf eine Destille zu tippen scheint uns unmöglich. Also wird geunkt: „haha, mit dem Berg Zimt, den das mitbringt; könnten die Vogonen gut die Reste einer Weihnachtsabfüllung im WSS entsorgt haben“.
Also taufen wir es feierlich „An Undisclosed Speyside Christmas Malt“.

Nun aber mal Wasser rein in den Trunk, vielleicht ergeben sich daraus wichtige Hinweise und Eindrücke, die uns beim Aufklären des Rätsels helfen könnten: in der Nase gibt sich das WSS wieder recht verschlossen, ein wenig süßlicher scheint der Whisky zu werden.

Rachen auf und ab dafür: süüüüüüüüßer die Glocken nie klingen! Janusköpfig zeigt sich ein komplett anderes Gesicht: sehr süß und mit ganz leichten floralen Noten sowie einem Hauch von Heidekraut (welcher vielleicht auch nur eine Phantomwarnehmung zur Stützung unserer waghalsigen Weihnachtsmalt-These sein könnte 😉 haben wir auf einmal einen komplett anderen Whisky im Glas als vor der Wasserzugabe.

Der Abgang gestaltet sich wieder fluchtartig: etwas länger als unverdünnt aber ohne bleibende, bescheibbare Eindrücke zu hinterlassen. Im Nachklang, ein bis zwei Minuten nach dem Probieren der Wasserprobe bildet sich nach dem Abtreten der Süße wieder ein Nachhall von Trockenheit, ungefähr wie nach dem Genuss von Obstler, evtl. einem Marillenbrand.

Wir konstatieren: kein Holz. Nix. Keine Jugendhaftigkeit, also ausgereift. Unser Tipp in Sachen Alter: 12-15 Jahre hat das WSS auf dem Buckel.

Und da sich keine Noten einer geschmacksgebenden Holzart wahrnehmen lassen und uns mit Wasserzugabe diese krasse Süße anfällt, sind wir uns einig, eine Abfüllung aus einem Ex-Bourbon-Fass vor uns zu haben.

Wir hochen noch einmal in uns hinein: nein, Euer Ehren, der Aussage ist nichts mehr hinzuzufügen; auch unter Eid stehen würden wir unsere halbgaren Mutmaßungen beschwören.

Mithin sei festgestalten: das WSS Ⅱ der Vogonen enthielt in seiner Erstbefüllung für die regulars
„An Undisclosed Speyside Christmas Malt“
12-15 yo, 46%, aus einem Ex-Bourbon-Fass

Wir stoßen mit Wasser zum Durchspülen an und sind ein wenig Stolz auf das Geleistete. Ach halt, nein: „da ist doch noch der Umschlag mit der Auflösung“. Uha, nun kommt die schonungslose Wahrheit ans Licht. Mit zittrigen Fingern wird das Geheimnis gelüftet:
Undisclosed? Deine Mutter!
Speyside? Ja, nee, is klar!

Die Vogonen haben uns einen Teaninich 1991/2006 14yo von Gordon & McPhail verpasst.

Teaninich 1991 GM

Also ein Highlander – und dazu noch aus einem Refill Sherry Butt – wir tippen da eher auf ein Re-Re-Re-Re-Re-Refill-Fass 😉 Aber immerhin haben wir in Sachen Alter und Alkoholstärke nicht komplett ins Klo gegriffen.

Wir hatten Spaß – und sind zufrieden mit unserer Leistung. Und als ein richtiges Highlight stellt sich heraus, dass beim Riechen am geleerten Glas mit der Zeit nochmal ein richtig volles und süßes Duftkissen für die wackeren Ostfriesen als Nachtisch bereit steht – hmmmmmh! Das WSS hat Spaß gemacht, ein richtig vielseitiger Malt war’s!

Also: wir sagen vielen Dank an die Vogonen (especially El Tren linus) für das freundliche Wiederauflebenlassen des WSS und der Übersendung an uns. Die regulars packen nun den guten Aufgesetzten aus Kutterschluck und fangfrischem Granat in die Flasche und freuen sich schon, den nächsten Stammtisch damit ärgern zu dürfen. Nein, nein, keine Sorge: wir finden etwas leckeres und vielleicht lässt sich alsbald die nächste Crew beim Rätseln in die Karten gucken.

Liebwerte Leser, vielen Dank für Eure Aufmerksamkeit sagen
Eure regulars

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